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WBA-Champion David Haye (r.) gilt als das Großmaul des Boxens. "Ich werde dir die Hand schütteln, wenn ich dich am Sonntag im Krankenhaus besuchen komme. Es wird eine Exekution geben, wie es sie im Boxen noch nicht gegeben hat", äußert er bei der PK vor dem Klitschko-Fight
Haye (r.) verweigert bei der offiziellen PK Wladimir Klitschko den Handschlag © getty

Wladimir Klitschko und David Haye boxen gleich um vier WM-Gürtel. SPORT1 vergleich die Gegner im Head-to-Head .

Von Tanja Eberl

München - Endlich ist es soweit: Der lang ersehnte Kampf im Schwergewicht zwischen den beiden Weltmeistern Wladimir Klitschko und David Haye findet am Samstag in der Hamburger Imtech-Arena statt.

Dabei geht es um sage und schreibe vier WM-Titel. Auf dem Spiel steht der WBA-Titel von Haye und die Gürtel der IBF, WBO und (weniger bedeutsamen) IBO, die Klitschko besitzt. Das Motto des Kampfes lautet "The War - Der Krieg" 118391(DIASHOW: Die größten Fights von Wladimir Klitschko).

Schon lange hat kein Fight mehr die Massen so elektrisiert wie das Aufeinandertreffen dieser beiden Champions. Für Klitschko, die Nummer eins der unabhängigen Box-Rangliste kommt die Chance, auch die letzten Kritiker zum Schweigen zu bringen, für die Nummer drei, Haye, geht es darum, seinen markigen Worten Taten folgen zu lassen.

Haye provoziert wie Tyson

Im Vorfeld heizten beide Kontrahenten mächtig ein, kaum ein Boxer seit Mike Tyson provozierte seinen Gegner mehr als Haye. Dabei verfolgte der Brite eine geplante Psychotour, wie er freimütig verriet: "Er soll wütend auf mich sein und mich hassen."

Im "Spiegel" ließ Haye noch tiefer blicken: "Die Leute sollen denken: Wer ist dieser Kerl? Und dann gucken sie sich den Kampf an, weil sie wissen wollen, ob ich was kann. Oder weil sie hoffen, dass ich verprügelt werde." (Haye: "Werde die Klitschkos in Rente schicken")

Mit seinem Geschrei und seinen Psychotricks hat er es tatsächlich geschafft, den Kampf zu bekommen, den die Massen herbeisehnen. Schließlich warten seit Jahren die Box-Fans auf eine derartige Schwergewichts-Schlacht. Für Haye ist klar, er will "Klitschkos Regiment der Langeweile beenden".

Seitenhiebe von Wladimir Klitschko

Die Provokationen scheinen zu fruchten, denn selbst der sonst eher ruhige und besonnene Klitschko ließ sich inzwischen auf einige verbale Seitenhiebe ein:

"Möchtegern-Schwergewichtsboxer", "Nummer 50" (In Anlehnung an den 50. K.o.-Sieg, Anm.d.Red.), "Werde Haye mit Genuss therapieren" und "Prinzessin" waren nur einige Aussagen des Dreifach-Champions.

Natürlich, beide Faustkämpfer scheinen die Öffentlichkeitsarbeit auf ihre Art zu lieben. Klitschko präsentiert sich als Werbeikone im Fernsehen, auch seine Liebes-Beziehung mit US-Schauspielerin Hayden Panettiere sorgte für viele Schlagzeilen in der Boulevard-Presse.

Zudem engagierte er sich mit seinem älteren Bruder Vitali in der Demokratiebewegung in der Ukraine.

[kaltura id="0_j5x5hv39" class="full_size" title="Klitschko Haye Der letzte Showdown"]

Viele Gemeinsamkeiten

Haye scheint jede Möglichkeit in den Medien zu nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen (PERSONALIE: Haye - Der Ali des 21. Jahrhunderts).

Am Samstag wird sich nun zeigen, ob Haye es tatsächlich schafft, Klitschko zu entthronen.

Es treffen im Boxgeviert zwei exzellente Kämpfer aufeinander, die von ihrem Kampfstil her kaum unterschiedlicher sein könnten, aber dennoch viele Gemeinsamkeiten vorweisen.

Olympiasieger 1996

Von ihrer boxerischen Vita verfügen sowohl Klitschko als auch Haye über eine fundierte Amateurausbildung. Der gebürtige Ukrainer Klitschko hat 140 Amateurkämpfe bestritten, er verlor davon lediglich sechs. 1996 wurde er Olympiasieger.

Der Brite Haye nahm an den Weltmeisterschaften 1999 in Houston und 2001 in Belfast teil, wo er erst im Finale dem späteren Olympiasieger Odlanier Solis aus Kuba unterlag. Insgesamt hat er 90 Amateurkämpfe bestritten, davon sieben verloren.

Laut eigener Aussage ist der 30-Jährige Haye bereits von Geburt an ein Boxer. "Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich mit geballten Fäusten und einem blauen Auge auf die Welt kam. Ich sah aus, als hätte ich gerade zwölf Runden gegen Mike Tyson geboxt", ist auf seiner Homepage zu lesen.

Mit dem "richtigen" Boxen hat er im Alter von zehn Jahren begonnen. Seit acht Jahren ist er Profi. Er absolvierte insgesamt 26 Kämpfe, davon fünf WM-Kämpfe (drei im Schwergewicht und zwei im Cruisergewicht). Der Londoner ist hungrig und vielleicht erweist sich sein jüngeres Alter als Vorteil.

Klitschko hat 19 WM-Fights auf dem Buckel

Wladimir Klitschko stieg erst mit 14 Jahren in den Boxring. Dennoch hat er an Box-Erfahrung nicht nur aufgrund seines Alters (er ist fünf Jahre älter als Haye, Anm.d Red.) einiges mehr auf dem Kasten als Haye. Seit mehr als 14 Jahren bewegt er sich als Profiboxer im Ring und hat 19 WM-Kämpfe bestritten.

Von ihrer Schlagkraft her nehmen sich beide nicht viel. "Dr. Steelhammer" Klitschko hat eine K.o.-Quote von 84,48 Prozent. "Hayemaker" Haye schafft es sogar auf 88,46 Prozent, jedoch waren viele Gegner aus dem Cruisergewicht dabei.

Körperlich hat Klitschko klare Vorteile. Er ist acht Zentimeter größer, hat acht Zentimeter mehr Reichweite und wiegt knapp 16 Kilogramm mehr als der nur 96,5 kg schwere Haye (DIASHOW: Das Wiegen)425017.

Exzellente Technik

Beide verfügen über eine exzellente Technik. Klitschko, der Doktor der Sportwissenschaften, hält mit seinem herausragenden Jab den Gegner auf Distanz und wartet geduldig auf seine Chance um seinen "Dampfhammer" auszupacken.

Haye ist ebenso ein technisch exzellent ausgebildeter Boxer, der durch die Unberechenbarkeit in seinen Schlägen nicht immer leicht auszumachen ist.

Den größten Vorteil hat der Brite in seiner Beweglich- und Schnelligkeit sowohl in den Füßen, seinem Oberkörper als auch den Fäusten. Klitschko ist trotz seiner Größe nicht gerade langsam, aber an die Schnelligkeit von Haye kommt er nicht ganz heran.

Fragezeichen hinter Nehmerqualitäten

Spannend wird es bei den Nehmerqualitäten beider Kontrahenten. Klitschko, dem früher ein Glaskinn nachgesagt wurde, hat in seinen letzten Fights viel dazugelernt. Doch möglicherweise kann Haye mit seinen explosiven und schlagkräftigen Angriffen Klitschko aus dem Konzept bringen.

Haye selbst verfügt über keine saubere Verteidigungsarbeit, er agiert zu offen, lässt seine linke Führhand hängen und hat dadurch schon einige Niederschläge einstecken müssen. Allerdings stand er danach meistens wieder auf und konnte weiterkämpfen.

Seine einzige Niederlage hat er bei einem Profikampf gegen Carl Thompson in einem Cruisergewichts-WM-Fight im Jahr 2004 kassiert. Danach kam er so richtig in Fahrt.

Klitschko mit "Heimvorteil"

Er dominierte das Cruisergewicht, stieg dann 2008 ins Schwergewicht auf und ist dort bis heute unbesiegt. Allerdings hat er in der "Königsklasse" erst vier Kämpfe bestritten. Monte Barrett, Nikolai Valujev, John Ruiz und Audley Harrison waren die Gegner.

Fazit: Die Box-Fans erwartet ein spannender Kampf mit fast gleichwertigen Gegnern. Aufgrund des "Heimvorteils" des Teilzeit-Hamburgers Klitschko und dessen langer Erfahrung liegt der Ukrainer leicht im Vorteil.

Zudem hat Haye relativ wenig Erfahrung bei Kämpfen über eine längere Distanz. Er hat lediglich sechs Kämpfe absolviert, die über die fünfte Runde hinausgegangen sind.

SPORT1 stellt die beiden Kontrahenten in einem Head-to-Head-Vergleich gegenüber:

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