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Vitali Tajbert gewann 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen Bronze © getty

Vor dem Titelkampf gegen Takahiro Aoh spricht Vitali Tajbert im Interview über das fremde Land Japan und seine Ring-Taktik.

Von Andreas Kloo

München/Nagoya - Für Vitali Tajbert ist es eine völlig neue Erfahrung. Erstmals tritt er zu einem WM-Kampf im Ausland an. Und dass gleich auf einem fernen Kontinent.

Im japanischen Nagoya (Fr., ab 10.15 Uhr auf und im LIVESTREAM) verteidigt der 28-Jährige seinen WBC-Titel im Superfedergewicht gegen Takahiro Aoh.

Doch von Reisestrapazen und ungewohnter Umgebung will sich der Universum-Boxer nicht beirren lassen. Ganz im Gegenteil: Er saugt die neuen Eindrücke in sich auf und wil daraus positive Energie entwickeln.

Tajbert fühlt sich bereit für den großen Kampf, der 10.000 japanische Fans in die "Gaishi Hall" von Nagoya lockt.

Im Interview der Woche mit SPORT1 berichtet er von der "perfektesten Kampfvorbereitung" in seiner Karriere. Außerdem schildert er seine Eindrücke von Land und Leute und erklärt die Probleme beim letzten Kampf gegen Hector Velazquez.

SPORT1: Haben Sie die Reise nach Japan gut überstanden? Spüren Sie noch den Jetlag?

Tajbert: Anfangs war ich schon ganz schön K.o. Aber jetzt geht es.

SPORT1: Sie haben zuletzt von schwierigen Bedingungen gesprochen, die Sie in Japan erwarten. Was haben Sie damit gemeint?

Tajbert: Neben der Zeitumstellung auch das andere Klima. Außerdem bin ich weg von Zuhause in einem anderen Land. Es ist mein erster Auswärts-Kampf. Mein Gegner hat alle Fans hinter sich. Das ist natürlich ein Vorteil für Aoh. Aber ich werde damit klarkommen.

SPORT1: Wie sind denn die ersten Eindrücke von Japan?

Tajbert: Dieses Land gefällt mir sehr gut. Die Menschen sind zu allen freundlich, egal ob man Einheimischer oder Ausländer ist. Wir sind hier sehr herzlich empfangen worden. Ich würde gerne ein zweites Mal hierherkommen, nur um Urlaub zu machen.

SPORT1: Wie groß ist die Box-Begeisterung in Japan?

Tajbert: Die ist sehr groß. Der Medienandrang ist größer als bei uns. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch waren über 100 Journalisten anwesend.

SPORT1: Auch der Zuschauerandrang wird groß sein. 10.000 Fans werden erwartet, die alle für den Gegner schreien? Macht Sie das nervös?

Tajbert: Nein, es können ruhig noch mehr Zuschauer kommen. Ich will alles, was ich kann, im Ring zeigen. Ich will hundertprozentig anwesend sein mit Körper und Geist und den Leuten zeigen, dass ich zu Recht Weltmeister bin.

SPORT1: Wie lief denn die Vorbereitung auf den Kampf?

Tajbert: Ich fühle mich sehr wohl. Mit dem Gewicht bin ich gut runtergekommen. Auch die Klimaumstellung bereitet mir keine Probleme. Ich fühle mich fast wie Zuhause und lache viel. Kurz: Es war die perfekteste Kampfvorbereitung, die ich jemals hatte.

SPORT1: Beim letzten Kampf gegen Hector Velazquez konnten Sie nicht ihre volles Potential ausschöpfen, da Sie ein Cut früh behinderte. Haben Sie deshalb das Gefühl, etwas gutmachen zu müssen?

Tajbert: Nein, das ist eben Sport. Es gibt eben Tage, an denen es nicht läuft. Manchmal kannst du 100 Prozent bringen, manchmal nur 90, manchmal noch weniger. Beim Velazquez-Kampf hat auch das Drumherum nicht gepasst. Ich hatte private Probleme, Stress, Unruhe. Außerdem hatte ich eine Verletzung am rechten Arm, die mich behindert hat. Das wusste nur niemand. Diesmal habe ich zwei Hände zur Verfügung und bin völlig sorgenfrei.

SPORT1: Gegner Takahiro Aoh bereitet Ihnen keine Sorgen? Wo sehen Sie dennoch seine Stärken?

Tajbert: Er ist sehr willensstark und auch technisch gut. Er ist ein sehr guter Punkte-Boxer. Anfangs macht er viel Druck, aber nach den ersten vier Runden lässt er nach. Aber er ist nicht umsonst Nummer zwei der Weltrangliste, deshalb nehme ich ihn natürlich sehr ernst. Wie es dann wirklich läuft, werden wir im Ring sehen.

SPORT1: Aoh gibt also anfangs gleich Gas. Werden Sie sich im Gegensatz dazu erst einmal abwartend verhalten?

Tajbert: Ich werde ruhig beginnen und versuchen, mich Runde für Runde zu steigern.

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