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Marco Huck gewann den WM-Titel 2009 gegen den Argentinier Victor Emilio Ramirez © imago

Marco Huck nennt Gegner Lebedew vor dem WM-Kampf hässlich und veralbert ihn mit einem Plastik-Objekt. Der erträgt es stoisch.

München/Berlin - Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck hat seinen Gürtel schon vor dem Kampf gegen Denis Lebedew abgegeben.

Nicht jedoch den, auf den es ankommt: Milde lächelnd überreichte er seinem Gegner einen Plastikgürtel und schickte eine unmissverständliche Botschaft hinterher.

"Weihnachten ist die Zeit der Geschenke. Und Du sollst ja nicht mit leeren Händen nach Hause fahren", meinte Huck: "Der richtige Gürtel gehört mir. Den bekommst Du auf gar keinen Fall."

"Ein ganz starker Mann"

Gewohnt selbstbewusst geht der Bielefelder also in seine fünfte WBO-Titelverteidigung.

Das scheint neben aller boxerischer Klasse auch nötig. In Lebedew wartet ein harter Brocken. 21 Kämpfe, 21 Siege stehen für den Osteuropäer zu Buche.

16-mal gewann er vorzeitig. "Das ist ein ganz starker Mann. Aber Marco ist als Persönlichkeit weiter gereift. Er wird den Ring als Sieger verlassen - wenn er unsere Taktik umsetzt", meint Trainer Ulli Wegner.

Lieber mit dem schweren Säbel

Genau daran haperte es bei Huck in den vergangenen Kämpfen trotz aller Erfolge jedoch immer wieder.

Der Weltmeister holt oftmals lieber den schweren Säbel als das Florett heraus. Wegner bringt das in der Ringecke regelmäßig zur Verzweiflung.

"Wenn ich nur einfach zu führende Sportler hätte, würde ich zehn Jahre jünger aussehen. Ich muss Marcos Temperament schon im Training manchmal zügeln, aber das ist in Ordnung", meint der Coach, für den es im kommenden Kampf um mehr als nur um Hucks Sieg geht.

Das neue Zugpferd

Schließlich hatte er vor rund drei Wochen die wohl bittersten Momente seiner Trainerlaufbahn erlebt.

Sein Schützling Arthur Abraham war vom Briten Carl Froch zwölf Runden lang durch den Ring geprügelt worden 318137(DIASHOW: Kreisch-Queen brüllt König Arthur nieder). Vorbei war der Traum vom WM-Titel.

"Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe und darf nie wieder passieren", meinte Wegner. Nach Abrahams Niederlage gilt nun Huck als das neue Zugpferd des Sauerland-Stalls. Verlieren ist für den 26-Jährigen am Samstag folgerichtig verboten.

"Auf Biegen und Brechen"

"Es geht um meine Ehre", sagt Wegner: "Es ist für uns alle wichtig, dass Marco den Kampf gewinnt."

Der angespannte Promoter Wilfried Sauerland erstickt jegliche Zweifel an einem Triumph von Huck im Keim.

"Wir wissen um Lebedews Qualitäten. Das wird ein Duell auf Biegen und Brechen. Aber ich bin mir sicher, dass Marco auch diese schwierige Aufgabe meistern wird", meint der Manager.

Ist Huck "nervös"?

Der Herausforderer präsentierte sich vor dem Kampf derweil als großer Schweiger.

Lebedew sah keinen Bedarf, auf des höhnische Geschenk einzugehen ? oder darauf, dass Huck ihn vorher als "hässlich" verspottete.

In mehreren Interviews deutete der 31-Jährige diese brachenüblichen Spirenzchen als Zeichen, dass Huck "nervös" sei.

"Bin kein großer Redner"

"Ich bin kein großer Redner und werde meine Kraft im Ring unter Beweis stellen", teilte Lebedew mit: "Ich nehme den Titel mit nach Hause."

Huck, der einen Kampfrekord von 30 Siegen (23 durch K.o.) und einer Niederlage aufweist, wird sich mit allen Mitteln wehren.

Das schönste Weihnachtsgeschenk will er sich selbst machen. "Ich werde versuchen, intelligent und brutal zu kämpfen", verspricht der Weltmeister.

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