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Der Leverkusener Felix Sturm gewann als Amateur 113 von 122 Kämpfen © getty

Nach dem Sieg gegen Hearns wünscht sich Sturm eine Titelvereinigung gegen Zbik - auch wenn diese keinen sportlichen Wert habe.

Stuttgart - Mit die sportlichste Leistung des Abends war die Flucht von Lukas Podolski vor Andrea Kaiser und Comedian Oliver Pocher.

So schnell wie sich der Kölner Fußballprofi der Interview-Anfrage der "Sat.1"-Moderatorin entzog, konnte Ronald Hearns den Attacken von Felix Sturm in Stuttgart jedenfalls nicht entkommen.

In der siebten Runde beendete der Mittelgewichts-Weltmeister der WBA mit einer schweren Rechten das vollkommen ungleiche Duell 354489(Bilder) und verteidigte damit erfolgreich seinen WM-Titel.

Technischer K.o., der 35. Sieg im 38. Profikampf, ein echter Maßstab war der Amerikaner aber nicht.

Nicht die Klasse des "Hitmans"

"Große Namen" wollte Sturm nur boxen, nachdem er sich von seinem ehemaligen Promoter Klaus-Peter Kohl getrennt hatte und sich nun selbst vermarktet.

Es war seine zweite Veranstaltung als eigener Herr, und einen großen Namen konnte er wirklich präsentieren.

Ronald Hearns ist der Sohn der amerikanischen Box-Legende Thomas "Hitman" Hearns, die Klasse seines Vaters, der mehrmals Weltmeister war, hatte der 32-Jährige aber nicht ansatzweise.

Zufriedener Verlierer

Natürlich sah der Sieger das anders. "Ronald hat sich sehr gut auf mich eingestellt, ich musste erst die Distanz finden", sagte der Champion, "der Schlüssel zum Sieg war, dass ich den Druck hochgehalten habe, da konnte er am Ende nicht mehr mitgehen."

Der Verlierer war schließlich auch zufrieden. Er durfte erstmals um eine WM boxen, kassierte eine große Börse und trug keine bleibenden Schäden davon. "Es war ein großartiger Kampf zweier Krieger", fabulierte der Amerikaner.

Titelvereinigung wäre logisch

Für Sturm aber wird es nun Zeit, dass er nach einem großen Namen auch mal wieder einen großen Boxer als Gegner bekommt. "Es gibt noch fünf, sechs tolle Weltmeister im Mittelgewicht", sagte der WBA-Champ.

Seine Gewichtsklasse ist eine deutsche Domäne, Sebastian Sylvester aus Greifswald trägt den Titel der IBF, Sebastian Zbik aus Schwerin ist WBC-Weltmeister. Eine Titelvereinigung mit dem Mecklenburger wäre nun logisch.

Universum vor dem Aus

Zbik steht noch beim Universum-Boxstall unter Vertrag, dessen Zeit nach dem Auslaufen des TV-Vertrages mit dem "ZDF" zu Ende zu gehen scheint. Probleme mit dem TV-Partner gäbe es jedenfalls nicht - im Gegensatz zu einem Kampf mit Sylvester, der als Sauerland-Boxer bei der "ARD" gebunden ist.

"Eine Titelvereinigung mit Zbik wäre ein für Deutschland sehr interessanter Kampf, der Geschichte schreiben könnte", sagte Sturm nach dem Kampf. Auch Zbik würde einen Kampf in Deutschland gegen Sturm sicherlich einer aussichtslos scheinenden Pflichtverteidigung in Mexiko gegen Julio Cesar Chavez jr. vorziehen.

Nur der Titel als Anreiz

Das Interesse Sturms an einem Fight gegen einen der beiden scheint in Wahrheit jedoch begrenzt. "Ehrlich gesagt reizt mich an diesen Kämpfen lediglich der Titel, den die beiden haben", hatte Sturm noch vor wenigen Tagen im "Hamburger Abendblatt" über die Gegner Zbik und Sylvester erklärt: "Sportlich bringen mir diese Duelle nicht viel."

"Zbik? Was hat der schon erreicht?", lästerte Sturm: "Er hat den WBC-Titel geschenkt bekommen, weil Martinez ihn niederlegen musste. Er hat keinen namhaften Gegner besiegt. Ich kann mittlerweile nur noch darüber lachen, dass viele meinen Namen benutzen, um sich eine gute Börse zu verschaffen. Aber dennoch: Für Deutschland sind diese Kämpfe sicherlich interessant, und die Titel reizen mich auch. Ich bin also für jedes Gespräch offen."

Gute Einschaltquoten

"Sat.1" jedenfalls steht sicherlich wieder zur Verfügung, eine längerfristige Partnerschaft mit Sturm scheint nur noch Formsache.

Starke 17,4 Prozent Einschaltquote bei der werberelevanten Altersgruppe 19 bis 49 bescherten der Kampf und das aufwendige Rahmenprogramm am Samstag dem Münchner Privatsender, in der Spitze waren 5,22 Millionen Zuschauer dabei.

"Unser Interesse, große Kämpfe mit Sturm zu machen, ist da", sagte "Sat.1"-Sportchef Dirk Froberg, "ich hoffe darauf, dass die Zusammenarbeit so schnell wie möglich fortgesetzt wird."

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