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Felix Sturm verteidigte seinen WBA-Titel zuletzt gegen Randy Griffin © getty

Vor dem WBA-Titelfight zwischen Felix Sturm und Sebastian Sylvester fliegen die Fetzen - die beiden können sich nicht riechen.

Hamburg - Den Gegner, dem Sebastian Sylvester am Samstag den WM-Titel im Mittelgewicht abnehmen möchte, gibt es in keiner offiziellen Rangliste: Adnan Catic.

Das ist der Geburtsname des Leverkuseners Felix Sturm, und der Herausforderer lässt seit Jahren keine Gelegenheit aus, den Weltmeister mit seinem bosnischen Namen zu benennen, "weil er ja so heißt".

Bei seinem Übertritt ins Profilager im Jahr 2000 hatte sich der in Leverkusen geborene Sohn bosnischer Einwanderer den Künstlernamen zugelegt. Der besseren Vermarktbarkeit wegen, wie er zugibt.

Seine Freunde nennen Sturm allerdings weiterhin Adnan, aber zu denen gehört Sylvester ganz gewiss nicht. "Verstand und Niveau sind bei denen nicht vorhanden", schimpfte der Weltmeister gleich gegen das ganze Team des Herausforderers.

Nationale Karte als Trumpf

Konsequent spielen die Greifswalder um Manager Winfried Spiering vor dem ersten deutschen Duell in einem WM-Kampf seit Michalzcewski und Rocchigiani im Jahr 2000 die nationale Karte, um sich vom Kontrahenten klar abzugrenzen.

Offenbar erfolgreich: Bei den Kämpfen des kurzgeschorenen Blondschopfes Sylvester ist auch immer eine Handvoll Fans anwesend, die wie Kunden eines Thor-Steinar-Ladens aussehen.

Beim EM-Kampf des Vorpommern vor drei Jahren in Hamburg standen sie beim Abspielen der Nationalhymne mit "deutschem Gruß" in den Rängen und einige sangen die erste Strophe.

"Kenne ihn von früher"

Ausländerfeindlichkeit oder gar Nähe zu Neonazi-Gedankengut wollen sich Sylvester, der den Spitznamen Hurrikan trägt, und sein Team natürlich keinesfalls vorwerfen lassen.

"Ich kenne ihn ja noch von früher als Adnan", begründet der 28-Jährige seine konsequente Verweigerung, den Sturm Felix zu nennen, "und er sagt ja auch nicht Herr Hurrikan zu mir."

Nordmannen-Ästhetik beim "Wiking-Box-Team"

Wenn das denn alles ist, muss man die Wahl der nordischen Symbole und den Namen des Box-Stalls, für den Sylvester antritt, für unglücklich halten: "Wiking Box-Team".

Dort wird eine Nordmannen-Ästhetik gepflegt, die mit Naivität oder Unwissenheit nur schwer zu begründen ist.

"Die Wikinger werden als nordische, reine Rasse nach arischem Vorbild beschrieben", heißt es auf der Internetseite "Netz-gegen-Nazis.de": "Sie verkörpern für Neonazis Opferbereitschaft für Blut und Boden."

Handschlag verweigert

Die Grenzen sind vor dem Fight in Oberhausen um den WBA-Titel jedenfalls klar gesetzt.

Die ewigen Provokationen haben bei Sturm ihre Wirkung nicht verfehlt. Bei der letzten Pressekonferenz verweigerte er seinem Herausforderer Handschlag und das gemeinsame Foto.

"Sturm hat so einen Hass auf Sylvester, der will ihn auffressen", hat Jean-Marcel Nartz von Universum Box-Promotion ausgemacht.

Maske erwartet "spannenden Kampf"

Das genau könnte das Problem für den feinen Techniker sein, der sich im Ring schon das eine oder andere Mal zu Schlägereien hat hinreißen lassen und so seine beiden Niederlagen kassierte.

Nur wenn er kühlen Kopf behält, kann er den schlagstarken Sylvester ausboxen. "Sylvester kann hart schlagen, er ist nicht zu unterschätzen", meint Henry Maske, "Sturm ist einer der besten Techniker in Deutschland. Ich erwarte einen spannenden Kampf."

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