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Alexander Dimitrenko erhielt am 11. November 2010 seine Einbürgerungsurkunde © imago

Susi Kenitikian und Alexander Dimitrenko siegen beim Box-Abend in Hamburg überzeugend. Promoter Kohl geht schweren Zeiten entgegen.

Hamburg - Nach dem letzten Gong blickte Promoter Klaus-Peter Kohl ein wenig wehmütig in den Boxring.

Susi Kentikian hatte ihre drei Weltmeister-Titel soeben erfolgreich verteidigt, doch der Manager war kaum mehr als einer der rund 500 anderen Zuschauer.

Die "Killer Queen" vermöbelte die Mexikanerin Ana Arrazola bereits im Auftrag seines Konkurrenten Ulf Steinforth.

Auch mit dem Schauplatz der Veranstaltung geht es zu Ende. Das berühmte Gym in Hamburg-Wandsbek wird im August aufgegeben. Von Endzeitstimmung und dem Zerfall seines Universums wollte Kohl trotzdem nichts wissen.

Das Imperium bröckelt

"Mit Universum geht es auf jeden Fall weiter. Es gibt keinen Ausverkauf. Wir konzentrieren uns jetzt auf das internationale Geschäft. In Deutschland ist halt momentan das Geld nicht da", sagte der Promoter.

Mit Boxern wie Dariusz Michalczewski, den Klitschko-Brüdern oder Regina Halmich war Kohl in den vergangenen Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass der Faustkampf hierzulande wieder salonfähig wurde.

Seit der TV-Vertrag mit dem ZDF im vergangenen Sommer auslief, bröckelt sein Imperium jedoch.

Später K.o. durch Dimitrenko

Neben Kentikian hat sich auch Amateur-Weltmeister Jack Culcay zum Magdeburger SES-Boxstall verabschiedet. Kohl bleiben zunehmend weniger Hoffnungsträger.

Einer von ihnen ist Alexander Dimitrenko. Der gebürtige Ukrainer kämpfte am Samstagabend erstmals mit deutschem Pass. Mit einem krachenden Aufwärtshaken schickte er seinen polnischen Herausforderer Albert Sosnowski in der zwölften Runde schwer zu Boden und blieb Schwergewichts-Europameister.

Ein wichtiger K.o.-Sieg für Dimitrenko. Aber auch für Kohl.

"Wir müssen abwarten, wie es weitergeht"

"Wir haben gesehen, was für ein Potenzial in ihm steckt, wenn sein Kopf frei ist", lobte der Manager seinen Schützling, der eigentlich schon am 4. Dezember 2010 gegen Sosnowski in den Ring steigen sollte. Ein Virus stoppte Dimitrenko jedoch unmittelbar vor dem Kampf.

Die Neuauflage nahm nun zumindest ein spektakuläres Ende. Ob es für mehr reicht, scheint jedoch fraglich. Zumal auch Kohl eingestehen musste:

"Die WM-Kämpfe sind momentan verteilt. Wir müssen abwarten, wie es weitergeht."

Brähmer und Zbik als Hoffnungsträger

Kohls heißeste Eisen bleiben somit die Weltmeister Jürgen Brähmer und Sebastian Zbik, die ihre Titel demnächst auswärts verteidigen müssen.

Halbschwergewichtler Brähmer boxt am 21. Mai in London gegen den Briten Nathan Cleverly, Mittelgewichtler Zbik duelliert sich am 4. Juni in Los Angeles mit Julio Cesa Chavez jr. aus Mexiko.

Niederlagen sind für die beiden Deutschen dabei alles andere als ausgeschlossen.

Kentikian soll bald schon wieder ran

Für SES und die weiterhin ungeschlagene Kentikian stellen sich die Planungen ein wenig anders dar. "Susi soll möglichst schon in den nächsten zehn Wochen wieder boxen", sagte Steinforth nach Kentikians Punktsieg. Er will die Fliegengewichtlerin dann auch wieder im Fernsehen präsentieren.

Ob die Rückkehr auf den TV-Schirm gelingt, bleibt abzuwarten. Kohl hatte jedenfalls Schwierigkeiten, seine ehemalige Vorzeige-Boxerin entsprechend zu platzieren.

Den Verlust von Kentikian und Culcay nimmt der Promoter dennoch sportlich. "Wir wollten beiden keine Steine in den Weg legen. Wir konnten ihnen keine Kämpfe verschaffen, deshalb haben wir sie ziehen lassen", sagte Kohl. Für Wehmut bleibt da eigentlich kein Platz.

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