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Yuri Foreman hat von 29 Profi-Kämpfen 28 gewonnen, acht durch K.o. © getty

Im ersten Boxkampf im neuen Yankee Stadium trifft Yuri Foreman auf einen Ex-Weltmeister. Gelernt hat der Israeli von Arabern.

Von Tanja Eberl

Wenn am Samstag die Box-Premiere im neuen Yankee Stadium steigt, ist dies mehr als ein Kampf um eine Weltmeisterschaftskrone.

Es geht um ein geschichtsträchtiges Aufeinandertreffen zweier Boxer an einem besonderen Ort. (Alle Box-News)

Yuri Foreman verteidigt seinen am 14. November 2009 erkämpften WBA-Titel im Superweltergewicht. Gegner ist der ehemalige Weltmeister Miguel Cotto im Weltergewicht. Zum ersten Mal wird Foreman hierbei in einem Hauptkampf antreten.

Erster israelischer Weltmeister

Viele Menschen haben sich vielleicht größere Namen für den Main Event gewünscht, doch es steckt eine Vision hinter der Idee, einen etwas unbekannteren Boxer antreten zu lassen.

Denn Foreman ist der erste israelische Weltmeister eines bedeutenden Box-Verbandes. Bekannt ist er nicht unbedingt durch eine spektakuläre Kampfweise. Er gilt nicht gerade als Puncher, eher als ein Defensiv-Spezialist, ein Denker, der im Boxring durch Taktik und Geschick seinen Gegner besiegen möchte.

Und - das macht den 29-Jährigen besonders interessant - er ist angehender Rabbiner.

Araber lehrten Foreman boxen

Geboren wurde Foreman im weißrussischen Gomel, das damals noch zur Sowjetunion gehörte. Bereits mit sieben Jahren hat er mit dem Boxen begonnen. Im Alter von neun Jahren emigrierte er mit seinen Eltern nach Israel.

Dort wollte er weiter boxen. Doch es war alles andere als einfach. Denn "in Israel ist Boxen ein äußerst unpopulärer Sport. Es gibt nur Araber und russische Immigranten, die in Israel Boxsport betreiben?, sagte Foreman der Presseagentur "AP".

Darum ging er zu den Arabern. In einem arabischen Trainingsklub bekam er die Grundlagen gelehrt. Es war nicht leicht für ihn, doch er lernte schnell.

"Boxen ist wie jeder andere Sport auch, die Unterschiede zwischen den Nationalitäten verschwinden. Nach viel harter Arbeit habe ich Freunde gefunden, einen Teil dieser Freunde habe ich immer noch", so Foreman weiter.

Mehr Möglichkeiten in New York

Er wurde Amateurboxer und gewann drei nationale Titel. Doch er wollte mehr.

Der Ruhm und die Möglichkeiten, Großes zu erreichen, drängten ihn dazu 1999 seine Sachen zu packen, seine Familie hinter sich zu lassen und nach New York auszuwandern.

Dort ging es ganz schnell, in einem der legendärsten Boxtempel, dem Gleason's Boxing Gym in Brooklyn, wo sich schon Mike Tyson und Muhammad Ali fit machten, konnte er Sparrings absolvieren und sich dort weiter ausbilden.

Eine schicksalhafte Begegnung

2001 gewann er die "New York Golden Gloves" und nur ein Jahr später wurde er Profi.

Während dieser Zeit kam es zu einer Begegnung, die sein Leben veränderte. Das blonde ungarische Modell und Boxerin Leyla Leidecker erregte seine Aufmerksamkeit.

Seine spätere Ehefrau war es, die Foreman in eine Synagoge führte, damit er seine Wurzeln kennen lernen sollte.

Ausbildung zum Rabbiner

Fasziniert entschied er sich im Jahr 2005, sich zum Rabbiner ausbilden zu lassen. "Es weckte etwas in mir, so dass ich innerlich dazu gedrängt wurde, mich eingehender damit zu beschäftigen", erklärte Foreman.

Einen Widerspruch zum Boxsport sieht er nicht. "Nach einigen Jahren des Studiums erkannte ich, dass es mir beim Boxen hilft. Ich fühle mich innerlich gestärkt", stellte Foreman fest.

Seitdem studiert er morgens und am Nachmittag macht er sich fit für seinen nächsten Boxkampf. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird er das Studium beendet haben.

"Er wird ein großartiger Rabbi werden. Sein größtes Ziel ist es, nach Israel zu gehen und dort ein Gemeinde zu übernehmen?, weiß sein Promoter Bob Arum, ?hoffentlich aber erst nach noch einigen Kämpfen."

Cotto soll Puerto-Ricaner mobilisieren

Genau jener Promoter war es auch, der den Kampf zwischen zwei seiner Boxer anleierte. Foremans Gegner ist alles andere als ein Unbekannter im Boxgeschäft.

Miguel Cotto war WBO-Weltmeister im Halbwelter- und Weltergewicht und zudem WBA-Champ im Weltergewicht.

Seinen Titel verlor er am 14. November 2009 an den Philippiner Manny Pacquiao. Genau am gleichen Abend konnte sich Foreman in einem Vorkampf seinen WM-Gürtel sichern und sich schon einmal seinen künftigen Gegner anschauen.

Und Cotto ins Puertoricaner. Hier verspricht sich Arum einen großen Zuspruch für den Kampfabend, denn in der Bronx sind überdurchschnittlich viele Puertoricaner beheimatet.

Neues im Alten

So "extravagant" wie die Boxer, sollte für Arum auch der Austragungsort sein. Am 28. September 1976 fand der letzte Boxkampf im alten Yankee-Stadion statt. Damals traf Muhammad Ali auf Ken Norton. Promoter des Events war Arum.

Jetzt sollen also ein israelischer Weltmeister und ein Puertoricaner die Massen ins 52.000 Zuschauer fassende neue Stadion des Major-League-Baseball-Teams New York Yankees und an die Fernsehgeräte holen.

Die neue Arena wurde am 3. April 2009 in der 161st Street and River Avenue eröffnet und ersetzt das alte Stadion der "Bronx"-Bombers.

Jüdische Boxer liefern Auftakt

Hier gaben sich etliche Boxgrößen die Klinke in die Hand. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass einer der berühmtesten jüdischen Boxer seiner Zeit, Benny Leonard, den ersten Boxkampf überhaupt im alten Yankee-Stadion gegen Lou Tendler austrug.

Danach waren Box-Größen wie Floyd Patterson, Jack Dempsey, Rocky Marciano, Archie Moore, Willie Pep oder Sugar Ray Robinson zu Gast. Zudem fanden beide legendären Kämpfe in den 30er-Jahren zwischen Joe Louis und Max Schmeling dort statt.

Entsprechend beeindruckt zeigt sich auch Foreman. "Hier zu kämpfen bedeutet für mich die Erfüllung eines Traums. Im Yankee Stadion anzutreten ist eine historische Sache, es bedeutet, Teil einer Geschichte zu sein", erklärte Foreman gegenüber der "Huffington Post".

Einer Geschichte, die mehr ist als ein Kampf um eine Weltmeisterschaftskrone.

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