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Vitali Klitschko feiert im 44. Kampf als Profi seinen 42. Sieg © imago

Die Folgen von Klitschkos Blitz-K.o.: Solis ist schwer verletzt, die Promoter rasten aus, eine Entschädigung gibt es nicht.

Von Martin Hoffmann

Köln/München - Der Kampf im Ring sorgte für Wut-Reaktionen, das Nachspiel außerhalb ließ die Beteiligten nicht besser aussehen.

Nach dem Blitz-K.o. von WBC-Weltmeister Vitali Klitschko gegen Odlanier Solis verstrickten sich die Promoter der beiden Schwergewichte auf der Pressekonferenz in einen handfesten Eklat 368142(DIASHOW: Die Bildes des Kampfes).

Ahmet Öner, der Mann hinter Herausforderer Solis, und Klitschko-Manager Bernd Bönte, warfen sich wüste Beleidigungen an den Kopf.

Grund für den Zoff war der Deutungsstreit über den Grund dafür, warum Solis nach drei Minuten umplumpste und nicht mehr weitermachen konnte (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1).

Schwere Verletzungen bei Solis

Es war Klitschkos Schlag, meinte Bönte. Es war nur das Knie, das Solis wegknickte, meinte Öner.

Tatsächlich verletzte sich Solis dieses schwer, wie am Tag darauf klar wurde: Eine erste Untersuchung in der Uniklinik Köln ergab ein Riss des vorderen Kreuzbandes, einen Außenmeniskusriss und einen Knorpelschaden.

Die Frage war nur, ob die Verletzungen auch die alleinige Ursache für Solis' Knockout waren.

Deutungsstreit auf der Pressekonferenz

Eine Sichtweise, auf der Öner im Interesse seines Schützlings noch am Ring bestand - und die er bei der PK bekräftigte:

"Gönnen tue ich Dir das nicht, denn das war kein schöner Sieg", giftete er in Richtung Klitschko und sah einen "faden Beigeschmack" - um die Bühne dann zu verlassen.

Er stürmte zurück, als Bönte seine Sicht der Dinge verkündete: "Das war ein ganz klarer Treffer. Der Junge wackelt, dabei verdreht er sich das Knie. Der hätte so oder so nicht weitermachen können."

Sein Promoter drehe "die Sache natürlich um und tut so, als ob er deshalb nicht weitermachen konnte". Öners Ausführungen wären "peinlich" und eine "billige Ausrede".

"Halt einfach die Fresse!"

Öners Reaktion bestand zunächst im Ausruf: "Bernd, hör auf! Halt einfach die Fresse!"

Öner musste vor einer Konfrontation mit Bönte zurückgehalten werden, weitere Kraftausdrücke flogen hin und her.

Bönte erinnerte darauf an Öners Verurteilung wegen Erpressung, Nötigung, Bedrohung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung:

"Mehr muss man dazu nicht sagen. Der hat meine Familie schon bedroht, der hat andere schon bedroht."

Vorschädigung bei Solis?

Der Kampf um die Deutungshoheit über den Kampf endete nach dem Schauspiel nicht.

Am Sonntag hieß es dann nämlich aus Öners Arena-Boxstall, dass Solis, dessen Kampfbörse bei 1,8 Millionen Dollar lag, schon vorgeschädigt in den Kampf gegangen wäre.

"Wir wussten davon, aber wir haben ihn nicht operieren lassen, um den Kampf gegen Vitali nicht zu gefährden", sagte Arena-Sprecher Malte Müller-Michaelis: "Sein Manager Jose Perez wusste ebenfalls von diesem Vorschaden, hat wie wir aber daran geglaubt, dass es mit genügend Training gehen würde, dass die Muskulatur das Knie schon stabilisieren würde."

"Ich dachte, er simuliert"

Ob Wahrheit oder PR: Nach dem Kampf wird Solis eine OP kaum vermeiden können, eine Arthroskopie dürfte im Laufe des Tages letzte Gewissheit geben.

"Ich glaube nicht, dass wir darum herumkommen und gehe davon aus, dass Solis lange pausieren muss", so Öner.

Klitschko ahnte das direkt nach dem Kampf nicht, als er selbst noch die Konfrontation mit dem ausgeknockten Herausforderer suchte und von Bruder Wladimir zurückgehalten werden musste.

"Ich dachte, er simuliert", erklärte er hinterher: "Ich wollte, dass er weitermacht. Mir tut es für die Zuschauer unheimlich leid."

Keine Entschädigung

Mehr als diese warmen Worte können die enttäuschten zahlenden Zuschauer des Drei-Minuten-Kampfes nicht erwarten 241930(DIASHOW: Vitali Klitschkos beste Kämpfe).

Eine Geld-zurück-Aktion oder Rabatte für spätere Kämpfe schloss Bönte aus: "Das ist nicht vorgesehen und wird nicht passieren. Auch wenn es mir für die Zuschauer sehr leidtut, dass sie heute nur ein solch kurzes Erlebnis hatten."

Boxen sei eben "unberechenbar". Ein Umstand, auf den auch Klitschko verwies, der auf der PK immer wieder fast flehentlich festhielt: "Ich hätte dem Publikum sehr gerne mehr Show geboten."

Nicht verwundern kann da, dass Klitschko seine Rücktrittsgedanken nicht gerade nach so einem Schauspiel in die Tat umsetzen will: "Das war nicht mein letzter Kampf. Es wird einen Kampf mit einem großen Namen geben - und mit einem besseren Ergebnis."

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