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Alexander Dimitrenko ist seit dem 11. November 2010 deutscher Staatsbürger © getty

Vor dem EM-Kampf gegen Albert Sosnowski spricht Alexander Dimitrenko über den schweren Gegner, K.o.-Siege und sein Jura-Studium.

Von Olaf Mehlhose

München - Zu Beginn seiner Karriere ging es für Alexander Dimitrenko immer nur nach oben.

Nach seiner Pleite im WM-Ausscheidungskampf gegen Eddie Chambers im Juli 2009 musste der Universum-Boxer dann allerdings lernen, wie sich eine schwere Niederlage anfühlt.

Erst nach einer einjährigen Wettkampfpause kehrte Dimitrenko in den Ring zurück und sicherte sich mit einem Sieg über Jaroslaw Saworotnij den Europameister-Titel. (318587Bilder: Die Karriere von Alexander Dimitrenko)

Den will der 28-Jährige erstmals gegen Herausforder Albert Sosnowski in Schwerin verteidigen (Sa., ab 21 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). Der Pole ist hierzulande noch durch seinen Kampf gegen Vitali Klitschko bekannt. (IM PORTRÄT: Albert Sosnowski)

Im Interview mit SPORT1 spricht Dimitrenko über seine Lehren aus dem Chambers-Kampf, die K.o.-Erwartungen der Zuschauer und den Vergleich mit Max Schmeling.

SPORT1: Um Ihre Chancen auf einen WM-Kampf zu wahren, müssen Sie Ihren Europameister-Titel verteidigen. Wie wichtig ist der Kampf gegen Albert Sosnowski?

Alexander Dimitrenko: Ich will den Titel natürlich behalten, deswegen nehme ich den Kampf sehr wichtig. Ich habe mich gut vorbereitet und sehe dem Aufeinandertreffen sehr positiv und optimistisch entgegen. Aber meine volle Konzentration gilt jetzt Sosnowski, mit zukünftigen Dingen beschäftige ich mich im Augenblick noch nicht.

SPORT1: Nach Ihrer Niederlage gegen Eddie Chambers haben Sie ein Jahr lang nicht im Ring gestanden. Was haben Sie aus der Niederlage gelernt?

Dimitrenko: Ich habe meine Lehren aus dem Kampf gezogen. Mir ist klar geworden, dass das Leben Höhen und Tiefen hat. Auch wenn ich mal verliere, muss ich weitermachen und mich durchboxen. Ich gehe meine Kämpfe jetzt viel konzentrierter und fokussierter an. In der Vorbereitung habe ich mich abgeschottet. Ich verhalte mich jetzt viel professioneller und habe klare Ziele, die ich erreichen will.

[kaltura id="0_lv2jire5" class="full_size" title=" Will den Titel nicht verschenken "]

SPORT1: Jetzt geht es gegen Sosnowski, der im Mai gegen Vitali Klitschko gut mitgehalten hat. Ist das der erste Härtetest nach Ihrer Wettkampfpause?

Dimitrenko: Ich bereite mich auf jeden Kampf wie auf meinen letzten vor. Sosnowski hat gegen Klitschko zehn Runden mitgehalten, deshalb nehme ich ihn sicherlich nicht auf die leichte Schulter. Trotzdem bin ich sehr optimistisch - und bereit. Ich freue mich darauf, in den Ring zu steigen.

SPORT1: Sosnowski gilt als sehr erfahrener und aggressiver Boxer. Haben Sie schon eventuelle Schwächen bei ihm ausgemacht?

Dimitrenko: Ja, aber das werde ich nicht verraten. Das werde ich alles im Ring zeigen.

SPORT1: Sie haben den Zuschauern Blut und Action versprochen. Können wir uns auf einen K.o.-Sieg einstellen?

Dimitrenko: Ich habe gesagt, dass die Zuschauer Blut und Action sehen wollen, dass sie deswegen zum Boxen kommen. Ich werde versuchen, ihnen das zu bieten. Aber einen K.o. kann ich nicht versprechen, ich muss meinen Gegner ausboxen. Wenn ich versuche, ihn bei jeder Gelegenheit k.o. zu schlagen, werde ich fest - dann klappt das nicht. Mein Trainer sagt immer, ich müsse flüssig boxen und die Fäuste fliegen lassen. Der K.o. kommt dann ganz von alleine.

SPORT1: Es besteht die Möglichkeit, dass der Kampf über die volle Distanz von zwölf Runden geht. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Dimitrenko: Damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich habe viele Sparringsrunden mit meinen vier Trainingspartnern absolviert. Im Schwergewicht kann mit einem Schlag alles vorbei sein, ich bin aber auch in der Lage, zwölf Runden im Ring zu stehen.

SPORT1: Seit dem 11. November haben Sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Dimitrenko: Das war ein ganz normaler Integrationsprozess. Ich lebe jetzt seit neun Jahren in Hamburg und habe hier auch die Sprache gelernt. Meiner Meinung nach ist das in den Zeiten der Globalisierung eine ganz normale Sache. Ich habe mich für diesen Schritt entschieden und freue mich, dass ich jetzt für Deutschland an den Start gehen darf.

SPORT1: Neben Ihrer Karriere als Boxer streben Sie auch einen akademischen Abschluss an. Es wird ja immer behauptet, dass Boxer nichts im Hirn haben. Wollen Sie das Klischee damit widerlegen?

Dimitrenko: Nein, darum geht es mir nicht. Es gibt aber auch ein Leben nach dem Boxen. Ich glaube, dass ich mit meinem Jura-Studium gut darauf vorbereitet bin. Es ist nicht leicht, das ganze Training und mein Studium unter einen Hut zu bekommen, aber irgendwie klappt das schon.

SPORT1: Sie haben gesagt, dass Sie der erste deutsche Schwergewichtsweltmeister seit Max Schmeling werden wollen. Haben Sie sich den Film "Max Schmeling - Eine deutsche Legende" mit Henry Maske als Motivation angeschaut?

Dimitrenko: Das Vergnügen hatte ich noch nicht, aber den Film werde ich mir sicherlich ansehen. Was heißt schon erster Weltmeister? Max Schmeling ist eine Box-Legende, und es wäre eine Ehre, in einem Atemzug mit ihm genannt zu werden. Ich möchte aber meine Wurzeln auch nicht leugnen, alle wissen, dass ich aus der Ukraine komme. Es wäre schön, für Deutschland Weltmeister zu werden. Aber vor allem will ich als der wahrgenommen werden, der ich bin: Alexander Dimitrenko.

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