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Jürgen Brähmer ist WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht © imago

Jürgen Brähmer bereitet sich über Weihnachten auf seinen WM-Fight vor. Der wichtigere Kampf findet außerhalb des Rings statt.

Hamburg - Leberhaken statt Weihnachtsgans - wenn seine Familie demnächst die Feiertage begeht, steht Profiboxer Jürgen Brähmer im Gym.

"Ich trainiere, das ist ein ganz guter Grund, die Feiern abzusagen", sagt der Cruisergewichts-Weltmeister, "da habe ich sowieso nicht so viel Lust drauf."

Am 8. Januar tritt der WBO-Champion in Kasachstan zur Titelvereinigung gegen den einheimischen WBA-Titelträger Beibut Schumenow an. "Eine Titelvereinigung ist für ganz Deutschland eine Ehre", sagt der 32-Jährige, "ich freue mich riesig darauf."

Sportlich steht ihm in der kasachischen Provinzhauptstadt Tschimkent kurz nach Jahresbeginn der wichtigste Fight seiner Karriere bevor, anschließend muss er seinen Kampf vor Gericht fortsetzen.

"Lasse mich nicht abzocken"

Im Frühjahr startet vor dem Landgericht in Schwerin die Berufungsverhandlung wegen des Vorwurfes der Körperverletzung und Beleidigung. In erster Instanz war er vor gut einem Jahr vor dem Amtsgericht zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden.

"Ich freue mich schon auf das Landgericht, da werden einige Sachen zu Tage kommen, die noch nicht bekannt sind", kündigt Brähmer kryptisch an.

Privatdetektive ließ er ermitteln, um seine Unschuld zu belegen, Befangenheit des Richters nahezulegen und die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin zu erschüttern. "Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut", sagt Brähmer, "ich lass mich nicht so abzocken. Ich werde jeden Schritt bis zu Ende gehen."

Gewaltige Kosten

Das erste Verfahren ließ tatsächlich zahlreiche Fragen offen, so wurden unter anderem entlastende Aussagen nicht gewürdigt. Gegen das Urteil haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft ficht das Urteil wegen eines Fehlers des Gerichts bei der Strafbemessung an. Die Verteidigung drängt auf einen Freispruch und hält den Richter für befangen. "Es wird ein neuer Staatsanwalt Anklage erheben, der alte muss in den Zeugenstand", sagt Brähmer.

Der Mecklenburger ist durch seine sportliche Laufbahn in der Lage, die gewaltigen Kosten des Verfahrens zu tragen, er weiß aber sehr wohl, dass er damit privilegiert ist: "Gerechtigkeit muss man sich leisten können."

"Irgendeiner behauptet irgendetwas"

Brähmer verfolgt deshalb auch den Fall Jörg Kachelmann mit großem Interesse: "Der Kachelmann ist doch jetzt erledigt, beruflich. Auch wenn sie ihn freisprechen sollten. Wenn man sich vorstellt, wie abhängig man von der Justiz ist. Irgendeiner behauptet einfach irgendetwas."

Die Unterstützung seines Universum-Boxstalls in dem Verfahren hatte Brähmer immer.

Titelkampf im Ausland

Auch deshalb war es für ihn nie eine Frage, das Unternehmen von Klaus-Peter Kohl zu verlassen, nachdem ein öffentlich-rechtlicher Sender den Vertrag mit dem Hamburger im Sommer auslaufen ließ.

"Man hat Angebote von außerhalb, aber ich fühle mich auch ein wenig verpflichtet", erklärt der Mecklenburger. Eine Konsequenz ist nun aber, dass er seinen Titelkampf im Ausland bestreiten muss: "In Deutschland fehlt das Geld an allen Ecken und Enden."

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