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Sylvester Stallone verkörperte in der "Rocky"-Reihe den Boxer Rocky Balboa © getty

Zusammen mit "Iron Mike" zieht der Schöpfer und Hauptdarsteller der legendären "Rocky"-Filme in die Hall of Fame ein.

Von Martin Hoffmann

München - Es ist eine spektakuläre Klasse, die die Ruhmeshalle des Boxens für das kommende Jahr zusammengestellt hat ? und eine, die für Kontroversen sorgt.

Denn es gehören nicht nur sportliche Größen wie Ex-Weltmeister Mike Tyson dazu, sondern auch Hollywood-Star Sylvester Stallone.

Beide ziehen am 12. Juni 2011 in einer offiziellen Zeremonie in Canastota im US-Bundesstaat New York in die International Boxing Hall of Fame ein.

So hat es ein Gremium aus Mitgliedern der Boxing Writers Association und internationalen Boxhistorikern beschlossen.

Ein Teil des Mythenschatzes

Stallone wird für die Bedeutung des Films "Rocky" gewürdigt, dessen Hauptcharakter er als Drehbuchautor schuf und selbst darstellte.

Die Underdog-Geschichte aus dem Jahr 1976 über den Boxer Rocky Balboa, die fünf Fortsetzungen nach sich zog, ist längst Teil des sportlichen und gesellschaftlichen Mythenschatzes geworden.

Die Würdigung der Rolle, die diese Figur für den Boxsport gespielt hat, ist ? neben dem PR-Effekt - die offensichtliche Absicht der Kür Stallones.

"Ohne Frage: Die Rocky-Filme stellen Boxer als das dar, was sie wirklich sind: als Krieger", meinte Hall-of-Fame-Mitglied Sugar Ray Leonard: "Leute, die aus kleinen Verhältnissen kommen, aber es irgendwie an die Spitze schaffen."

Nächstes Jahr Mr. T?

Auch "ESPN"-Kolumnistin sieht Stallones Ruhmeshallen-Einzug als "absolut sinnvolle" Auszeichnung für die Aufmerksamkeit, die er dem Boxsport über das übliche Publikum hinaus gebracht hat.

Nicht alle jedoch folgen der Logik. Wie zu erwarten, gibt es auch Kritik und Spott.

"Das ist peinlich", urteilt der "Washington Examiner". Eine "Beleidigung für Leute wie Tyson" sieht der Sport-Blogger Larry Brown in der Hall-of-Fame-Kür eines Mannes, der in einem realen Ring "nichts getan hat".

"Nächstes Jahr kommt dann wohl Clubber Lang", witzelt die "Fort Wayne Journal Gazette" über die von Mr. T verkörperte Nebenfigur der Filmreihe.

Tyson erstmals wählbar

Weniger kontrovers ist trotz aller Skandale die Wahl von Tyson, der seit diesem Jahr die Aufnahme-Bedingung erfüllt, dass sein letzter Kampf fünf Jahre her ist.

Tyson war mit 20 Jahren und vier Monaten der jüngste Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten und war in den späten Achtzigern die dominante Figur seiner Klasse.

Er hielt damals gleichzeitig die Gürtel der drei bedeutendsten Verbände WBC, WBA und IBF und galt damit als unumstrittener Schwergewichts-Champion.

"Iron Mike" fühlt sich "geehrt"

Seine beste Zeit endete 1990 mit der überraschenden K.o.-Niederlage gegen Buster Douglas, zwei Jahre später ruinierte eine Verurteilung wegen eines sexuellen Übergriffs seinen Ruf.

Nach drei Jahren im Gefängnis gab es ein erfolgreiches Comeback, das schließlich aber von der berüchtigten Szene überschattet wurde, als er Evander Holyfield in einem WM-Kampf 1997 ein Teil seines Ohrs abbiss.

Es folgten der sportliche und private Niedergang: Im Jahr 2003 meldete Tyson - von Millionen-Schulden gebeutelt - Privatinsolvenz an.

Tyson fühlt sich nun "geehrt" von der Hall-of-Fame-Aufnahme: "Der Boxsport hat mir so viel gegeben und es ist für mich ein wahrer Segen an der Seite historischer Legenden anerkannt zu sein."

Auch Chavez unter den Geehrten

Die Ehre teilen sich der "Baddest Man on the Planet" und Stallone mit zehn weiteren Größen, die mit ihnen geehrt werden.

Der prominenteste hinter dem Duo ist Julio Cesar Chavez aus Mexiko, der in drei verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister-Würden erlangte.

Außerdem in der Klasse von 2011 sind der australische Ex-Champion Kostya Tszyu, Trainer Ignacio Beristain und Ringrichter Joe Cortez.

Posthum werden außerdem noch Pal Moore, Jack Root, Dave Shade, John Gully, Promoter A.F. Bettinson und Kommentator Harry Carpenter gewürdigt.

Sie ziehen in einen illustren Zirkel an Legenden ein, denen als einzige Deutsche auch Max Schmeling und Wilfried Sauerland angehören.

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