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Arthur Abraham gewann bisher 31 seiner 33 Kämpfe, davon 25 durch K.o. © imago

Beim Kampf gegen Stjepan Bozic will Arthur Abraham sich verlorenes Selbstvertrauen zurückholen und seine frühere Form zeigen.

München - "Arthur Abraham" steht im Reisepass des Mannes, der in Mülheim gegen den Kroaten Stjepan Bozic in den Ring klettert, "geboren am 20. Februar 1980".

An der persönlichen Identität des Supermittelgewichtlers gibt es keinen Zweifel. Spannend ist aber die Frage, welcher Boxer dort antritt. "König Arthur" von früher, der krachende K.o.-Schläger und ungeschlagene Weltmeister im Mittelgewicht? (Ulli Wegner im SPORT1-Interview)

Oder der hilflose "Schlumpfboxer", der vor zwei Monaten bei seiner Niederlage in Helsinki gegen Carl Froch ein sportliches Desaster erlebte? (318137DIASHOW: Debakel gegen Froch)

"Das war nicht ich", behauptet Abraham vor der Prüfung in Mülheim. Wer dann? Ein satter Millionär, der durch Boxen den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft hat?

Abraham: Übertraining

Manager Wilfried Sauerland hatte so etwas in der finnischen Hauptstadt vermutet: "Arthur hat nicht den Hunger gezeigt." Der Berliner hat eine andere Erklärung: "Mein Körper war alle, ich war übertrainiert."

Es wurde jedenfalls viel geredet in den letzten Wochen im Hause Sauerland. Abraham mit Geschäftsführer Chris Meyer, Trainer Ulli Wegener mit Abraham, Abraham mit Wilfried Sauerland. "Arthur muss sich 2011 anders präsentieren als noch 2010", fordert der Promoter.

Es steht ja schließlich eine Menge auf dem Spiel.

Sauerlands Aushängeschild

Der gebürtige Armenier ist das Aushängeschild des Boxstalls. Das von Sauerland initiierte Super-Six-Turnier der Super-Mittelgewichtler geht im Sommer in seine entscheidende Phase, und eine Teilnahme von Abraham ist wegen der TV-Vermarktung in Deutschland praktisch zwingend notwendig. "Das Super-Six-Turnier ist sehr wichtig", weiß Abraham.

Der Berliner muss im Halbfinale gegen den ungeschlagenen Amerikaner Andre Ward antreten. Aussichtslos in der Verfassung vom Herbst. Der Fight gegen Bozic muss nun also die Richtung weisen. Ein "Aufbaukampf" im klassischen Sinne. Selbstvertrauen gewinnen, Form überprüfen.

Selten war ein Nicht-Titelkampf wichtiger. "Das Jahr 2010 will ich hinter mir lassen und ganz neu anfangen", verkündete Abraham auf der Suche nach seinem guten Ich: "Ich will siegen, siegen, siegen."

Wegner spricht von Versöhnung

Bozic wurde deshalb mit Bedacht ausgesucht. Der schon 36 Jahre alte Kroate stand bereits über 100 Runden mit Abraham als Sparringspartner im Ring. Sein Stil passt, er boxt nicht aus der Distanz wie Froch, kann viel einstecken, hat aber keinen harten K.o. -Schlag. "Am Samstag wird Abraham seine Fans versöhnen", glaubt Coach Wegner.

Der Trainer-Veteran war in Helsinki vor allem enttäuscht über die fehlende Courage und Einstellung seines Schützlings, der einfach seine Anweisungen nicht umsetzen konnte oder wollte. "Ich habe ihn wachgerüttelt, ihm die Wahrheit gesagt", erklärte Wegner seinen Teil der "Kopfwäsche" für den Ex-Champion, "ich führe ihn und nicht die Schulterklopfer."

Ungewöhnliche Worte

Auf einem guten Weg sei Abraham, aber es gebe auch noch viel zu tun. Diese Worte klingen ungewöhnlich bei einem Kämpfer, der bereits 33 Profikämpfe in über sieben Jahren bestritten hat.

Aber auch Wegner weiß halt nie, welches Ich von Arthur Abraham gerade im Ring steht.

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