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Ruslan Chagaev (r.) gewann 26 seiner 28 Profikämpfe, 17 durch Knockout © getty

Pflichtherausforderer Chagaev spricht über den Fight gegen den "Güterzug", den Makel des Briten und seinen Hepatitis-Befund.

Von Andreas Kloo

München - Alle Welt wartet auf die Vereinigungskämpfe zwischen den Klitschko-Brüdern und David Haye.

Doch Ruslan Chagaev ist der Mann, der sie zunichte machen könnte.

Der "weiße Tyson", der bisher nur von Wladimir Klitschko besiegt wurde 120351(Bilder des Kampfs), ist der Pflichtherausforderer des Weltverbands WBA für dessen Schwergewichts-Weltmeister Haye.

Und bei allen Spekulationen, dass der Kampf nicht zustande kommen könnte, glaubt der Usbeke, dass der britische Champion nicht an ihm vorbeikommen wird.

Duell mit dem "Güterzug"

Als Vorbereitung auf das ersehnte Duell gegen den "Hayemaker" trifft Chagaev am Freitag in Hamburg auf den US-Amerikaner Travis Walker (ab 20.15 LIVE im TV auf SPORT1), genannt "Freight Train" ("Güterzug").

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Der 31-Jährige war als Amateur Golden-Gloves-Champion im Superschwergewicht, als Profi gewann er 34 seiner 40 Kämpfe, 28 davon durch K.o.

Im Interview der Woche mit SPORT1 spricht Chagaev über den Kampf, das erhoffte Duell mit Haye und wie aus seiner Sicht Politik mit seiner Hepatitis-Diagnose gemacht wird.

SPORT1: Herr Chagaev, Sie haben vor dem Interviewtermin noch einen kleinen Mittagsschlaf gemacht. Sie scheinen den Kampf ganz locker anzugehen.

Chagaev: Ja, das ist richtig, ich bin relativ entspannt. In den letzten Tagen ist es wichtig, nach dem harten Sparring etwas zur Ruhe zu kommen. Viel Schlafen, viel Spazieren. Das ist normal in den letzten Tagen vor einem Kampf.

SPORT1: Was erwarten Sie denn von Ihrem Gegner Travis Walker?

Chagaev: Jeder Boxer will immer gewinnen. Ich bereite mich auf einen Kampf über die Runden vor. Er hat einen guten Jab und mit 28 K.o.-Siegen eine bessere Quote als ich. Man darf seinen Gegner nie unterschätzen. Die Zuschauer werden auf ihre Kosten kommen. Das verspreche ich. Außerdem ist es ein etwas anderer Kampf, da mein Haupt-Trainer Magomed Schaburow in Japan bei meinem Trainingskollegen Vitali Tajbert ist. Der verteidigt ja seinen WM-Titel am 26. November in Nagoya. Aber mein zweiter Trainer Vardan Zakardayan wird mich in der Ecke unterstützen.

SPORT1: Wie wird Ihre Taktik aussehen? Sind Sie auf den K.o. aus oder lassen sie es erstmal langsam angehen?

Chagaev: Einen K.o. kann man nicht planen. Der kommt dann von ganz allein. Aber ich gehe so in den Kampf, als wenn ich zwölf Runden boxen muss.

SPORT1: Ist der Kampf für Sie nur eine Zwischenstation auf das Duell mit David Haye?

Chagaev: Ja. Ich bin der Pflichtherausforderer für Haye. Und er wird nicht an mir vorbeikommen. Er muss endlich mal einem besseren Boxer begegnen. Aber auch den Kampf am Freitag nehme ich sehr ernst. Mein Gegner ist zwar kein Weltmeister, aber ein erfahrener Mann.

SPORT1: Allerdings heißt es, dass der Haye-Kampf gar nicht zustande kommen wird. Einerseits glaubt der mit Haye verbundene Kalle Sauerland, dass der britische Verband den Kampf wegen Ihrer Hepatitis B nicht sanktionieren würde. Andererseits soll Haye eher auf einen Kampf gegen einen der Klitschkos aus sein.

Chagaev: Zunächst einmal ist wichtig zu erwähnen: Ich habe keine Hepatitis-Erkrankung. Ich habe keine Viren in meinem Blut. Ich trage lediglich ein Hepatitis-Antigen. Alle Medizin-Experten wissen, dass das, was einige daraus machen, Stimmungsmache ist. Stimmungsmache und Box-Politik. Deshalb ist mein Re-Match gegen Nikolaj Walujew geplatzt. So ist mir Walujew aus dem Weg gegangen.

SPORT1: Sie sind also gesund genug für den Kampf gegen Haye?

Chagaev: Kerngesund. Ich kann gegen Haye antreten und ich will den Kampf. Ich bin bereit. Und mein Promoter hat das entscheidende zum Thema gesagt: Wenn Haye nicht gegen mich boxen will, muss er Angst vor mir haben. Einen Ansteckungsgrund gibt es ja nicht. Sonst hätte Wladimir Klitschko auch nicht gegen mich geboxt.

SPORT1: Was könnten Sie dagegen machen, wenn die Gegenseite dem Kampf aus dem Weg gehen will?

Chagaev: Es ist für Haye eine Pflichtverteidigung. Er muss gegen mich antreten - früher oder später. Wenn er den Vereinigungskampf hinbekommt, muss ich warten. Aber es gibt Regularien, die einzuhalten sind.

SPORT1: Sie haben gesagt, dass Sie Haye schlagen würden. Also schätzen Sie ihn nicht so stark ein wie beispielsweise die beiden Klitschkos?

Chagaev: Nein, er hat im Schwergewicht - anders als im Cruiser - noch keine großen Namen geboxt.

SPORT1: Wird Haye vielleicht auch etwas überschätzt?

Chagaev: Nein, das will ich nicht sagen. Er ist natürlich ein guter und schneller Boxer. Sehr variabel. Aber gegen wen hat er denn bisher geboxt? Gegen Audley Harrison, der hat eine starke Amateurkarriere hinter sich. Als Profi hat er aber schon fünfmal verloren. John Ruiz ist auch nicht viel besser. Haye muss erstmal gegen gute Boxer antreten. Gegen mich.

SPORT1: Ist es auf der anderen Seite so, dass Sie unterschätzt werden? Alle schauen nur auf Haye und die Klitschkos - ärgert Sie das?

Chagaev: Das ist normal. Es gab ja schon ein paar Wortgefechte. Ich denke, dass Haye gegen die Klitschkos kämpfen will, weil er da mehr Geld verdienen kann. Aber jeder große Boxer sollte auch seine Pflichten einhalten.

SPORT1: Wen sehen Sie von den beiden Klitschkos als stärker an? Gegen Wladimir haben Sie ja schon gekämpft.

Chagaev: Beide sind sehr gute Boxer, beide sind Weltmeister. Ich habe Respekt vor beiden. Wladimir ist sicher sehr stark, aber Vitali hat dasselbe Niveau.

SPORT1: Ihr Kampf gegen Walker findet in Hamburg statt, so wie die meisten Ihrer Kämpfe in Deutschland stattfinden. Wie wichtig sind Ihnen da die Fans hierzulande?

Chagaev: Sehr wichtig. Ich wohne schon seit sechs Jahren in Deutschland. Meine Kinder gehen hier zur Schule. Ich gehe zweimal pro Woche zum Deutsch-Unterricht. Hier fühle ich mich hier sehr, sehr wohl. Ich freue mich, nach fast vier Jahren wieder in meiner neuen Heimat Hamburg zu boxen.

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