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Waldimir Klitschko feierte bislang 49 K.o.-Siege in seiner Profi-Karriere © getty

Kurz vor dem Kampf gegen Dereck Chisora verletzt sich Wladimir Klitschko beim Training. Wann er gegen wen wieder boxt, ist unklar.

Mannheim/München - Als die Diagnose nach der Kernspintomographie in der Uniklinik Mannheim feststand, spürte Wladimir Klitschko neben den starken Schmerzen nur noch die große Leere.

Ein 3,7 Zentimeter langer Riss in der Bauchmuskulatur zwang den Schwergewichts-Weltmeister in die Knie - und hat den für Samstag geplanten "Racheakt" gegen seinen englischen Herausforderer Dereck Chisora platzen lassen.

"Es machte auf einmal Knack an einer Stelle, die überhaupt nicht zu beschreiben ist. Die Schmerzen waren extrem. Ich konnte mich kaum bewegen", sagte "Dr. Steelhammer" Klitschko "RTL" und fügte traurig an:

"Eigentlich bin ich in der Top-Verfassung meines Lebens. Nun bin ich total enttäuscht."

Neuansetzung ungewiss

Passiert war das Malheur im Pratzentraining mit Trainer Emanuel am Mittwochnachmittag.

Ob der ursprünglich für Samstag in Mannheim vorgesehene 19. WM-Kampf Klitschkos gegen den in 14 Profikämpfen ungeschlagenen Chisora nachgeholt wird, steht derzeit noch nicht fest.

"Chisora ist dazu nicht verpflichtet. In den nächsten Wochen werden wir mit einigen Leuten sprechen. Dann fällt eine Entscheidung", erklärte Klitschko-Manager Bernd Bönte am Donnerstag.

Klitschko weiß nichts von Haye-Kampf

Für Chisora, der Klitschko nach der Absage gegenüber RTL als "Kneifer" bezeichnete, hatte der Ukrainer nur Spott übrig. "Er kann jetzt die Zeit genießen und Weihnachten und Silvester ohne Kopfschmerzen feiern."

Chisora hatte gegenüber der "BBC" geäußert: "Ich glaube, er wollte nicht kämpfen."

Klitschko selbst muss wegen der Verletzung seinen Neujahrsurlaub umplanen. "Ich hatte mich eigentlich schon darauf gefreut, Silvester irgendwo hinzufliegen, wo ich Kitesurfen kann. Das wird nun nichts."

Gerüchte, denen zufolge es bereits in den nächsten Monaten in Las Vegas den von der Boxwelt ersehnten Kampf gegen den Briten David Haye geben könnte, wollte Klitschko nicht bestätigen: "Ich habe davon noch nichts gehört, denn mein ganzer Fokus lag jetzt auf Dereck Chisora."

Vier bis sechs Wochen Pause

Bönte war auch am Tag nach dem Trainingsunfall noch geschockt: "Wladimir hat sich acht Wochen auf diesen Kampf vorbereitet und war in Hochform. Dass er sich drei Tage vorher diese Verletzung zuzieht, ist der Worst Case."

Noch nie zuvor in seiner Karriere hatte der 34-Jährige einen Kampf absagen müssen.

Klitschko, der im Anschluss an einen weiteren Arztbesuch in Mannheim am Donnerstag nach Hamburg zurückkehren wollte, muss vier bis sechs Wochen pausieren. Ein Datum für sein Comeback steht noch in den Sternen - Grund zur Sorge besteht aber nicht.

"Die Verletzung ist nicht zu ernsthaft. Innerhalb von 60 Tagen sollte er wieder in der Lage sein, zu kämpfen", meinte Klitschkos US-amerikanischer Berater Shelly Finkel.

Muskel nicht mehr belastbar

Klitschko hatte sich den Muskelfaserriss im großen schrägen Bauchmuskel auf der linken Seite "wohl bei einer unglücklichen Bewegung" (Bönte) zugezogen.

In der Folge klagte der IBF-, WBO- und IBO-Champion über starke Schmerzen und ließ sich ins Krankenhaus fahren, wo Orthopäde Dr. Sven Rößing die niederschmetternde Diagnose stellte.

Die Kernspintomographie zeigte "eine frische Einblutung". Der Muskel sei nicht mehr belastbar, an einen Kampf am Samstag sei deshalb "nicht zu denken", erklärte Rößing.

"Wer Frauen schlägt, ist ein Verlierer"

Dabei war Wladimir Klitschko "extrem heiß" auf den Commonwealth-Champion Chisora gewesen. Sämtliche 11.500 Eintrittskarten für die SAP-Arena waren verkauft.

Der Titelverteidiger und sein britischer Herausforderer hatten sich am Montag bei einer Pressekonferenz ein hitziges Wortgefecht geliefert. Klitschko hatte sich Chisora wegen dessen angeblicher Prügelattacke gegen die Ex-Freundin zur Brust genommen und Rache im Namen des Opfers geschworen.

"Ich schlage keine Frauen, so wie du es tust. Wer Frauen schlägt, ist ein Verlierer. Du weißt nicht, wo man boxt - nämlich im Ring", sagte Klitschko zu dem 26-jährigen Chisora: "Als Person bist du schrecklich. Ich werde dir den Weg nach Hause ohne Titel zeigen."

Nur "Taxi-Fahrer" als Gegner

Die Vorwürfe Klitschkos führte zu gegenseitigen Beschimpfungen der beiden Kontrahenten.

Dabei warf Chisora dem Weltmeister unter anderem vor, dass er zuletzt nur "Taxi-Fahrer" als Gegner gehabt habe: "Ich dagegen bin der geborene Kämpfer."

Klitschko hat bislang 58 Kämpfe bestritten und nur drei davon verloren. 49-mal schlug er seinen Gegner K.o.

Zweifel bei Chisora

Chisora reagierte enttäuscht und ungläubig auf die Absage.

"Er hat es zunächst nicht geglaubt. Drei, vier Tage vor einem Titelkampf ist die harte Arbeit natürlich schon getan", kommentierte Chisoras Promotor Frank Warren.

Der Brite hatte sich Großes vorgenommen: "Wir sind nicht nach Deutschland gekommen, um Ferien zu machen. Wir wollen die Titel holen. Wir sind sehr gut vorbereitet. Dereck ist der Kämpfer, der Wladimir schlagen wird."

Nun muss Chisora wieder die Heimreise antreten - ohne Titel.

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