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Susi Kentikian eroberte 2007 ihren ersten Weltmeister-Gürtel © getty

Die versuchte Werbung in eigener Sache geht nach hinten los. Die Kämpfe enden schnell. Der Boxstall steht vor dem Aus.

Schwerin - Noch eine Runde, dann dürfte es vorbei sein.

Die Hamburger Universum Box-Promotion taumelt wie ein schwer angeschlagener Boxer, der K.o. steht unmittelbar bevor.

Mit WM-Kämpfen von Jürgen Brähmer, Susi Kentikian und einem Ausscheidungsfight von Alexander Alexejev wollte das Unternehmen von Klaus-Peter Kohl am Samstag in Schwerin noch einmal Werbung in eigener Sache machen - es wurde ein Desaster.

Kämpfe ein kurzes Vergnügen

Lokalmatador Brähmer sagte wegen einer Rückenverletzung schon am Freitag ab.

Fliegengewichtlerin Kentikian behielt zwar ihre WM-Gürtel der Verbände WBA, WIBF und WBO, ihr Kampf gegen die Mexikanerin Arely Mucino musste aber schon nach 23 Sekunden der dritten Runde nach unabsichtlichem Kopfstoß wegen einer stark blutenden Wunde ohne Wertung abgebrochen werden. 264714(die Bilder)

Und Hoffnungsträger Alexejew ging bereits in der zweiten Runde gegen den Russen Denis Lebedev schwer K.o.

Blutung schwer zu stoppen

Kentikian hatte nach dem Zusammenprall offenbar starke Schmerzen am Kopf, das Blut war kaum zu stoppen.

"Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich stark blute. Ich bin sehr traurig, denn ich war gerade richtig warm, und dann war alles schon wieder vorbei. Ich bin sehr unzufrieden", sagte die 22-Jährige, die auch bei ihrer letzten Titelverteidigung im April gegen Nadia Raoui nicht überzeugen konnte. (Alle Box-News)

Geschäftsführer ratlos

Universums Geschäftsführer Dietmar Poszwa, Schwiegersohn und "Kronprinz" von Kohl, war kreidebleich und sichtbar geschockt von den Ereignissen in der Sport- und Kongresshalle, in der sich nach Brähmers Rückzug nur rund 2500 Zuschauer verloren.

"Es war ein verkorkster Abend, ich bitte die Zuschauer um Entschuldigung", sagte er und räumte mit einem Schulterzucken ein: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht."

Zbik bestreitet Abschieds-Kampf

Am 31. Juli in Hamburg tritt Universum nochmal als Veranstalter einer Fight-Night auf.

Mittelgewichtler Sebastian Zbik verteidigt dann seinen Interims-WM-Titel gegen den Argentinier Jorge Sebastian Heiland.

Dann endet der Vertrag mit dem ZDF, der Universum rund 20 Millionen Euro pro Jahr gebracht haben soll und damit die wirtschaftliche Basis für das Unternehmen war. Den 15 Mitarbeitern im Verwaltungsbereich wurde deshalb bereits im Mai zu Ende Juli gekündigt. Ein neuer TV-Partner ist augenscheinlich nicht in Sicht.

Quotenbringer längst weg

Kohl feierte erst im vergangenen Jahr groß das 25-jährige Jubiläum seines Stalls, der sich jahrelang ein Duell mit dem Berliner Wilfried Sauerland um die Vormachtstellung in Deutschland lieferte.

In den Klitschko-Brüdern, Dariusz Michalczewski, Regina Halmich und Felix Sturm hatte Universum echte Stars und Quotenbringer unter Vertrag. Sie alle sind nicht mehr da.

Cheftrainer Fritz Sdunek hat sich zurückgezogen. Hoffnungsträger wie Luan Krasniqi und Alexander Dimitrenko haben es nicht gebracht, Brähmer saß zwischenzeitlich im Gefängnis und ist gerade wieder (noch nicht rechtskräftig) wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Folgen für Boxverband

Sollte Universum den Betrieb als Veranstalter einstellen, hätte das auch unabsehbare Folgen für den Bund Deutscher Berufsboxer (BDB).

"Ohne Universum in unserer Mitte dürfte es für den Verband sehr, sehr schwer werden zu überleben", sagt BDB-Chef Thomas Pütz.

Sauerland nämlich lässt seine Kampfabende beim österreichischen Verband lizensieren. Pütz will deshalb das unvermeidlich Scheinende nicht akzeptieren: "Ich glaube immer noch daran, dass Kohl einen Joker aus der Tasche zieht."

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