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Echte Herausforderung oder nur Notnagel: Ran Nakash (l.) fordert Marco Huck © imago

Als kurzfristigen Ersatz boxt Marco Huck im WBO-Titelfight Ran Nakash. Der Noname will Israels erster Champion werden.

Hamburg - Bis zwölf Tage vor dem Kampf hieß der Gegner von Marco Huck noch Giacobbe Fragomeni.

Gegen den Italiener sollte der Bielefelder am Samstag in Halle/Westfalen seinen WM-Titel im Cruisergewicht des Verbandes WBO verteidigen. Freiwillig. 327124(DIASHOW: Huck vs. Lebedew)

Dann verletzte sich Fragomeni, jetzt heißt der Gegner Ran Nakash. Auch egal. Spot an, Ring frei, Stadion voll, TV-Geräte an. Es ist wieder Weltmeisterschaft.

Der Israeli Nakash wurde erst knapp eine Woche vor dem Kampf verpflichtet. Immerhin ist der 32-Jährige in 25 Kämpfen gegen überwiegend Namenlose ungeschlagen.

Aber bitte nicht wirklich gefährlich

In der unabhängigen Weltrangliste belegt er Platz 24, Marko Huck ist dort die Nummer zwei. Alles andere als ein Erfolg des Deutschen wäre eine große Überraschung und ist in den Planspielen des Sauerland-Stalls auch nicht vorgesehen.

Die Kunst des Matchmakings im Berufsboxen ist ja, kurzfristig einen Boxer auszugraben, der einen ordentlichen Rekord hat, aber doch bitte nicht wirklich gefährlich ist.

Das ist Hagen Döring von Sauerland-Event offenbar gelungen. Nakash war mitten im Training für einen anderen Kampf, den hat er wahrscheinlich platzen lassen, um höhere Börse und WM-Chance mitzunehmen.

Vertrag erfüllen, Geld einstreichen

"Marco Huck wird sich wundern. Keiner hat Ran auf dem Zettel. Das deutsche Publikum wird eine böse Überraschung erleben", kündigte Nakashs Manager Don Elbaum an, "Israel wird am Samstag seinen ersten Profibox-Weltmeister haben."

So funktioniert das Anheizen halt, und Huck-Trainer Ulli Wegner trägt seinen Teil dazu bei: "Ein ganz gefährlicher Gegner, aber Marco hat als Weltmeister die Pflicht, gegen die stärksten Boxer zu verteidigen."

Hat er, einmal im Jahr. Aber eben nicht diesmal. Diesmal geht es darum, im Saft zu bleiben, sich in der alten westfälischen Heimat zu zeigen, den Fernsehvertrag durch einen Titelkampf zu erfüllen und ein bisschen Geld zu verdienen.

Top-Turnier wie im Supermittelgewicht

Richtig ernst wird es für den 26-Jährigen dann voraussichtlich ab dem Herbst.

Sauerland-Event plant im Cruisergewicht ein ähnliches Turnier wie es zur Zeit im Supermittelgewicht mit Arthur Abraham läuft.

Absagen und ein Terminchaos wie beim Super-Six, wo im Mai die Halbfinals anstehen, soll zwei Gewichtsklassen höher aber vermieden werden.

Sauerlands Vorteil ist, dass er mit Huck, IBF-Champion Steve Cunningham und Juan-Pablo Hernandez drei der potenziellen Teilnehmer selbst unter Vertrag hat.

Möglichst wenig Amerikaner

Der polnische WBC-Champion Krysztof Wlodarcyk und der Russe Denis Lebedew sind ebenfalls angefragt.

Möglichst wenig Amerikaner lautet das Motto, denn die, das hat sich im Mittelgewicht gezeigt, vergessen auch mal Verträge, die sie unterschrieben haben.

Eine Niederlage gegen den Nahkampfausbilder der israelischen Armee geht also nicht. "Es wird mir eine Ehre sein, Nakash eins auf die zwölf zu geben", sagte der in 32 Kämpfen nur einmal besiegte Huck: "Ich bin der Weltmeister und werde es auch bleiben."

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