vergrößernverkleinern
Der Hamburger Arthur Abraham gewann 25 seinem 31 Siege vorzeitig © getty

Vor dem Kampf gegen Carl Froch erhöht Arthur Abraham den Druck auf sich selbst. Beide Boxer sind zum Siegen verdammt.

Helsinki - Ab und an kommt es in einer Boxkarriere zu einem Kampf, der die weitere Karriere eines Profis entscheidet.

Einen davon hat Arthur Abraham bereits erfolgreich hinter sich gebracht, als er vor vier Jahren trotz eines Kiefernbruchs gegen Edison Miranda gewann.

Am Samstag stellen sich für den Berliner in Helsinki wieder die Weichen, wenn er im Kampf um die WBC-WM im Supermittelgewicht auf den Engländer Carl Froch trifft.

"Für mich geht es um alles. Es geht um meine Zukunft als Sportler", sagt "König" Arthur Abraham: "Ich muss unbedingt siegen."

Abraham muss sich beweisen

Mit dem spektakulären "Blutkampf" gegen Miranda wurde der gebürtige Armenier deutschlandweit zum Star und baute seinen Ruf als einer der besten und härtesten Mittelgewichtler der Welt auf.

Jetzt bestreitet er seinen dritten Kampf im Supermittelgewicht.

Nur mit einem Erfolg über Ex-Champion Froch kann der Berliner beweisen, dass er tatsächlich auch mit den etwas schwereren und größeren Jungs mithalten kann.

Zwei Fights hat Abraham bislang im Super-Six-Turnier der Supermittelgewichtler bestritten.

Abraham mit ausgeglichener Bilanz beim Super-Six-Turnier

Sein K.o.-Sieg in der zwölften Runde im Oktober 2009 gegen den allerdings "verbrauchten" Jermain Taylor war spektakulär.

Im März bekam er bei der Disqualifikationsniederlage gegen Andre Dirrell jedoch klare boxerische Grenzen aufgezeigt.

"Das ist eine Narbe auf meiner Seele", sagt er, "erst wenn ich wieder gewinne, habe ich ein gutes Gefühl."

Als "Zwergenkönig" musste sich der 1,78 Meter große Abraham bereits von der Fotomodell-Freundin seines sieben Zentimeter längeren Gegners schmähen lassen.

Verbale Schläge des Gegners

Froch, der auch eine sechs Zentimeter längere Reichweite hat, kündigte schon mal lautstark an: "Ich werde ihm wieder den Kiefer brechen oder die Rippen, wenn das sein muss, um zu gewinnen."

Denn auch der Brite steht unter extremem Druck. Wie Abraham kassierte er in seinem letzten Kampf seine erste Niederlage nach 26 Siegen.

Der 33-Jährige verlor seinen WBC-Titel an den Dänen Mikkel Kessler, der den Gürtel nun aber wegen einer Augenverletzung nicht verteidigen kann.

"Wenn ich verliere, muss ich überlegen, wie es mit meiner Karriere weitergeht", so Froch, "ich will nicht nur auf lokalem Niveau boxen."

Sauerland: "Das wird ein Krieg"

Froch gilt wie Abraham als extrem harter K.o.-Schläger mit Schwächen in der Deckung.

Kessler, der ein Stallkollege des Berliners bei Promoter Wilfried Sauerland ist, erwartet wie viele andere Experten in der Hartwall Arena eine Ringschlacht.

"Das wird ein Krieg. Zwei harte Puncher werden sich nichts schenken." Promoter Kalle Sauerland erwartet einen "Hammer, einen Knaller, einen Riesenfight."

Der Sohn von Wilfried Sauerland, der zunehmend in das Geschäft seines Vaters einsteigt, ist der Erfinder des Super-Six-Turniers.

Nach dem Ausstieg von drei der ursprünglich sechs Teilnehmer mehrten sich die Zweifel an dem Konzept.

Kämpfer für das Halbfinale stehen fest

"Wenn es mit den Halbfinals im nächsten Frühjahr losgeht, redet niemand mehr über die Probleme", erwartet Sauerland.

Abraham und Froch stehen als Halbfinalisten fest, egal wie ihr Kampf ausgeht. Ebenso wie der Amerikaner Andre Ward und Ersatzmann Glen Johnson (Jamaika).

Wards Kampf um den WBA-Titel ebenfalls am Samstag in Oakland gegen Sakio Bika hat darauf keine Auswirkungen.

Er darf nur nicht seinen WM-Titel verlieren, dann wäre die Idee, den wahren Supermittelgewichts-Champ zu ermitteln, endgültig hinfällig.

Kampf als Wegweiser für die Karriere

Zumal die beiden weiteren Weltmeister Robert Stieglitz (WBO) und Lucian Bute (IBF) ohnehin nicht an dem Turnier teilnehmen.

Das alles interessiert Abraham und Froch aber nicht.

Sie kämpfen um ihren Ruf und ihre Karriere. Nach einem tagelangen Ballyhoo mit Beleidigungen und Schmähungen ist deshalb seit Mitte der Woche Ruhe in beiden Lagern eingekehrt.

Volle Konzentration auf einen Kampf, der ihre Zukunft entscheiden kann.

"Eine zweite Niederlage wäre eine Katastrophe", erklärte Abraham, "daran will ich gar nicht denken."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel