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Wilfried Sauerland löste Mitte der Neunziger mit Henry Maske einen Boxhype aus © imago

Wilfried Sauerland feiert sein 30-jähriges Dienstjubliäum. Im Interview bei Sport1.de erzählt der Box-Promoter, wie alles begann.

Von Jürgen Blöhs

München - Wilfried Sauerland feiert Jubiläum: Vor 30 Jahren veranstaltete der Promoter seinen ersten Kampfabend - in Sambia.

Wie alles begann, erzählt der 68-Jährige im Interview der Woche mit Sport1.de und verrät, dass es eine Zeit gab, in der er alles hinschmeißen wollte.

Doch dann kam die Wende und mit dem Mauerfall Trainer wie Manfred Wolke und gut ausgebildete Boxer wie "Gentleman" Henry Maske.

Mit ihnen holte er das Boxen aus dem Rot- ins Rampenlicht und bewies, dass man auch in Deutschland mit dem Faustkampf die Massen begeistern und Geld verdienen kann.

"Den Trend habe ich verschlafen"

Auf den Zug weiter nach Osten ist Sauerland nicht aufgesprungen: "Den Trend habe ich verschlafen", bedauert der Geschäftsmann, sich nicht früher auf dem osteuropäischen Markt engagiert zu haben.

"Natürlich hätte ich gern die Klitschkos gehabt", gibt der Promoter zu. Seinem Schützling Arthur Abraham würde er gern zum in ganz Deutschland geforderten Duell gegen Felix Sturm verhelfen. Aber da herrscht Funkstille.

Sport1.de: Herr Sauerland, Sie feiern ihr 30-jähriges Jubiläum als Box-Promoter. Wie hat alles angefangen?

Wilfried Sauerland: Das war purer Zufall. Ich habe beruflich viel in Afrika zu tun, und eines Tages bat der Außenminister von Sambia, ein guter Freund von mir, einem großen Talent zu helfen. Er hieß Lotti Mwale. Den habe ich zur Ausbildung nach England geschickt und mit ihm den ersten Profi-Boxabend in Sambia veranstaltet. 1980 gewann John Mugabi Olympia-Gold, der ist dann auch Profi-Weltmeister geworden. Ich habe dann deutsche Boxer wie Rene Weller, Graciano Rocchigiani dazugeholt. So fing es an.

Sport1.de: Eine Erfolgs-Story über drei Jahrzehnte?

Sauerland: Nein, es war sehr mühsam, und es gab auch immer wieder Rückschläge. Die langfristigen Erfolge blieben aus, und ich habe sogar daran gedacht, das Geschäft aufzugeben. Boxen lag in Westdeutschland am Boden.

Sport1.de: Kann man sagen, die Wende brachte die Wende?

Sauerland: Ja, mit dem Mauerfall kamen Trainer wie Manfred Wolke und gut ausgebildete Boxer wie Henry Maske. Das Boxen rückte aus dem Rot- ins Rampenlicht.

Sport1.de: Den Schritt weiter nach Osten in die ehemaligen Sowjetrepubliken haben Sie damals nicht gemacht. Warum?

Sauerland: Zu der Zeit habe ich gedacht, dass man nur mit deutschen Boxern in Deutschland Erfolg haben kann. Ich hatte in den 80er Jahren mit meinen Afrikanern und auch dem späteren Weltmeister Frank Bruno die Erfahrung gemacht, das ausländische Boxer in Deutschland nicht ziehen. Die Zeit war noch nicht reif dafür.

Sport1.de: Boxer wie die Klitschko-Brüder sind Ihnen dadurch entgangen...

Sauerland: Ja, den Trend habe ich verschlafen. Natürlich hätte ich gern die Klitschkos gehabt.

Sport1.de: Mit dem Frauen-Boxen haben Sie einen weiteren Trend verschlafen.

Sauerland: Nein. Ich war nie ein Freund des Frauen-Boxens, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Sport1.de: Aber mit Cecilia Braekhus haben Sie erstmals eine Frau unter Vertrag genommen.

Sauerland: Dazu habe ich mich überreden lassen. Aber dabei bleibt es nun auch. Manfred Wolke kam kürzlich zu mir: Er hätte da eine starke Frau, aber ich habe abgewunken.

Sport1.de: Weitere Frauen bei "Sauerland Event" schließen Sie also aus?

Sauerland: Ja.

Sport1.de: Wer konnte Sie zu der Ausnahme überreden?

Sauerland: Ich habe mich schon vor Jahren aus dem Veranstaltungsgeschäft zurückgezogen. Das machen meine Söhne. Die wollten das mal versuchen.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews

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