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Wladimir Klitschko ist seit 13 Kämpfen ungeschlagen © imago

Wladimir Klitschko spricht im SPORT1-Interview über Hayes Provokationen, den Boxer und den Menschen Haye sowie seine Träume.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Kurz nachdem Dr."Steelhammer" Wladimir Klitschko Hasim Rahman derart verarztet hatte, dass der Ringrichter den Herausforderer in der siebten Runde mit dem Abbruch des ungleichen Kampfes vor größerem Schaden bewahrte, sorgte David Haye für den eigentlichen Aufreger.

Die britische Ausgabe des Magazins "Men's Health" zierte auf seiner Titelseite eine Fotomontage, auf der der Engländer den abgeschlagenen Kopf von Wladimir in den Händen hielt. (BERICHT: Nächste Kopf-ab-Provokation gegen Klitschko).

"Und das Foto knallt er mir im Restaurant auf den Mittagstisch", erzählte Vitali Klitschko. Der ältere der beiden Klitschkos und seine Frau Natalie waren geschockt. Der WBC-Weltmeister packte Haye sogar am Kragen.

Frechheit muss bestraft werden

Für die Brüder aus der Ukraine war klar: Für diese geschmacklose Frechheit muss Haye büßen. Die Frage war nur, wer darf die Bestrafung übernehmen - der auf der Fotomontage beleidigte Wladimir oder Vitali, dem das Essen im Hals steckengeblieben war. - Das war im Dezember 2008.

Beide wollten den gerade ins Schwergewicht aufgestiegenen, dreifachen Cruisergewichts-Weltmeister unbedingt vor die Fäuste kriegen.

Münzwurf musste entscheiden

"Keiner von uns wollte nachgeben. Nie zuvor hatten wir so einen Streit", verriet Wladimir SPORT1. "Da haben wir eine Münze geworfen, und ich habe gewonnen."

Zweieinhalb Jahre und zwei Kampfabsagen seitens WBA-Weltmeister Haye später, kommt es nun am Samstagabend in der Hamburger Imtech-Arena endlich zu dem lang ersehnten Kampf.

Im Interview der Woche spricht Wladimir Klitschko bei SPORT1 über Hayes Provokationen, den Boxer und den Menschen Haye sowie seine eigenen Träume.

SPORT1: Herr Klitschko, David Haye hat Sie und ihren Bruder Vitali gleichermaßen provoziert, sogar mit ihren abgeschlagenen Köpfen in der Hand auf einem T-Shirt. Sie beide hätten guten Grund gehabt, den Briten vor die Fäuste bekommen zu wollen. Gab es keinen Streit mit Vitali, wer den Kampf bekommt? Und warum fiel die Wahl auf Sie?

Wladimir Klitschko: Das war mehr als Provokation. Das waren Beleidigungen, die unter die Gürtellinie gingen. Natürlich wollten wir ihn beide dafür im Ring bestrafen. Vor dem ersten Termin im Juni 2009 wollte keiner von uns nachgeben. Nie zuvor hatten wir so einen Streit. Da haben wir eine Münze geworfen, und ich habe gewonnen. Nach der ersten Absage von Haye gab es dann aber keine Diskussion mehr, dass ich den Kampf bestreiten werde. Dafür haben wir alles getan. Er hat 50 Prozent der Börse gefordert. Viel mehr als er verdient hat. Aber er bekommt sie. Mir geht es nicht um das Geld. (David Haye im SPORT1-Interview)

[kaltura id="0_f5jpo508" class="full_size" title="Haye verweigert Handschlag"]

SPORT1: Worum geht es Ihnen?

Klitschko: Ich werde Haye für seine Beleidigungen zwölf Runden lang fürchterlich bestrafen und ihm Respekt beibringen. Und dann werde ich ihn in der letzten Runde K.o. schlagen.

SPORT1: Das ist nicht gerade eine alltägliche Aussage im Schwergewicht. Haben Sie keine Angst davor, dass Haye zwölf Runden Zeit hat, einen "Lucky Punch" zu landen?

Klitschko: Ich habe einen Traum von einem Kampf. Und der geht über zwölf Runden. Mit dem Knockout in der zwölften Runde. Wenn es früher passiert, dann ist das so. Man kann sich da natürlich nicht zurückhalten. Zwei Jahre musste ich warten. Endlich bekomme ich ihn vor die Fäuste. Ich bin bereit.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Qualitäten von Haye ein?

Klitschko: Er ist ein Cruisergewichtler. Im Schwergewicht wurde er noch nicht gefordert, hat gegen meine Sparringspartner geboxt.

SPORT1: Immerhin hat er Nikolai Walujew den WBA-Gürtel abgenommen.

Klitschko: Ich hoffe nicht, dass er so boxt wie gegen Walujew. Dieser Kampf hat mich zu Tode gelangweilt. David lief den ganzen Kampf um Walujew herum. Das will ich nicht. Ich erwarte einen Boxkampf, kein Herumgerenne. (423412DIASHOW: Hayes markanteste Sprüche)

SPORT1: Also nehmen Sie Haye als Boxer nicht ernst?

Klitschko: Nein, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Als Boxer muss ich Haye respektieren. Er ist sehr beweglich und schnell auf den Beinen. Aber als Mensch kann ich ihn nicht repektieren. Er ist 30 Jahre alt und immer noch nicht reif. Da werde ich ihm am Samstag eine Lektion erteilen. Er wird als geschlagener Boxer, aber als besserer Mensch den Ring verlassen. (BERICHT: "Prinzessin" Haye verspricht "Exekution" im Ring)

SPORT1: Haye macht einen sehr fitten Eindruck. Er behauptet, er ist "besser und schneller als je zuvor" in seiner Karriere.

Klitschko: Er macht körperlich wirklich einen guten Eindruck. David ist eine Herausforderung im Ring. Das ist, was ich will, wenn ich boxe. Darauf freue ich mich.

SPORT1: Das "Stare Down" nach der Pressekonferenz in der HSV-Arena schien endlos, musste sogar von außen unterbrochen werden. Was haben Sie in Hayes Augen gesehen?

Klitschko: Ich habe viel gesehen. Augen sind der Spiegel der Seele. Die Augen können nichts verbergen, nicht lügen. Wenn man genau hinschaut, erzählen Augen genau so viel wie der Mund. Und sie wissen, was David im Vorfeld so erzählt hat. Das hab' ich auch in seinen Augen gesehen. (BERICHT: Haye will "Esel" Klitschko verprügeln)

SPORT1: Zweimal ließ Haye den Kampf platzen. Sie selbst hatten noch vor kurzem Zweifel, ob er am Samstagabend in Hamburg antreten wird. Sind Sie jetzt sicher, dass der Kampf stattfindet?

Klitschko: Bisher war alles heiße Luft. Einen Kampf im Chelsea-Stadion hat er angekündigt. Ich hätte nichts dagegen gehabt, ihn in seiner Heimat zu boxen, aber nichts ist passiert. Er hat mich zweimal versetzt, und auch jetzt bin ich nicht hunderprozentig sicher. Ganz sicher bin ich erst, wenn er am Samstagabend im Ring steht. Ich habe extra in den Vertrag schreiben lassen, dass Haye als Erster in den Ring steigen muss. Erst wenn ich ihn im Ring sehe, bin ich sicher, dass der Kampf stattfindet.

SPORT1: Haye verweigert beharrlich einen Handschlag. Haben Sie eine Ahnung, warum?

Klitschko: Er hat einfach keinen Respekt. Den werde ich ihm am Samstag beibringen. Mit einem ganz besonderen Jubiläum: Haye wird mein 50. Sieg durch K.o.

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