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Wilfried Sauerland (r.) mit WBA-Weltmeister Walujew und Don King © getty

Im zweiten Teil erklärt Sauerland, warum es so wenig erfolgreiche US-Boxer gibt und wie sein Verhältnis zu Don King ist.

Sport1.de: Wo sehen Sie heute Ihre Aufgaben?

Sauerland: Mich interessiert nur noch das Sportliche, das Drumherum interessiert mich nicht mehr. Ich kümmere mich ausschließlich um die Sportler.

Sport1.de: Zum Sportlichen: In der Schwergewichtsszene fällt auf, dass in der Weltspitze kaum noch US-Kämpfer sind, die früher das Maß aller Dinge waren. Wo liegen die Gründe?

Sauerland: Die Jungen gehen lieber zum Basketball oder American Football, weil sie meinen, dass das Geld dort leichter zu verdienen ist. Dabei kann man gerade in den USA als Boxer sehr gut verdienen.

Sport1.de: Haben Sie ein Schwergewicht für die Zeit nach Nikolai Walujew im Stall?

Sauerland: Mit Alexander Powetkin haben wir einen WM-Kandidaten, und mit Jens Krull ein hoffnungsvolles Talent. Aber der Junge ist gerade mal 19 Jahre alt. Da muss man abwarten.

Sport1.de: Powetkin hat gerade mal 16 Profi-Fights absolviert. Kommt der Kampf gegen Wladimir Klitschko nicht ein wenig früh?

Sauerland: Er hat das Ausscheidungsturnier gegen Chris Byrd und Eddie Chambers gewonnen, ist Pflichtherausforderer von Wladimir. Und wen soll er denn noch boxen? Schauen Sie sich die Schwergewichts-Szene an. Da ist niemand, von dem er noch lernen kann. Außerdem hat er im Gegenzug für seine Unterschrift bei uns gefordert, dass er keine 20 oder 30 Aufbaukämpfe machen, sondern zeitnah an große Aufgaben herangeführt werden will.

Sport1.de: Neben Powetkin haben sich auch Arthur Abraham und Marco Huck früh an große Namen getraut. Ist "Sauerland Event" risikofreudiger als zum Beispiel "Universum"?

Sauerland: Das hängt natürlich immer vom Boxer ab. Auch wir haben Leute, die viel mehr Zeit benötigen. Aber Powetkin war nach sechs Kämpfen so weit, wie die Klitschkos nach 20 oder 25. Auch Abraham ist ein gutes Beispiel dafür, dass man schon früh reif für große Kämpfe sein kann.

Sport1.de: Bei Huck ging es schief.

Sauerland: Ja, da haben wir danebengegriffen. Das macht aber nichts. Aus dem Kampf hat er mehr mitgenommen, als wenn er 15 leichtere Kämpfe bestritten hätte. Eine Niederlage schadet doch nicht. Das wird in Deutschland überbewertet. Schauen Sie in die USA: De la Hoya, Mayweather, fast jeder der ganz Großen hat schon mal Kämpfe verloren. Aus Niederlagen lernt man.

Sport1.de: Warum kommt das deutsche Duell zwischen Arthur Abraham und Felix Sturm nicht zustande?

Sauerland: Am Geld kann es nicht liegen. Wir haben 1,5 Millionen Euro geboten. Ich hätte mir sportlichen Ehrgeiz von Sturm gewünscht, über die Summe hätte man ja noch mal reden können, auch 1,7 Millionen wären möglich gewesen, aber von Universum kam gar nichts. Ich glaube nicht, dass es Sturm ist, der nicht will. Herr Kohl ist ja nicht dumm. Der sieht natürlich auch, dass die Chance für Sturm, Abraham zu besiegen, nicht sehr groß wäre.

Sport1.de: Wie ist Ihr Verhältnis zu ihrem Konkurrenten Klaus-Peter Kohl?

Sauerland: Mal besser, mal schlechter. Ab und zu fetzen wir uns mal, aber eigentlich kommen wir gut miteinander aus. Es ist nie bösartig.

Sport1.de: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Don King?

Sauerland: Viel leichter als vor zehn Jahren. Vielleicht ist er im Alter etwas weicher geworden, aber hauptsächlich hat er nicht mehr die marktbeherrschende Position und muss sich auch mal anpassen.

Sport1.de : Ist Ihnen einer Ihrer Boxer besonders ans Herz gewachsen?

Sauerland: Im Grunde genommen leidet man mit jedem. Aber ich habe in der langen Zeit gelernt, niemanden zu sehr ins Herz zu schließen. Da wird man leicht auf der menschlichen Seite enttäuscht. Das musste ich leider auch schon erfahren. Da schotte ich mich auf jeden Fall mehr ab als ich es noch vor fünf oder zehn Jahren getan habe.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews

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