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Bernd Heynemann beendete 2001 seine Karriere als Bundesliga-Schiedsrichter © getty

Der Ex-Referee betritt als Punktrichter eine neue Bühne. Ob er beim Boxen bleibt, ist offen. Die Politik ist weiterhin ein Thema.

München - Er war einer der beliebtesten Schiedrichter der Bundesliga und hat 151 Fußball-Spiele geleitet, doch nun boxt sich Bernd Heynemann auf einem anderen Parkett durch.

Der Magdeburger sitzt beim Kampfabend des SES-Boxstalls in Prag (Fr., ab 21 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). erstmals als Punktrichter am Ring und wertet den WM-Kampf zwischen Kreshnik Qato aus Albanien und Karama Nyilawila aus Tansania.

"Das ist eine neue Herausforderung. Ich freue mich sehr", sagte Heynemann. Seit Jahren besucht der WM-Schiedsrichter von 1998 Boxkämpfe und ist gut befreundet mit dem Kölner Box-Experten Jean Marcel Nartz.

"Er hat gesehen, dass ich ein Auge habe, und mich mehrfach aufgefordert, einen Kampf zu werten", berichtet Heynemann.

Bitterer Bruch mit DFB

Genug Zeit für das neue Hobby ergab sich im letzten Sommer, als der DFB die Zusammenarbeit mit ihm als Schiedsrichter-Beobachter beendete. Noch immer hat Heynemann den bitteren Bruch nicht akzeptiert.

"Die Vorwürfe waren völlig aus der Luft gegriffen. Angeblich habe ich mich bei Spielen zu oft im VIP-Raum aufgehalten und Geschenke angenommen", erzählt der Tausendsassa, der von 2002 bis 2009 für die CDU im Sportausschuss des Deutschen Bundestages saß.

Zudem soll Heynemann vom DFB Inkompetenz vorgeworfen worden sein.

"Ich war neun Jahre Beobachter für den DFB und hatte die meisten Einsätze", sagt der ehemalige Referee, der sich von Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel falsch behandelt fühlt: "So geht man nicht mit einem WM-Schiedsrichter und Träger des Bundesverdienstkreuzes um."

[kaltura id="0_lv2jire5" class="full_size" title=" Ich willl den Titel nicht verschenken "]

Keine Lizenz für Deutschland

Nach all dem Theater wechselte Heynemann vom Fußball-Stadion an den Boxring. Da er keine offizielle Lizenz des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) besitzt, darf er vorerst nur im Ausland werten.

"Ich weiß noch nicht, ob ich die Lizenz beantrage. Ich will den Kampf erst einmal abwarten", sagt der 56-Jährige, der im Boxen klare Favoriten hat: "Die Klitschkos sind das Maß der Dinge. Sie haben die Art des Boxens von Henry Maske weiterentwickelt."

Beim Magdeburger Boxstall SES ist man hocherfreut über den prominenten Neuzugang am Ring.

"Eine Riesensache für unseren Sport. Heynemann war einer der beliebtesten Schiedsrichter", sagt SES-Chef Ulf Steinforth, bei dessen Kampfabend am Freitag der Fight zwischen dem Tschechen Lukas Konecny und dem Franzosen Hamlet Petrosyan um die EM-Krone im Superweltergewicht der EBU im Mittelpunkt steht.

Erst Mittelgewicht, dann Politik

Für Heynemann ist allerdings der Kampf zwischen Qato und Nyilawila im Mittelgewicht das Highlight. Mit zwei weiteren Punktrichtern muss er entscheiden, wer in dem kleineren Verband WBF neuer Weltmeister wird.

Die Verantwortung ist groß. "Zum Glück bin ich nicht der Ringrichter, der ganz im Rampenlicht steht", sagt Heynemann, der sich zu Beginn des neuen Jahres wieder verstärkt der Politik zuwenden will.

"Dann kandidiere ich für den Landtag von Sachsen-Anhalt."

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