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Jürgen Brähmer (r.) wurde 1996 Juniorenweltmeister im Weltergewicht © getty

Nach Jahren im Gefängnis greift Brähmer nach dem WBA-Gürtel. Sein Coach erwartet einen "Kampf bis zum letzten Blutstropfen".

Rostock - Die WM-Chance kommt mit sechs Jahren Verspätung. Als Jürgen Brähmer im Oktober 2002 den Interkontinental-Titel der WBC gewonnen hatte, stand der Schweriner kurz vor dem ganz großen Coup.

Ungeschlagen, laut Promoter Klaus-Peter Kohl "ein Jahrhunderttalent". Alles war bereit für den Sturm an die Weltspitze, außer Brähmers Temperament.

Statt im Ring verbrachte er Jahre im Gefängnis. Nicht "Weltmeister" wurde sein Etikett, sondern "Knastboxer".

Am Samstag in Rostock (23 Uhr) aber ist es nun soweit, endlich.

In guter deutscher Tradition

Der inzwischen 30-Jährige fordert Titelverteidiger Hugo Hernan Garay (Argentinien) im Kampf um den WBA-Titel im Halbschwergewicht und würde bei einem Erfolg die Tradition der deutschen Weltmeister Graciano Rocchigiani, Dariusz Michalczewski und Henry Maske in dieser Gewichtsklasse fortsetzen. (Krasniqi macht weiter)

"Auf diese Chance habe ich jahrelang gewartet", sagt der Mecklenburger. Seit seiner Freilassung 2005 wurde er wieder aufgebaut, die Defizite durch die verlorenen Jahre aber waren in den Kämpfen zunächst nicht zu übersehen.

So kassierte er gegen Stallgefährte Mario Veit im Mai 2006 auch seine einzige Niederlage in bisher 32 Kämpfen.

"Bis auf den letzten Blutstropfen"

Trainer Michael Timm ist sich aber sicher, dass die Zeit jetzt aufgeholt ist: "Ich arbeite seit 1994 mit ihm zusammen und er war noch nie so gut drauf. Er hat alles getan, um der beste Brähmer aller Zeiten zu werden."

Garay, der zweimal knapp gegen Zsolt Erdei verlor, ist allerdings als äußerst harter und manchmal unsauberer Boxer bekannt.

Timm erwartet deshalb eine Ringschlacht: "Es wird ein Kampf bis auf den letzten Blutstropfen."

Schnell erregbar

Manager Kohl hatte sich bereits bei der Verpflichtung von Brähmer 2000 die Filmrechte an der Lebensgeschichte des Blondschopfes gesichert.

1996 bereits wurde er Juniorenweltmeister, aber zwei Jahre später bereits wegen zahlreicher Delikte zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt.

Falsche Freunde und schnelle Erregbarkeit zeichneten Brähmer aus, dessen Konfliktlösungsstrategie lange Zeit nicht reden hieß, sondern eher handgreiflich war.

Nur auf Bewährung draußen

Timm arbeitete damals nicht nur als Trainer, sondern nach der Freilassung im September 2000 auch als Bewährungshelfer.

Dennoch musste der Boxer 2002 seine Karriere erneut unterbrechen. Einem Unfallgegner hatte er zwölf Zähne ausgeschlagen. 30 Monate lautete das Urteil, auch jetzt ist er nur auf Bewährung frei. "Das ist nun mal mein Leben", sagt er, "ich verleumde es nicht."

Die Gratwanderung bleibt. Brähmer wirkt ruhig und abgeklärt im normalen Leben, Freundin Tatjana ist ein wichtiger Halt.

In der Disko ausgerastet?

Trotzdem gibt es immer wieder Anzeigen gegen ihn, die eine weit größere Bedrohung für sein Leben darstellen, als die Kämpfe im Ring.

Ein Verfahren wegen Körperverletzung wurde im Dezember letzten Jahres eingestellt. In Schwerin aber liegt noch die Anzeige einer Frau vor, die er in einer Disko geschlagen haben soll. Ein Anwalt kümmert sich. (Angebot für Mega-Fight)

"Ich bin völlig unschuldig. Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen", sagt er: "Ich möchte mich nur auf meinen Kampf konzentrieren."

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