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Trotz Handshake: Sylvester (li.) und Karmazin waren nach dem Kampf nicht einer Meinung © getty

Das Urteil zu Gunsten von Sylvester ist umstritten. Auf Kampfrichter wurde eingewirkt, es kam sogar zu Handgreiflichkeiten.

Neubrandenburg - Was nicht passt, wird passend gemacht: Ewige sieben Minuten lang wurde gerechnet.

Die Punktzettel wurden angeschaut, es wurde nochmal durchkalkuliert, auf Deligierte Einfluss genommen und ein Mitglied des russischen Teams von Ordnern handgreiflich vom Tisch der Offiziellen entfernt.

Dann erst war das Urteil genehm: Sebastian Sylvester bleibt durch ein Unentschieden gegen Herausforderer Roman Karmanzin Weltmeister der IBF im Mittelgewicht.

Wieder einmal eine Entscheidung, die dem Ruf des Boxens schadet. (Alle Box-News)

"In Deutschland hat man wenig Siegchancen"

"Ich habe natürlich gewonnen", sagte Karmanzin, "aber wenn man nach Deutschland kommt, hat man wenig Siegchancen".

Erst durch einen Schlussspurt in den letzten drei Runden konnte Sylvester seinen Gegner beeindrucken und so den Titel doch noch erfolgreich verteidigen: "Da habe ich ein bisschen mehr Gas gegeben, und zum Unentschieden hat es ja gereicht."

Jetzt kann er wie erhofft als Weltmeister am 9. Juli seine Diana heiraten. Nach dem Wie fragt dann niemand mehr.

Unentschieden gerechtfertigt?

Das Unentschieden gibt die Kräfteverhältnisse in der Nacht zum Sonntag in Neubrandenburg allerdings durchaus wieder.

Über zwölf Runden lieferten sich der Mecklenburger und sein 37 Jahre alter Herausforderer aus St. Petersburg ein verbissen geführtes Duell auf Augenhöhe, in dem Karmanzin der aktivere Boxer war, Sylvester aber die klareren und härteren Treffer anbrachte.

Umso unglaublicher waren da die Urteile der beiden amerikanischen Punktrichter.

Korrektur eines Punktzettels

Matthews Podgorski sah Sylvester mit 118:111 vorn, John Duke Lawson gab 117:111 für Karmanzin. Es kam also auf den Punktzettel des Kanadiers Pasqual Procopio an.

Und da stand zunächst 114:113 für Karmanzin. Manager Wilfried Sauerland stand bereits mit traurigem Gesicht im Ring, auch Sylvester schaute bedröppelt. Erst langsam änderte sich die Stimmung, als unten am Tisch das Nachrechnen begann.

"Der internationale Delegierte hat einen Fehler beim Zusammenrechnen gemacht", sagte Matchmaker Hagen Döring von Sauerland-Event über die Korrektur des Zettels, "bei der IBF gibt es keine Unentschiedenwertung für einzelne Runden."

Verwirrung über geänderte Regel

Eine 10:10-Runde wurde also zugunsten des Titelverteidigers verwandelt, das wichtige 114:114 war erreicht.

Allerdings ist auf der offiziellen Internetseite des Verbandes IBF bei den Regeln eindeutig das Gegenteil von Dörings Aussage zu lesen: "Wenn eine Runde ausgeglichen ist, erhalten beide Boxer zehn Punkte."

So hat es der Kanadier gemacht. Laut Döring sei aber diese noch am Sonntag offiziell veröffentlichte Regel bereits am Donnerstag geändert worden: "Da wurde beim Kampfrichter-Seminar mitgeteilt, dass es kein Unentschieden gibt."

Ein Russe im Schwitzkasten

Natürlich führen solche Undurchsichtigkeiten zu Irritationen.

Ein Mitglied des Karmanzin-Teams wollte deshalb die merkwürdigen Rechnereien auch nicht ohne Weiteres geschehen lassen. Er versuchte, den umstrittenen Punktzettel zu entwenden und ihn zu fotografieren und fand sich plötzlich im Schwitzkasten der herbeigeeilten Security-Leute wieder.

Diesen letzten Kampf hatte das Sauerland-Team eindeutig gewonnen.

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