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Odlanier Solis hat alle seiner 17 Profikämpfen gewonnen, 12 davon durch K.-o. © getty

Vor dem WM-Kampf gegen Vitali Klitschko gibt sich der talentierte Solis desinteressiert. Boxen ist für "La Sombra" nur ein Job.

Köln - Als Odlanier Solis das süße Leben im Westen auf dem Präsentierteller angeboten wurde, griff der Kubaner zu.

"Wir waren nur Kinder, die neugierig auf die Welt waren", sagte Solis, der Ende 2006 seiner Heimat den Rücken kehrte.

Es scheint allerdings, als habe Solis seit seiner Flucht das neue Leben ausgiebig genossen. Solis wirkt füllig und nicht austrainiert.

Sein Markenzeichen, die glitzernde, mit Diamanten verzierte Nachbildung der Zeichentrickfigur SpongeBob, passt so gar nicht zu dem "Bad-Boy"-Image, das "La Sombra" (der Schatten) bei öffentlichen Auftritten gerne zelebriert.

Profiboxen als Landesverrat

Um aus dem Schatten seiner Vorbilder zu treten, blieb Solis aber praktisch keine andere Wahl als die Flucht nach vorne. Unter Staatschef Fidel Castro galt der Weg ins Profiboxen als Landesverrat.

Legenden wie Felix Savon blieben den Prinzipien der Revolution Zeit ihres Lebens treu und verweigerten sich dem Ruf des großen Geldes.

Nicht so Solis, der schon früh zu den Talenten gehörte, die die kubanische Boxschule traditionell hervorbringt.

Savon als großes Vorbild

Seine Bilanz als Amateur ist dann auch beeindruckend. 227 Siegen stehen lediglich 14 Niederlagen gegenüber.

Kurz vor Savons drittem Olympiagold 2000 in Sydney feierte Solis bei den nationalen Meisterschaften seinen zweiten Sieg gegen das große Vorbild - sein Olympia-Ticket erhielt Solis jedoch erst vier Jahre später. 241930(DIASHOW: Vitali Klitschkos beste Kämpfe)

Solis hat gelernt zu warten.

2006 nutzt er die Chance

2004 holte sich der Mann mit dem Punch im rechten Arm schließlich die Goldmedaille. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Und nutzte zwei Jahre später die Chance, als der deutsch-türkische Promoter Ahmet Öner dem kubanischen Trio Solis, Yuriorkis Gamboa und Yan Barthelemi eine große Profi-Karriere in Aussicht stellte.

Während eines Trainingslagers in Venezuela setzten sich die Boxer ab. Über Kolumbien ging es nach Deutschland, inzwischen lebt Solis in Miami.

"Ich sehe das als einen Job"

Über seine sozialistische Heimat und die Dinge, die damals vorgefallen sind, will Solis nicht reden.

Der Kubaner macht seinen Job. Mehr ist das Boxen für den 30-Jährigen nicht.

"Boxen wird nie meine große Liebe werden. Ich sehe das als einen Job."

Den er offenbar gut beherrscht: Trotz seines Hangs zum Übergewicht beeindruckt Solis mit flinken und behenden Bewegungen im Ring, die ihm seinen Spitznamen "La Sombra" (der Schatten) einbrachten.

13 cm fehlen zu Klitschko

Der mit reichlich Talent und Potenzial ausgestattete Schwergewichtler macht auf den ersten Blick allerdings nicht den Eindruck, als könne er WBC-Weltmeister Witali Klitschko am Samstag in der Kölnarena ins Wanken bringen.

Solis ist mit 1,87 Meter 13 Zentimeter kleiner als der neun Jahre ältere Modellathlet Klitschko.

Die körperlichen Defizite macht Solis mit Disziplin und Abgeklärtheit wett.

Solis mit Desinteresse

Solis' regelmäßig zur Schau gestelltes Desinteresse ist daher mehr karibische Sorglosigkeit als Arroganz.

Odlanier Solis ist kein Sprücheklopfer. Das glamouröse Leben interessiert den Kubaner nicht. Aktuelle Boxer wie Tomasz Adamek oder Alexander Powetkin würde Solis nicht einmal auf der Straße erkennen.

"Ich erkenne Fußballer, Baseballer oder Musik-Stars. Im Boxen allerdings kenne ich die meisten Gesichter und die Namen nicht."

Einen Namen kann sich Solis nun selber machen. Gegen Klitschko bekommt der 30-Jährige nach 17 Siegen in 17 Profikämpfen seine große Chance.

"Kubaner mit großem Herz"

"Es gibt gute Amateure aus Kuba, aber der Profi-Bereich ist etwas Anderes", sagte Klitschko.

Der gebürtige Ukrainer, der seinen 44. Profi- und 14. WM-Kampf bestreitet, kennt aber die Vorteile der kubanischen Schule.

"Kubanische Boxer haben ein großes Herz, und das wird Solis zeigen", sagte der 39-Jährige über "La Sombra", der nun erstmals in das grelle Rampenlicht der Schwergewichts-Bühne tritt.

Und zugleich aus dem großen Schatten seiner Vorbilder. Der 30-Jährige kann sich als erster kubanischer Profi-Weltmeister in der Königsklasse des Boxens unsterblich machen.

Das Warten hat für Solis ein Ende.

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