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Vitali Klitschko (l.) ist seit 2008 Weltmeister der WBC © getty

Beim ersten verbalen Schlagabtausch vor dem WM-Kampf von Vitali Klitschko werden ausnahmsweise freundliche Töne angeschlagen.

Dresden - Kuschelkurs statt Kampfansagen: Vitali Klitschko und Tomasz Adamek zollen sich vor ihrem WM-Kampf um den WBC-Schwergewichtsgürtel am 10. September im polnischen Breslau gegenseitig großen Respekt.

Damit bilden sie das Kontrastprogramm zum "Hass-Duell" zwischen Vladimir Klitschko und David Haye.

"Ich darf ihn auf keinen Fall unterschätzen. Tomasz ist ein starker Junge, hat ein großes Herz, großen Charakter und ist ein ausgezeichneter Boxer", sagte der ältere der Klitschko-Brüder in Dresden.

"Bin dankbar"

Der frühere Cruiser- und Halbschwergewichts-Champion Adamek begab sich vor seinem Heimspiel im Breslauer EM-Stadion auf einen ähnlichen Schmusekurs:

"Vitali ist ein großer Fighter, ein wahrer Champion und ich bin dankbar für die Chance gegen ihn boxen zu dürfen."

Das branchenübliche Säbelrasseln blieb aus.

"Haye ist Weltmeister im Sprechen"

Das überließ der entspannt lächelnde Vitali seinem Bruder und Haye, die sich seit Wochen einen mehr oder weniger originellen Schlagabtausch über die Medien liefern, bevor sie am 2. Juli in der Hamburger WM-Arena im Ring aufeinander treffen.

Den 39 Jahre alten Vitali langweilen solche Spielereien. "David Haye ist nur Weltmeister im Sprechen. Der bessere Boxer ist eindeutig Adamek", lobte er seinen Kontrahenten.

[kaltura id="0_lnypz1yx" class="full_size" title="Haye verweigert Handschlag"]

Starker Kampfrekord

Mit 1,87 m Körpergröße kämpft Adamek, der erst vor zwei Jahren den Schritt in die höchste Gewichtsklasse gewagt hatte, nicht gerade auf Augenhöhe mit dem amtierenden Weltmeister.

Doch Klitschko weiß, "dass es im Boxen nicht auf die Größe ankommt. Es kommt auf dein Herz und deine Fähigkeiten an".

Und der Kampfrekord des 35-jährigen Polen lässt auf eine außerordentliche Begabung im Ring schließen. Von 44 Kämpfen gewann Adamek 28 durch K.o. und musste nur eine Niederlage einstecken.

Klitschko lobt Infrastruktur

Klitschko, der von 44 Kämpfen 42 (39 durch K.o.) für sich entschieden hatte, schätzte die Chancen auf "50:50", wenn die EM-Arena in Breslau bis September denn fertig gestellt wird.

"Wir waren am Dienstag vor Ort und es muss noch viel getan werden. Da haben wir ein bisschen geholfen, das Stadion fertig zu bauen. Jetzt sollte es klappen", witzelte der 2,00 m große Box-Riese, der nun zum Botschafter der Ukraine für die Fußball-Europameisterschaft wird.

"Im kommenden Sommer werden wir große Spiele in Polen und der Ukraine sehen. Die Infrastruktur ist jedenfalls schon top", sagte Klitschko und versuchte damit Zweifel an der Tauglichkeit der Arenen besonders in seiner Heimat auszuräumen.

"Wenn man trifft gehen die Lichter aus"

Zweifel an seiner eigenen Leistungsfähigkeit hat Vitali Klitschko dagegen nicht. Einen ähnlichen Blitz-K.o. wie bei seinem letzten Kampf gegen Odlanier Solis im März soll es vor 40.000 Zuschauern in Breslau allerdings nicht geben.

"Ich habe mich schon zigmal bei meinen Fans und Partnern dafür entschuldigt", sagte Klitschko, der damals schon in der ersten Runde siegte und lautstarke Buh-Rufe geerntet hatte.

Schulterzuckend und mit unschuldiger Miene fügte er jedoch an:

"So ist das nunmal im Schwergewicht. Wenn man trifft, gehen die Lichter aus." Spätestens im Ring wird der Schmusekurs der Kontrahenten ein Ende haben.

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