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Öner und Solis (l.) nach dessen letzten Fight gegen Ray Austin im Dezember 2010 © getty

Odlanier Solis hat einiges auf sich genommen für seine WM-Chance gegen Vitali Klitschko. Geholfen hat ihm der umstrittene Ahmet Öner.

Hamburg - Der Weg in den Kölner Box-Ring führte über Havanna, Venezuela, das kolumbianische Barranquilla, Hamburg und Miami.

Odlanier Solis hat in den letzten vier Jahren eine Odyssee hinter sich gebracht.

Die Lebensgeschichte eines Kuba-Flüchtlings, den die Verheißungen der Freiheit und des Dollars in den Westen lockten.

Und der unter dem Kampfnamen "La Sombra" (der Schatten) nun am Samstag gegen WBC-Champion Vitali Klitschko erstmals um einen WM-Gürtel als Profiboxer kämpft.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Flucht aus dem Trainingslager

Der jetzt 30-Jährige setzte sich Ende 2006 aus Kuba ab. Der Schwergewichts-Olympiasieger von 2004 hatte seit seiner Goldmedaille nur auf eine Gelegenheit gewartet, Fidel Castros sozialistisches Paradies zu verlassen.

Ende Dezember gab es die Chance bei einem Trainingslager in Venezuela, von wo aus es dann nach Kolumbien ging.

Dort unterschrieben Solis und seine beiden Mitflüchtlinge Yan Barthelemy und Yuriorkis Gamboa (inzwischen WBA/IBF-Federgewichtschampion) Verträge bei einer Hamburger Künstleragentur, die mit dem umstrittenen deutsch-türkischen Promoter Ahmet Öner zusammenarbeitete.

Finanzierung durch Öner?

Öner soll die Flucht ganz wesentlich finanziert haben. Im Gegenzug verpflichteten sich die drei Boxer für fünf Jahre bei dem Hamburger. Profidebüt am 27. April 2007 in einem kleinen Gym in einer ehemaligen Werkhalle in Hamburg.

Amateur-Weltmeister Erislandy Lara war im Sommer 2008 der letzte Sportler, den Öner aus Kuba rausholen ließ und der nun für sein Unternehmen in den Ring steigt.

Aller Anfang war allerdings schwer im Westen. Goldklunker, Baggy-Jeans und Hip-Hop-Attitüde zeichneten die Boxer zunächst mehr aus als spektakuläre Ringerfolge.

Solis profitiert von Schwergewichts-Schwäche

"Ich habe ihnen klargemacht, dass ich die Regeln aufstelle, an die sie sich halten müssen", sagte Öner. Das gelang mal mehr, mal weniger gut.

Gamboa funktionierte als erster, der Mann ist ein Superstar. Solis hat sich trotz ständigen Übergewichts in die Rolle des Pflichtherausforderes hochgekämpft. Das liegt aber auch an der fehlenden Klasse im Schwergewicht.

Kretschmann-Flop mit Folgen

Ohne die drei Kubaner würde Öners Arena Box-Stall wahrscheinlich längst nicht mehr existieren. Sie boxen in den USA, verdienen gutes Geld, Öner kooperiert dort mit Oscar de la Hoya.

Das Hamburger Gym ist längst geschlossen. Auf dem deutschen Markt ist er seit dem Flop mit Schwergewichtler Steffen Kretschmann bei "Sat.1" vor rund einem Jahr praktisch nicht mehr existent.

Verurteilung wegen 16 verschiedener Delikte

Das ist vielleicht auch besser so, für ihn und für das deutsche Umfeld. Denn Öner polarisiert, er kann nett und ruhig sein, aber auch aufbrausend und cholerisch.

Im Februar 2010 wurde er in Hamburg wegen 16 verschiedener Delikte zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten sowie 120.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Erpressung, Körperverletzung und Nötigung wurden ihm unter anderem zur Last gelegt. Seit 2009 unterzog er sich einem Anti-Aggressionstraining, um sein Temperament in den Griff zu bekommen.

Attentat als Warnung

Am 25. August 2008 lag er noch wimmernd in einem Hinterhof des wenig glamourösen Hamburger Stadtteils Borgfelde. Steckschuss im Oberschenkel, Krankenhaus, OP.

Es flohen keine hochtalentierten Amateurboxer aus Kuba mehr mit Hilfe professioneller Schleuser in den Westen und heuerten kurze Zeit später bei Arena an. Öner verstand.

Neues Leben, alte Sprüche

Hamburg hat er nach dem Attentat verlassen, ebenso seine Ex-Frau Kati, die Tochter von Trainer Fritz Sdunek, mit der er einen Sohn hat.

Mittlerweile lebt der 40-Jährige in Istanbul, er ist mit der Türkin Aysegül verheiratet und erneut Vater geworden.

Ein anderes Leben. Nur die lauten Töne vor Kämpfen seiner Boxer sind unverändert.

"Es ist höchste Zeit, dass Wladimir und Vitali Klitschko aufgezeigt bekommen, wie überschätzt sie sind", tönte Öner vor dem WM-Kampf, "Vitali wird das Lachen bald vergehen, er ist ein schwacher Weltmeister."

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