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Für den Kubaner Odlanier Solis (r.) ist es der erste Kampf um einen WM-Gürtel überhaupt © imago

Vitali Klitschko verteidigt seinen WBC-Gürtel gegen Odlanier Solis. SPORT1 stellt die Gegner im Head-to-Head gegenüber.

Von Tanja Eberl

München - Am 19. März fordert der Kubaner Odlanier Solis, genannt "La Sombra" (der Schatten), in der Kölner Lanxess-Arena den seit zweieinhalb Jahren auf dem WBC-Thron sitzenden Dr. Vitali Klitschko heraus.

Dabei will der "Schatten" der Regentschaft von "Dr. Eisenfaust" ein Ende setzen und ihn in Rente schicken. (PORTRÄT: Odlanier Solis)

Solis-Promoter Ahmet Öner prophezeit auf seiner Homepage großspurig: "Dieser Mann wird die Ära Klitschko beenden und ein neues Zeitalter einleiten!"

Tatsächlich scheint der Ukrainer Klitschko diesmal in seiner Pflichtverteidigung einen ernst zu nehmenden Kontrahenten vor sich zu haben.

Solis hat eine mehr als beeindruckende Amateurkarriere hinter sich. Der 30-Jährige weist 227 Siege und 14 Niederlagen in seiner Bilanz vor. Zudem gewann er 2004 bei den Olympischen Spielen im Schwergewicht die Goldmedaille.

Sieg gegen David Haye 2001

Als einen der bekanntesten Gegner hat Solis den Briten David Haye 2001 im WM-Finale vorzeitig besiegt, den kubanischen Ausnahmeboxer Felix Savon, sowie Ex-WBO-Weltmeister Sultan Ibragimov.

Niederlagen musste er unter anderem gegen Sebastian Köber und Ruslan Chagaev einstecken.

Allerdings hat auch Klitschko eine sehenswerte Amateurvita auf dem Konto.

Er siegte in 195 Kämpfen (80 Siege vorzeitig) bei nur 15 Niederlagen. Unter anderem wurde er Vize-Weltmeister, zudem stand er beim Kickboxen insgesamt sechsmal auf dem WM-Thron.

Klitschko in punkto Erfahrung klar vorne

Ihre Karrieren im Profiboxen unterscheiden sich jedoch gänzlich. Solis hat lange nicht so viel Erfahrung wie der "alte Hase" Klitschko. (Klitschko: "Bin in der Form meines Lebens")

Der Kubaner absolvierte am 27. April 2007 seinen ersten Profifight. Insgesamt stand er erst 17-mal im Ring, ist dabei noch unbesiegt und konnte 12-mal den Kampf vorzeitig beenden.

Trotz der bisher ungeschlagenen Bilanz hat der Herausforderer hier eindeutig das Nachsehen.

Zudem hat er noch nie einen WM-Kampf bestritten, während Klitschko seine 14. Titelverteidung vor sich hat, bei insgesamt 43 Profi-Kämpfen in 14 Profi-Jahren. 241930(DIASHOW: Die größten Vitali Klitschko-Fights)

Klitschko stand bereits fünf Mal mehr als zehn Runden im Boxring. Sein Gegner hingegen ist in seiner Profi-Karriere noch nie über mehr als zehn Runden gegangen.

Neun Jahre Altersunterschied

Klare Vorteile hat Solis beim Alter. Er ist neun Jahre jünger als der ältere der beiden Klitschko-Brüder. Vitali feiert im Juli seinen 40. Geburtstag. Seine Karriere neigt sich allmählich dem Ende zu.

Ob Solis Altersvorteil allerdings gegen einen so erfahrenen und wie immer noch bestens präparierten Klitschko reicht?

Vor dem Kampf hatte Klitschko schon einmal laut über seinen Rückzug aus dem Profisport nachgedacht.

"Viele Sportler haben den richtigen Moment verpasst, ihre Karriere zu beenden. Das soll mir nicht passieren. Auf dem Papier bin ich aber schon ein "Box-Opa", das ist mir bewusst", hatte "Dr. Eisenfaust" der "Bild" verraten.´

Jetzt hat sich der Titelträger mit Trainer Fritz Sdunek fünf Wochen lang im österreichischen Going fit gemacht und auch taktisch mittels Video-Analyse bestens vorbereitet. Laut eigenem Bekunden fühle er sich wie ein 25-Jähriger.

Verletzungen als Achillesferse?

Trotz seiner guten Physis könnte sich dies aufgrund seiner bereits vielen erlittenen Verletzungen als Achillesferse erweisen.

Solis hingegen ist hungrig, er will Geschichte schreiben und der erste kubanischen Schwergewichts-Weltmeister im Profi-Boxen werden.

Technisch ist Solis hervorragend aus der berühmten kubanischen Boxschule hervorausgegangen, hier hat Klitschko andere Vorzüge. Der ehemalige Kickbox-Weltmeister verfügt über einen unorthodoxen Stil.

Dennoch hat Klitschko ein großes Schlagrepertoire und baut vor allem auf seine starke Führhand, mit der er schon manchen Gegner zur Verzweiflung getrieben hat. Nicht zu vergessen natürlich auch seine knallharte Rechte.

Solis stärkste Waffe ist seine rechte Gerade und sein linker Haken. Mit dieser muss er bei leichten Reichweiten-Nachteilen erst einmal an Klitschko herankommen und dazu muss er schnell sein.

Starke Nehmerqualitäten auf beiden Seiten

Während seiner Amateurzeit bestach er durch seine flinken Bewegungen im Ring. Dies brachte ihm auch den Spitznamen "Schatten" ein. Seit seiner Zeit als Profi hat der Öner-Schützling an Gewicht zugenommen und ist insgesamt etwas langsamer geworden.

Er hatte im Vorfeld des Kampfes versprochen, sich intensiv vorzubereiten und topfit zu sein.

Seine Nehmerfähigkeiten sind ebenso wie die von Klitschko gut. Solis hat mehrfach gezeigt, dass er etwas einstecken kann.

Insgesamt könnte sich hier ein interessanter Box-Kampf entwickeln. Aufgrund seiner Erfahrung, guten taktischen Einstellung und Schlaghärte wird Klitschko jedoch den Kampf aller Voraussicht knapp dominieren.

Sein Gegner hat eine Chance, wenn er es schafft, mit Unbekümmertheit und Schnelligkeit den Regenten zu überraschen und dann könnte er tatsächlich Geschichte schreiben.

SPORT1 stellt die beiden Kontrahenten in einem Head-to-Head-Vergleich gegenüber:

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