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Arthur Abraham (r.) hat gegen den Engländer Carl Froch keine Chance © getty

Abraham hat durch die Niederlage gegen Froch nicht nur den WBC-Titel verpasst, der Berliner hat auch viel Reputation verloren.

Helsinki - Arthur Abrahams Blick schweifte müde ins Nichts, während Carl Froch minutenlang über seinen Triumph dozierte 318137(DIASHOW: Kreisch-Queen brüllt König Arthur nieder).

Am liebsten wollte der Berliner nur weg, ebenso wie sein Trainer Ulli Wegner neben ihm.

Stattdessen mussten beide nach der deprimierenden Punktniederlage (108:120, 109:120, 109:119) im Kampf um den vakanten WBC-Titel im Supermittelgewicht auf der Pressekonferenz sitzen.

Dabei gab es eigentlich nichts mehr zu sagen, so klar war das Ergebnis. "König" Arthur wurde in dieser Nacht von Helsinki wieder zu einem "Schlumpfboxer" degradiert.

"Taktik ist hundertprozentig aufgegangen"

Ohne Mumm, ohne Power, ohne Durchschlagskraft. Abraham gewann keine einzige Runde gegen Froch, der dem Berliner klar die Grenzen aufzeigte.

Der 33-Jährige holte sich damit den Gürtel zurück, den er im April gegen Mikkel Kessler verloren hatte.

"Meine Taktik ist hundertprozentig aufgegangen", sagte Froch, "das war von der Kontrolle her einer der besten Kämpfe meiner Karriere."

Abraham ohne Chance

Beim Ballyhoo im Vorfeld hatte er Abraham von seiner Freundin als "Zwergenkönig" titulieren lassen. Und genau so sah es im Ring dann aus.

Der kleinere Berliner konnte die Führhand seines Gegners nie überwinden, zahlreiche wilde Schwinger zerteilten nur die Luft.

So ging Abraham zum zweitenmal hintereinander nach der Niederlage gegen Andre Dirrell im März geschlagen aus dem Ring.

Für den technisch limitierten ehemaligen Mittelgewichtsweltmeister ist die höhere Gewichtsklasse offenbar eine Nummer zu groß.

Eigentor für Abraham?

Trotzdem steht er im Halbfinale des Super-Six-Turniers. Abraham soll im kommenden Jahr in den USA gegen Andre Ward (USA) boxen, Froch trifft in Großbritannien auf Glen Johnsen (Jamaika).

In der Verfassung vom Samstag aber hat der gebürtige Armenier keine Chance gegen den flinken US-Boy. Die von Kalle Sauerland entwickelte Turnier-Idee ist zum Eigentor für den Berliner Stall geworden: Sein größter Star ist demontiert.

Wegner unzufrieden

Dementsprechend brodelt es hinter den Kulissen. Ulli Wegner, der sich schon mehrmals über fehlende Arbeitsmoral seines Schützlings beklagt hatte, war jedenfalls restlos bedient.

Schon nach gefühlten zehn Sekunden der ersten Runde hatte er Abraham zu mehr Aktivität aufgefordert, immer wieder schrie er aus der Ecke in den Ring hinein:

"Eine Aktion, sei nicht so passiv." Aber Abraham konnte oder wollte nicht.

Nächster Kampf gestrichen

"Ich bin ein Puncher, ich wollte ihn treffen, aber es hat nicht geklappt", war der schmale Kommentar des Verlierers, "mehr kann ich nicht sagen."

Um so deutlicher wurde der 68 Jahre alte Coach: "Ich habe Respekt vor einem Sportler wie Froch, der so konsequent durchzieht, was sein Trainer sagt", so Wegner, "wir sollten jetzt unter vier Augen darüber reden, wie es weitergeht."

Den ursprünglich für März angepeilten Termin für den nächsten Kampf hat das Sauerland-Team jedenfalls schon gestrichen.

Abraham nicht hungrig genug

Geschäftsführer Chris Meyer wird den gebürtigen Armenier demnächst zum Rapport bestellen. "Ein klärendes Gespräch steht mal an, er muss mal erklären, warum er die Leistung nicht gebracht hat", sagte Meyer.

Auch Wilfried Sauerland war bedient: "Arthur hat nicht den Hunger gezeigt, den er so oft schon gezeigt hat. Ich kenne den Grund aber nicht."

Den aber muss das Sauerland-Team nun herausfinden. Vielleicht ist die Antwort tatsächlich so einfach. Der armenische Emigrant hat es durch das Boxen zu großem Wohlstand gebracht, er hungert nicht mehr.

Und wer sich ein eigenes Flugzeug gekauft hat, der hebt auch schnell mal ab.

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