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Marco Huck gewann gegen Lebedew den 31. seiner 32 Profikämpfe © getty

Marco Huck findet, dass er den Beweis erbracht hat, ein wahrer Champ zu sein. Doch viele Experten sehen den Sieg als Fehlurteil.

Berlin - Den einen bleibt der Kampf als Heldenstück in Erinnerung. Den anderen als Ärgernis.

Mit gebrochener Rippe rang Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck seinen russischen Herausforderer Denis Lebedew nach Punkten nieder.

Doch was Huck und sein Anhang ausgelassen feierten, war für viele Außenstehende ein Geschenk der Punktrichter - gerade für die internationalen Beobachter.

Das Portal "East Side Boxing" sah in dem "hochkontroversen" Urteil ein Beispiel dafür, dass "jede Woche mindestens ein Kampfrichter einen Kampf komplett falsch sieht".

Maske sah Lebedew als Gewinner

Gemeint war nicht der US-Juror, der den Kampf mit 117:111 für Lebedew wertete. Sondern die beiden Europäer, die Huck mit 115:113 als Gewinner sahen.

Huck sah "wie ein Verlierer aus", fand auch "Boxing News 24", das die Kampfrichter vom lautstark hinter Huck stehenden Publikum beeinflusst sah.

"Ich habe den Sieg eher bei Lebedew gesehen. Er hat den Kampf gemacht", meinte auch der einstige deutsche Boxliebling Henry Maske.

Huck: "Ich bin ein Mann"

Huck hielt das kontroverse Zustandekommen seines Siegs nicht davon ab, sich selbst mit großen Worten zu feiern.

"Ich bin ein Mann und wurde geboren, um zu kämpfen. Ich habe gezeigt, dass ich ein wahrer Champion bin", sagte der Box-Weltmeister: "Ich könnte die ganze Welt umarmen, so glücklich bin ich."

Huck bejubelte dabei vor allem den unbestrittenen Sieg über sich selbst: Nachdem ihn der technisch überlegene Russe in der vierten Runde mit einem seiner vielen Körpertreffer eine Rippe zertrümmert hatte, stand "Käpt'n Huck" mehrmals vor der Aufgabe.

"Sind hier nicht beim Kegeln"

"Die Schmerzen waren brutal. Jeder Treffer war wie ein Messerstich. In jeder Runde habe ich überlegt, das Handtuch zu schmeißen", sagte der 26-Jährige und verriet: "Bei einem anderen Trainer hätte ich das vielleicht auch getan."

Für Coach Uli Wegner aber kam Aufgeben nicht infrage.

Nachdem er vor drei Wochen in Helsinki mit seinem Schützling Arthur Abraham gegen den Briten Carl Froch eine verheerende Niederlage kassiert hatte, durfte das zweite Zugpferd des Sauerland-Stalls auf keinen Fall auch noch verlieren.

Immer wieder stachelte der Trainer in den Kampfpausen seinen Boxer mit markigen Worten an. "Hör' auf zu jammern! Wir sind hier nicht beim Kegeln", sagte Wegner und meinte später mit einem Augenzwinkern über seine emotionalen Ansprachen: "Ich schimpfe nicht, ich spreche nur sehr laut."

Huck als Abraham-Erbe?

Wegner hat Erfahrungen mit solchen Kämpfen. Im September 2006 führte er in der "Schlacht von Wetzlar" Abraham trotz dessen doppelten Kieferbruchs zum Sieg gegen den Kolumbianer Edison Miranda.

Nach der Pleite von Helsinki ist Abrahams Stern stark gesunken, Huck könnte seinen Platz einnehmen.

Obwohl der frühere Kickbox-Welmeister erneut taktische Schwächen und ein im Vergleich zu seinem Gegner geradezu eindimensionales Schlagrepertoire zeigte.

Lebedew hegt keinen Groll

"Ich ziehe meinen Hut vor Marco. Er hat keine Erfahrungen im Amateurbereich und schlägt trotzdem so Klasse-Leute wie Lebedew", sagte Wegner, der jedoch gestand, dass die Wertung zugunsten seines Schützlings durchaus glücklich war: "Mit einem Unentschieden wäre ich auch zufrieden gewesen."

Der bis dahin in 21 Profikämpfen ungeschlagene Lebedew, den ein Richter auf dem Wertungszettel sogar mit 116:112 Punkten vorne sah, verzichtete auf Anspielungen einer Schiebung und präsentierte sich als fairer Verlierer.

"Gewonnen hat derjenige, dessen Arm gehoben wird. Meine persönliche Meinung zählt da nicht", sagte der 31-Jährige.

Revanche im Super Six?

Möglicherweise eröffnet sich für Lebedew schon sehr bald die Chance auf eine Revanche. Promoter Wilfried Sauerland kündigte an, dem Russen beim geplanten Super-Six-Turnier im Cruisergewicht einen Platz beschaffen zu wollen.

Im April 2011, wenn alle Weltmeister der vier großen Verbände ihre Pflichtherausforderungen hinter sich haben, sollen die Planungen für das Millionenprojekt abgeschlossen werden.

Dann würde Huck wohl erneut IBF-Champion Steve Cunningham (USA) vor die Fäuste bekommen, der ihm vor drei Jahren die bislang einzige Niederlage seiner Karriere zugefügt hatte.

"Ich will eine Revanche gegen Cunningham. Ich will einen nach dem anderen boxen - bis ich alle Gürtel habe", sagte der gebürtige Jugoslawe.

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