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Vitali Klitschko feierte den 40. Sieg im 42. Profikampf © getty

Nach dem K.o.-Sieg gegen Sosnowski strotzt Vitali Klitschko vor Selbstbewusstsein. Er wünscht sich Valuev - und Haye.

Von Jürgen Blöhs

Gelsenkirchen - "Zwei Runden", hatte Comedian Matze Knop in seiner Paraderolle als Franz Beckenbauer Albert "The Dragon" Sosnowski im Kampf um den WBC-Gürtel gegen Vitali Klitschko gegeben, denn "der Kampf beginnt um Elf - und Viertel nach Elf werde ich immer müde."

Der "Kaiser" musste sich wachhalten, denn der Herausforderer erwies sich laut Klitschko als "härterer Widersacher als viele Kritiker erwartet hatten". Erst in der zehnten Runde wurde der "Drachen" von "Dr. Eisenfaust" erlegt.

"Er war sehr schnell und hatte eine gute Deckung", lobte Klitschko das starke Defensiv-Verhalten des Polen.

"Meine Rechte ging einige Mal ins Leere. Da hat Fritz (Trainer Fritz Sdunek; die Red.) gesagt: "Warte ab und mach ihn mürbe.' Ab der achten Runde habe ich dann gespürt, dass er müde wird und Fehler macht. Das habe ich ausgenutzt."

"Vitali fragt mich immer, wie ich boxen würde, wenn ich der Gegner wäre", verriet Sdunek SPORT1. "Ich habe mir Albert angesehen. Er war sehr austrainiert. Ich wusste, dass es, wenn überhaupt, erst im letzten Drittel zu einem K.o. kommen würde. Unsere Strategie ist voll aufgegangen."

"Habe den Kampf kontrolliert"

In Gefahr war der Sieg nie. Die drei Punktrichter hatten den Titelverteidiger in allen Runden vorn. Dem 13 Zentimeter kleineren Herausforderer gelang es kaum, an den 2,02-Meter-Hünen aus der Ukraine heranzukommen.(EXKLUSIV: Klitschko im SPORT1-Interview)

"Ich habe wie ein Uhrwerk geboxt und den Kampf kontrolliert", analysierte Klitschko. "Fritz hat mich wie immer hervorragend eingestellt. Ich profitiere sehr von seiner Erfahrung. Er hat ja schon geboxt, da war ich noch nicht einmal geboren."

"Hätte nie gewonnen"

Die Überlegenheit gestand auch Sosnowski ein, auch wenn er den Abbruch des Kampfes durch den Ringrichter "gleich beim ersten Niederschlag nicht verstehen" konnte.

"Ich hätte weiterboxen können, aber ich hätte nie gewonnen. Vitali ist ein großer Kämpfer und hat heute seine ganze Klasse gezeigt."

Artig bedankte sich der 31-Jährige für "die Chance, um die WM boxen zu dürfen. Ich bin sehr traurig, denn ich bin hierher gekommen, um zu gewinnen. Aber die Zeit mit meinem neuen Trainer war wohl zu kurz, um meine Art zu boxen wie gewünscht umzustellen."(Alle Box-News)

Bevor der in nun 49 Profi-Kämpfen drei Mal besiegte Ex-Europameister sich zurückzog, um Eis auf die zuschwellenden Augen zu legen, kündigte er an, gestärkt zurückzukommen.

"Ich habe heute sehr viel Erfahrung gesammelt und gehe gestärkt aus dem Kampf hervor. Ich werde mir einen neuen Titelkampf verdienen und eines Tages Weltmeister sein", so Sosnowski selbstbewusst.

"Keiner wird mir den Gürtel wegnehmen"

Bis dahin muss der 38-jährige WBC-Champion seine Karriere aber beendet haben, denn "diesen Gürtel hat Muhammad Ali getragen. Nun trage ich ihn - und keiner wird ihn mir wegnehmen. Das werde ich in meinen nächsten Kämpfen beweisen."

Und nachdem er sich vergewissert hatte, dass Bruder Wladimir nicht in Hörweite war, legte Vitali noch einen drauf: "Ich bin der stärkste Boxer der Welt!"

"Eine tolle Atmosphäre"

Auch wenn der Ältere "nur" 47.000 Zuschauer in die Veltins Arena lockte und den Rekord des Jüngeren von 61.000 Besuchern am 20.Juni 2009 an gleicher Stätte klar verpasste, so war er doch mehr als zufrieden. 241930(DIASHOW: Klitschkos größte Fights)

"Es war eine tolle Atmosphäre. Ich habe eine Gänsehaut gehabt. Mein Bruder hat das ja schon erlebt, jetzt durfte ich es auch erleben", beschreibt "Dr. Eisenfaust" seine Gefühle. "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen."

Und Aufwachen will der Schwergewichtler, der am 19. Juli 39 Jahre alt wird, noch lange nicht: "Ich bin immer noch fähig, mich zu verbessern und fühle mich topfit", kündigt Klitschko weitere Kämpfe an.

"David Haye und Nikolai Valuev", wünscht er sich vor die Eisenfaust.

Und der "Kaiser" Matze Knop muss damit rechnen, erneut lange wachbleiben zu müssen, "denn natürlich werde ich jede Chance zum K.o-Schlag nutzen, aber das muss nicht in der ersten oder zweiten Runde sein".

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