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Sebastian Sylvester hat von seinen 38 Profikämpfen 34 gewonnen © getty

Der 30-Jährige aus Greifswald verteidgt seinen Titel in Rostock gegen Mahir Oral und begeistert in Nordost-Deutschland die Massen.

Rostock - "Oh, wie ist das schön", sangen die Fans in ohrenbetäubender Lautstärke in der Rostocker Stadthalle.

"Ihr" Mann Sebastian Sylvester stand derweil auf den Seilen des Ringgevierts, genoss den Jubel und seinen 3:0-Punktsieg (117:107, 117:107, 119:106) Samstagnacht über Mahir Oral (Hamburg).

In seiner nordostdeutschen Heimat ist der 30 Jahre alte Profiboxer aus Greifswald ein Volksheld.

Weltmeister des Verbandes IBF im Mitelgewicht ist er nach der erfolgreichen Titelverteidigung gegen Oral auch - dennoch ist Sylvester vor allem ein lokales Phänomen.

Champ ist ein lokales Phänomen

Ob in Neubrandenburg oder jetzt vor 4600 in Rostock, wahrscheinlich auch in Stralsund, Greifswald und Anklam, Sylvester hat an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommmerns seine Gefolgschaft und seine Identität.

Und die Sportfans aus dieser Region haben einen der Ihren, der erfolgreich ist und dem sie zujubeln können.

"Warum soll ich woanders boxen, wenn hier so eine tolle Stimmung ist?", fragt Sylvester.

Bundesweit sieht es anders aus

Ob der blonde Norddeutsche das Zeug zum bundesweiten Star hat, ist fraglich.

Ein Indiz sollte die Einschaltquote in der "ARD" am Samstag liefern. "Über sechs Millionen wäre sehr gut", sagte Manager Kalle Sauerland. 4,62 Millionen (20,7 Prozent Marktanteil) waren es...

Oral dreimal angezählt

Immerhin boten Sylvester und Oral gute Unterhaltung in einem intensiven Kampf, in dem der zähe Herausforderer dreimal (8., 9., 11. Runde) nach Körpertreffern angezählt werden musste.

Sylvester blutete seit der zweiten Runde nach einem Zusammenprall der Köpfe aus einem Cut über dem rechten Auge. Am Punktsieg des dynamischeren Titelverteidigers gab es aber keinen Zweifel.

Der 30 Jahre alte Oral konnte damit auch seine zweite WM-Chance nicht nutzen. Im Juni 2009 unterlag er Arthur Abraham durch technischen K.o. in der zehnten Runde, diesmal kam er immerhin über die Distanz.

"Die Enttäuschung ist riesig. Die Körpertreffer haben mich zermürbt", erklärte der Deutsche türkischer Abstammung.

"Beste Leistung der Karriere"

Um so besser war die Laune im Sylvester-Lager. "Das war die beste Leistung seiner Karriere", erklärte Sauerland junior.

Seit Sylvester sich Anfang 2009 dem Sauerlandstall angeschlossen hat, geht es aufwärts. Die Trennung vom obskuren "Wikinger" Boxstall und der neue Trainer Karsten Röwer haben ihm offenbar gutgetan.

"Er ist viel lockerer geworden, früher stand er unglaublich unter Druck", hat Sauerlands Geschäftsführer Chris Meyer festgestellt.

Revanche gegen Sturm?

Da aber im Mittelgewicht in Deutschland Felix Sturm das Maß aller Dinge ist, hat Kalle Sauerland die Gelegenheit genutzt, ein Re-Match gegen den WBA-Superchampion zu fordern.

Vor zwei Jahren war Sylvester Sturm in Oberhausen hoffnungslos unterlegen, ein Klassenunterschied war zu sehen.

"Ich würde Sebastian gerne noch einmal gegen Herrn Sturm im Ring sehen", tönte Sauerland, "ich bin mir sicher, dass es einen anderen Sebastian geben würde."

Ob es aber gegen den technisch brillanten Sturm reichen würde, muss dennoch bezweifelt werden.

Weiterin Meck-Pomm

Für Sylvester steht ohnehin bis März zunächst die Pflichtverteidigung seines Titels an. Da könnte dann schon ein Gegner kommen, der weniger maßgeschneidert ist, als Mahir Oral.

Da könnte der Titel ernsthaft in Gefahr geraten. Meyer überlegt deshalb, noch eine weitere freiwillige Titelverteidigung anzustreben.

Natürlich in Mecklenburg-Vorpommern: "Sebastian hat das beste Publikum in Nordostdeutschland, hier hat er seine Basis. Die Leute haben verdient, dass wir wiederkommen."

Und Sylvester könnte sich wieder feiern lassen.

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