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David Haye verlor nur einen seiner insgesamt 26 Profikämpfe © getty

David Haye bringt sich mit der Aussage, auf sich selbst gewettet zu haben, in Bedrängnis. Auch Harrison blüht Ungemach.

Von Martin Hoffmann

München - Der "Battle of Britain" verkam zu einer Peinlichkeit.

Das Nachspiel des Weltmeisterschaftskampfes zwischen David Haye und Audley Harrison ist dafür umso interessanter.

Der siegreiche Klischko-Rivale Haye wirbelte eine Menge Staub mit der Aussage auf, er hätte auf sich selbst gewettet - verbotenerweise, wie er erst danach herausfinden sollte.

"Ich habe viel Geld auf die dritte Runde gesetzt - ebenso wie viele meiner Freunde und Familienmitglieder", hatte der 30-Jährige nach dem Kampf in Manchester ins Mikrofon erklärt.

Eilig zurückgerudert

Haye habe also auf einen K.o. in der dritten Runde gewettet - genau in der Runde, in der er nach zwei Runden, in denen quasi nichts passierte, dann auch Ernst gemacht hatte.

Der britische Boxverband BBBC - nach deren Regularien Boxer nicht auf sich selbst wetten dürfen - kündigte sogleich eine Untersuchung an.

Worauf Haye eiligst zurückruderte und behauptete, doch keine Wette platziert zu haben.

Um Klarstellung bemüht

Gegenüber "Radio 5 Live" erklärte Haye: "Ich bin nicht tatsächlich in ein Wettbüro gegangen und habe gesagt: 'Hier ist soundsoviel Geld.'"

Er habe auch nicht online gewettet, wie er dann klarzustellen bemüht war: "Was ich getan habe war zu sagen, dass ich Audley innerhalb drei Runden ausknocken würde."

Dass er nicht früher als in der dritten Runde den Sack zugemacht hätte, hätte lediglich daran gelegen, dass Harrison nicht früher aus der Deckung gekommen wäre.

Er habe es nicht nötig, auf sich selbst zu wetten: "Ich habe mit dem Kampf genug verdient."

"Überrascht und enttäuscht"

Haye gab aber zu, dass es ihm neu gewesen wäre, dass er keine Wette auf sich platzieren dürfe.

Worauf sich BBBC-Generalsekretär Robert Smith "überrascht und enttäuscht" zeigte: "Wir verschicken die Regeln jedes Jahr und hätte er sie gelesen, hätte er es gewusst."

Smith akzeptierte allerdings Hayes Klarstellung und meinte: "Von dem was ich gehört habe, bin ich froh, dass alles in Ordnung war."

Mehr als eine Verwarnung werde wohl nicht mehr auf Haye zukommen.

Harrison droht Aberkennung der Kampfbörse

Ärger blüht aber auch Harrison, dem wegen seiner unsäglichen sportlichen Vorstellung der nachträgliche Entzug seiner Kampfbörse droht.

Diese Sanktion ist dem BBBC möglich und laut Smith etwas, "worüber wir uns zusammensetzen und beraten werden".

Harrison, der vor 22.000 enttäuschten Zuschauern vor Ort und geschätzten 700.000 Pay-Per-View-Käufern an englischen Fernsehern praktisch keinen Schlag anbrachte, soll eine Million Pfund erhalten haben - rund 1,18 Millionen Euro.

Chisora: "Erbärmlich"

Dass die ihm entzogen gehöre, findet der nächste Gegner Wladimir Klitschkos.

Harrisons und Hayes Landsmann Dereck Chisora, der am 11. Dezember nach Klitschkos WBO- und IBF-Titel greift, nannte Harrison "erbärmlich".

"Ich würde mich nirgendwo mehr blicken lassen, wenn ich so gekämpft hätte", sagte Chisora.

Harrison habe "Schande über sich und alle britischen Schwergewichtler als gebracht". Eine Feststellung, die er mit einer Drohung an Wladimir verband: "Ich werde das korrigieren, wenn ich gegen ihn kämpfe."

Lewis glaubt nicht an Haye-Rücktritt

Hayes nächster Gegner soll derweil Pflichtherausforderer Ruslan Chagaev sein, der am Freitag zunächst gegen den US-Amerikaner Travis Walker in den Ring steigt (ab 20.15 LIVE im TV auf SPORT1).

Haye hat angekündigt, dass er dann nacheinander Wladimir und Vitali vor die Fäuste bekommen wolle, um an seinem 31. Geburtstag am 31. Oktober 2011 als Weltmeister aller wichtigen Verbände abzutreten.

Ein prominenter Landsmann zweifelt jedoch daran: "Ich glaube nicht, dass er aufhören wird. Er ist im richtigen Alter, im richtigen Gewicht und ist zur richtigen Zeit da", glaubt Ex-Weltmeister Lennox Lewis.

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