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Der Brite David Haye hält den WBA-Gürtel im Schwergewicht © getty

Herausforderer David Haye spricht bei SPORT1 über den Untergang der Klitschkos und was es mit seinen Provokationen auf sich hat.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Er war Weltmeister der Verbände WBC-, WBA und WBO im Cruisergewicht - auch Junior-Heavyweight - also Junior-Schwergewicht - genannt. Nun will David Haye "erwachsen" werden.

"Im Cruisergewicht hatte ich keine Herausforderung mehr", begründet der Engländer in einem Gespräch mit SPORT1 seinen Wechsel zu den "schweren Jungs".

Außerdem sei der zu erntende Ruhm im Schwergewicht mit nichts im Boxen zu vergleichen. Vom Schwergewichts-Titel habe er schon als kleiner Junge geträumt.

Bereits in seinem dritten Schwergewichts-Fight hat "The Hayemaker" sich seinen Traum erfüllt. Er nahm Nikolai Walujew dessen WBA-Gürtel ab.

Ein erster Schritt auf dem Weg zum ersehnten Ruhm, dem Kampf gegen Wladimir Klitschko, der wie Haye zu Cruisergewichts-Zeiten, drei WM-Gürtel trägt. Die will Haye - egal wie. Dafür tut der 30-Jährige alles. Nach Ansicht der Klitschkos zu viel des Schlechten.

"Ich musste provozieren"

Haye provozierte wo er konnte. Höhepunkt: Die britische Ausgabe von "Men's Health" zeigte auf dem Titel eine Fotomontage auf der ihr Landsmann den abgeschlagenen Kopf von Wladimir präsentiert (BERICHT: Nächste Kopf-ab-Provokation gegen Klitschko).

"Ich musste provozieren, um den Kampf zu kriegen. Die hatten doch Angst vor mir", verrät Haye SPORT1 (BERICHT: "Prinzessin" Haye verspricht "Exekution" im Ring).

Die Taktik ging auf: Am 22. Juni 2009 wollte Wladimir Klitschko den Herausforderer im Ring für seine Beleidigungen bestrafen. Doch der Brite musste wegen einer Verletzung absagen. Auch einen Termin im September 2009 ließ der Engländer platzen.

Am 2. Juli kommt es in Hamburg endlich zum Duell der beiden Hassgegner. Beim Pressetermin goss Haye, der 25 seiner 26 Profi-Fight gewonnen hat, davon 23 vorzeitig, weiter Öl ins Feuer (BERICHT: Haye will "Esel" Klitschko verprügeln).

Auf einer Foto-Montage auf seinem T-Shirt schlägt Haye Wladimir Klitschko den Kopf ab 352172(DIASHOW: Die größten Box-Skandale).

Stare-Down musste unterbrochen werden

Endlos scheinende drei Minuten hatten sich die beiden Kontrahenten beim Stare-Down nach der Pressekonferenz in der Hamburger Imtech-Arena in die Augen gestarrt, mussten am Ende durch eine Sichtblende in Form eines Klemmbretts unterbrochen werden.

Danach stand Haye in sich gekehrt allein auf dem Rasen, auf dem der Hamburger SV seine Bundesligaspiele austrägt - bis SPORT1 den 30-Jährigen aus seinen Gedanken riss.

SPORT1: Beeindruckt, Mister Haye?

David Haye: Ein schönes Stadion. Ich freue mich darauf, hier zu boxen.

SPORT1: Keine Angst vor ihrem ersten Stadion-Kampf vor 50.000 Fans in der Wahlheimat ihres Gegners Wladimir Klitschko?

Haye: Nein, im Gegenteil. Ich bin froh, dass der Kampf nicht in einer Halle mit 6 bis 8000 Zuschauern stattfindet. Da wären nur wenige Tickets nach England gegangen. So aber werden viele Fans von der Insel nach Hamburg kommen und mich unterstützen. Das wird kein Heimspiel für Wladimir.

[kaltura id="0_24nz2eww" class="full_size" title="Haye verweigert Handschlag"]

SPORT1: Wladimir sagt, Sie wären ein Cruisergewichtler und hätten nicht die Schlagkraft eines Schwergewichtlers. Befürchten Sie, dass es ihnen so gehen könnte wie Artur Abraham. Der hat das Mittelgewicht dominiert wie Sie das Cruisergewicht und kommt eine Gewichtsklasse höher im Super-Mittelgewicht nicht zurecht?

Haye: Nein. Ich habe einen harten Punch. Zwar bin ich ein paar Kilo leichter als die "schweren Jungs", aber dafür bin ich viel beweglicher und schneller. Es ist verdammt schwer, mich zu treffen.

SPORT1: Was war der Grund für Sie, ins Schwergewicht zu wechseln? Keine Lust mehr, vor den Kämpfen "abzukochen"?

Haye: Nein. Schauen Sie doch, über welche Kämpfer auch Jahre nach ihrer Karriere noch geredet wird. Das sind doch fast alles Schwergewichtler. Der Ruhm ist es, der mich reizt. Und ehe Sie fragen: Das Geld kommt mit dem Ruhm von ganz allein. Außerdem hatte ich im Cruisergewicht keine richtige Herausforderung mehr. Und ich habe als Kind schon davon geträumt, eines Tages Weltmeister im Schwergewicht zu sein.

SPORT1: Warum haben Sie Wladimir und nicht Vitali als Gegner gewählt?

Haye: Ich wollte mir nicht nachsagen lassen, dass ich nur gegen einen alten Mann, einen Box-Rentner antrete.

SPORT1: Der Kampf wird unter dem Titel "The War" ("Der Krieg") beworben, Zu martialisch?

Haye: Es ist weit mehr als ein normaler Boxkampf, es wird ein Krieg im Ring.

SPORT1: Wie wird der Kampf ausgehen?

Haye: Ich werde Wladimir zerstören. Es wird eine Exekution geben, wie sie die Box-Welt lange nicht gesehen hat. Wladimir wird den Schlussgong nicht erleben. Ich werde ihn ins Krankenhaus schicken. Und er weiß es. Er weiß, dass seine Karriere beendet ist. Am 2. Juli werde ich vier Gürtel tragen.

SPORT1: Was macht Sie so sicher?

Haye: Wladimir hat es zum ersten Mal mit einem Kämpfer zu tun, der fit ist. Bisher hat er doch immer nur Verletzte geboxt, Boxer, die nur wegen der Kohle gegen ihn gekämpft haben. Ich habe gegen den Giganten Walujew gekämpft und gewonnen - ein Boxer, den Vitali und Wladimir gemieden haben.

SPORT1: Die Klitschkos werfen Ihnen Respekt- und Geschmacklosigkeit im Vorfeld des Kampfes vor...

Haye: Ich musste doch provozieren, um den Kampf zu kriegen. Die haben doch Angst vor mir.

SPORT1: Freunde hat Ihnen das nicht gebracht...

Haye: Das ist mir egal. Die Leute lieben mich oder hassen mich. Gleichgültig bin ich niemandem.

SPORT1: Obwohl Sie ihre Provokationen ans Ziel gebracht haben, haben Sie zwei Termine platzen lassen...

Haye: Im Juni 2009 war ich verletzt. Das kann passieren. Bei dem für September 2009 geplanten Kampf wollten mich die Klitschkos mit einem Trinkgeld abspeisen. Heute bin ich froh darüber, dass der Kampf jetzt stattfindet und nicht vor zwei Jahre. Ich bin in hervorragender Verfassung, stärker als je zuvor. Und wenn Wladimir zur Vorbereitung meine Kämpfe auf Video studiert hat, wird er am 2. Juli überrascht sein. Er wird etwas komplett anderes sehen. Ich werde mich völlig neu erfinden.

SPORT1: Nach der Pressekonferenz haben Sie sich beim "Stare Down" schier endlos in die Augen gestarrt. Was haben Sie in Wladimirs Augen gesehen?

Haye: Er hat geblinzelt, meinem Blick nicht standgehalten. Er ist nervös. Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht.

SPORT1: Sie haben gesagt, Sie wollen mit 30 aufhören zu boxen. Am 13. Oktober werden Sie 31...

Haye: Es bleibt dabei. Ich werde 2011 meine Handschuhe an den Nagel hängen. Bis zum 13. Oktober will ich noch zwei Kämpfe machen. Am 2. Juli gegen Wladimir, und dann werde ich Vitali seinen WBC-Gürtel abnehmen. Ich schicke die Klitschkos in Rente bevor ich selbst in Rente gehe.

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