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Wladimir Klitschko hält die Titel der IBF, WBO, WBA und IBO © AFP

Nach seinem Triumph über Haye fehlen echte Herausforderer. Zwei Engländer und ein Amerikaner sind in der Verlosung.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Der Traum wurde wahr.

Seit dem Punktsieg von Wladimir Klitschko am Samstag über David Haye (Bericht) regieren die Klitschkos die Schwergewichts-Welt 425534(DIASHOW: Die Bilder des Fights).

15 Jahre nach Beginn ihrer Profi-Karriere sind die Brüder aus der Ukraine Weltmeister der fünf größten Box-Verbände.

Wladimir fügte seinen Gürteln der WBO, IBF und IBO Hayes WBA-Gürtel hinzu, Vitali trägt den Gürtel der WBC.

Rücktritt ausgeschlossen

Wie aber geht es weiter mit dem Klitschko-Imperium? Einen Rücktritt der Brüder auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, wie er in manchen Medien kolportiert worden war, schloss Wladimir Klitschko definitiv aus (NACHBERICHT: Hohn und Spott für fußlahmen Haye).

"Ich habe noch viel vor", stellte der 35-Jährige klar. "Ich habe den 50. K.o.-Sieg meiner Profi-Karriere gegen Haye leider verpasst. Ich hoffe, es klappt in meinem nächsten Kampf."

Gegen wen? Da ist der Vierfach-Weltmeister ratlos. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Jetzt wird erstmal die Titelvereinigung gefeiert", so Klitschko nach dem Kampf gegen Haye.

Rückkampf unwahrscheinlich

Einen vom Briten geforderten Rückkampf, der seine Rücktrittspläne ad acta legte, weil er "nicht als Verlierer abtreten" wolle, schloss "Dr. Steelhammer" zwar nicht gänzlich aus, sei aber "eher unwahrscheinlich" und werde auf keinen Fall der nächste Fight werden, auch wenn "The Hayemaker" schon Minuten nach seiner Niederlage erneut provozierte.

Er rechne nicht damit, noch einmal die Chance zu bekommen, da Wladimir "schon in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er nicht der Typ ist, der sich den stärksten Herausforderer aussucht".

Cruiser- statt Schwergewichtler

Fakt ist, den Box-Königen gehen die Gegner im Schwergewicht aus. Im Box-Mekka USA fehlen die Nachwuchskämpfer.

"Die Kids gehen lieber zum Basketball. Da kann man viel Geld verdienen, ohne sich weh zu tun", beklagt Wladimir-Coach Emanuel Steward die Misere in seiner Heimat.

Wie Wladimir gegen Haye muss auch Vitali am 10. September gegen einen aufgestiegenen Cruisergewichtler kämpfen. Gegner des älteren Klitschko ist in Breslau der Pole Tomasz Adamek.

Der Linksausleger hat sich in seiner Karriere vom WBC-Weltmeister im Halbschwer- über den IBF-Titel im Cruiser- zur Nummer 1 der WBC-Rangliste im Schwergewicht und damit offiziellem Herausforderer von "Dr. Eisenfaust" hochgeboxt.

Wieder gegen einen Engländer?

Dass der 34 Jahre alte Pole Vitali Klitschko den WBC-Gürtel abnehmen wird, gilt als unwahrscheinlich. "Haye hat heute erfahren, warum es im Boxen Gewichtsklassen gibt", sagte der 13,5 Kilo schwerere Wladimir nach seiner Box-Lektion für den 30-Jährigen. Eine Erfahrung, die auch Adamek bevorsteht.

[kaltura id="0_6856y11g" class="full_size" title="Im Video Klitschko bietet R ckkampf an"]

Danach wird auch Vitali vor der Frage stehen: Wie geht es weiter? Gehen den Klitschkos die attraktiven Gegner aus?

SPORT1 stellt mögliche Herausforderer für Wladimir und seinen Bruder zur Diskussion.

Trio fordert Klitschko

Ganz oben auf Wladimirs Liste soll laut britischer Medien ein Kampf gegen den Sieger aus dem Duell der Engländer Dereck Chisora und Tyson Fury stehen.

Beide sucht man in den Top-15 der Ranglisten der verschiedenen Verbände zwar vergebens, aber auf der Insel ist Wladimir nach seinem Sieg über Englands Nummer eins Haye ein Zugpferd im lukrativen Pay-TV.

Für den deutschen Markt wäre ein Kampf der Wahl-Hamburger Klitschko gegen Universum-Schwergewicht Alexander Dimitrenko ebenso interessant wie ein Duell gegen Sauerland-Profi Robert Helenius.

Der Finne ist Nummer zwei der WBO- und Nummer drei der IBF-Rangliste.

In den USA traut man Chris Arreola einen Sieg über Wladimir zu. Der 30-Jährige soll sich seit seiner Niederlage in Los Angeles durch Aufgabe in Runde zehn im September 2009 gegen Vitali stark verbessert haben, die seinerzeit nicht zu übersehenden "Schwimmringe" sollen abtrainiert sein.

WBA befördert Wladimir zum "Super-Champ"

Dazu kommen die Pflichtverteidigungen: Die WBA hat am Tag nach dem Sieg ihres Ex-Champions Haye Wladimir zum "Super-Champ" befördert und lässt Ruslan Chagaev und Alexander Powetkin einen Kampf um den "normalen WM-Titel" austragen. Wladimir hat dann 20 Monate Zeit, sich dem Sieger zu stellen.

Gegen Null dürfte das Interesse am Pflichtverteidigungskampf der IBF sein. Eddie Chambers und Tony Thompson kämpfen um das Recht, Wladimir Klitschko vor die Fäuste zu bekommen. Beide hat der Vierfach-Champ bereits ausgeknockt.

Nummer eins der WBO-Rangliste ist Adamek, der nach der zu erwartenden Niederlage im September gegen Vitali wohl kaum in Frage kommt. Hinter dem Polen lauert Helenius.

Die Beiden stehen in der Rangliste von "fightnews.com" auf den Plätzen vier und fünf - hinter Wladimir und Vitali Klitschko sowie Haye.

"Werden uns was Gutes einfallen lassen"

Dem Schwergewicht, durch die provokative PR-Show von Haye gerade aus dem Dornröschenschlaf geweckt, droht ein Rückfall in die große Langeweile.

Die Suche nach einem attraktiven Gegner wird sich für das Klitschko-Management schwierig gestalten. Aber "wir werden uns schon etwas Gutes einfallen lassen", verspricht Wladimir, denn der Traum soll weitergehen.

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