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Shannon Briggs war bereits WBO-Champion im Schwergewicht © getty

Shannon Briggs kündigt bei SPORT1 ein schnelles Ende des WM-Kampfs an und erklärt, warum Klitschko ihn zum Comeback getrieben hat.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Es ist ein Treffen der K.o.-Könige, das am Samstag in Hamburg stattfindet.

Vitali "Dr. Eisenfaust" Klitschko verteidigt seinen WBC-Titel gegen Shannon "The Canon" Briggs.

Weltmeister Klitschko hat über 90 Prozent seiner Kämpfe vorzeitig beendet, Herausforderer Briggs glänzte bislang mit 45 Knockouts.

Entsprechend prophezeit der US-Boxer im Interview mit SPORT1 ein schnelles Ende des Kampfes: "Ich werde Vitali in der ersten Runde ausknocken", kündigt Briggs an, der für den WBC-Gürtel "für den Rückflug bereits den Sitz neben mir in der Ersten Klasse reserviert" hat.

Sollte die Prophezeiung des 38-Jährigen eintreffen, hätte Klitschko ein klassisches Eigentor erzielt. Immerhin war es der Ukrainer, der den US-Boxer nach dessen Rücktritt 1997 wieder in den Ring gebracht hat. Briggs erzählt SPORT1 wie es dazu kam.

SPORT1: Herr Briggs, was dürfen wir am 16. Oktober erwarten?

Shannon Briggs: Einen großartigen Shannon Briggs. Ich werde der Welt zeigen, dass ich nicht nur ein großer, sondern ein Weltklasse-Boxer bin. Für mich ist es der größte Kampf meiner Karriere, obwohl ich schon gegen die Hall of Famer George Formeman und Lennox Lewis geboxt habe. Vitali gehört in diese Reihe.

SPORT1: Sie werden im Dezember 39 Jahre alt, Ihr Manager Gregory Cohn sagt, dass dieser Kampf ihre letzte große Chance ist. Hören Sie im Falle einer Niederlage auf?

Briggs: Diese Frage stellt sich nicht. Ich werde Vitali besiegen, danach seinen Bruder Wladimir, dann David Haye...

SPORT1: In Hamburg treffen zwei K.o.-Könige aufeinander. Das spricht nicht für einen langen Kampf.

Briggs: Richtig. Ich werde Vitali in der ersten Runde ausknocken. Ich habe für den Rückflug bereits den Sitz neben mir in der Ersten Klasse für den WM-Gürtel reserviert. Ich habe mir den Gürtel angeschaut, er passt auch farblich wunderbar in mein Wohnzimmer.

SPORT1: Sie werden also von Beginn an marschieren. Das richtige Konzept?

Briggs: Ich bin eine Waffe. Ich brauche kein Konzept. Wenn Vitali nicht in Runde eins K.o. geht, werde ich die zweite Runde boxen als ob es die erste wäre und so weiter. Ich habe die Kraft dazu.

SPORT1: Ihr letzter WM-Kampf im Juni 2007 gegen Sultan Ibragimow ging über zwölf Runden und endete mit einer Niederlage...

Briggs: Auf den Kampf hatte ich nur 14 Tage, um mich vorzubereiten. Das war zu wenig. Ich war nicht in Top-Form. Jetzt bin ich fitter als je zuvor. (Briggs steht auf) Schauen Sie sich diesen Körper an.

SPORT1: Nach dem Kampf gegen Ibragimow haben Sie aufgehört.

Briggs: Richtig. Ich hatte keine Lust mehr. Aber Vitali hat mich motiviert, wieder in den Ring zu steigen.

SPORT1: Wie kam es dazu?

Briggs: Ich habe Vitali auf dem Sunset Boulevard getroffen. Damals wog ich über 150 Kilo. Ich war ein richtiger Fettsack. Vitali schlug mir auf den Bauch und sagte: "Was ist das denn? Geh' mal wieder ins Gym. Du warst mal Schwergewichts-Champ..." Das war kein schönes Gefühl. Danach habe ich beschlossen, dass ich wieder anfange zu trainieren. Seither habe ich über 40 Kilo abgenommen (haut sich auf den Bauch). Das ist nicht mehr derselbe Bauch wie damals. Dank Vitali bin ich stärker als je zuvor, und jetzt nehme ich ihm seinen Gürtel ab.

SPORT1: Es gibt in Deutschland Verwirrung um ihre angebliche Asthma-Erkrankung.

Briggs: Angeblich? Ich kann nur weniger als 50 Prozent meiner Lungenkapazität nutzen. Am 16. werde ich trotz der Behinderung Weltmeister im Schwergewicht. Dann bin ich endgültig der berühmteste Asthmatiker der Welt. Ich hoffe, ich bekomme eine Parade in New York (lacht).

SPORT1: Gab es nie Ärzte, die ihnen vom Boxen abgeraten haben?

Briggs: Ein Box-Verbot gab es nie, aber einige Ärzte haben in der Tat prophezeit, dass ich im Ring sterben werde. Aber den Gefallen tue ich ihnen nicht. Schwieriger war es, ein Asthmamittel zu finden, dass nicht auf der Dopingliste steht.

SPORT1: Ali, Frazier, Foreman... Das Schwergewicht war lange in amerikanischer Hand. Wo bleibt die neue Schwergewichts-Hoffnung der USA? Sind die Kids nicht mehr hungrig?

Briggs: Meine Mutter starb an Drogen, mein Vater im Knast. Ich bin in Brooklyn in Heimen und auf der Straße aufgewachsen. Da habe ich mich rausgeboxt. In den USA gibt es immer noch Ghettos und Armut, aber die Kids haben nicht mehr die Geduld, sich zu einem WM-Kampf hochzuboxen. Sie versuchen lieber, in der NFL das schnelle Geld zu machen.

SPORT1: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Sie tragen ihr Haar lang. Soll das etwas Bestimmtes aussagen?

Briggs: Samson, Baby, Samson. Sie geben mir Kraft.

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