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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Marco Huck (links) hat in 34 Kämpfen 33 Siege gefeiert, 24 davon mit K.o. © getty

Der deutsche Verbands-Chef glaubt, dass Amateure bei Sommerspielen bald ausgeboxt haben. "Es wird Umwälzendes passieren!"

Astana - Jürgen Kyas war geradezu euphorisiert, als er in Kasachstan in den Flieger stieg, augenscheinlich absolut sicher, ein Erdbeben im Boxsport erlebt zu haben.

"Es wird Gravierendes, Sensationelles, Umwälzendes passieren!", sagte der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) am Dienstag.

Und um zu unterstreichen, was die geplante Öffnung der Olympischen Spiele für Boxprofis bedeuten könnte, schob er sofort hinterher: "Da können sie ein Amen drauf beten."

In der kasachischen Hauptstadt Astana hatte das Exekutiv-Komitee des Amateurbox-Weltverbandes AIBA getagt, das höchste Regel-Gremium im Boxen. Jürgen Kyas saß mit am Tisch.

Im Anschluss stellte AIBA-Präsident Wu Ching-Kuo sein "revolutionäres Programm" vor, das theoretisch auch den Klitschko-Brüdern erlauben würde, 2016 in Rio de Janeiro um Olympia-Gold zu kämpfen - so sie denn bereit sind, sich der AIBA zu unterwerfen.

"Wladimir hat doch alles erreicht"

Das scheint aber maximal für Wladimir Klitschko möglich, der dann auch bereits 40 Jahre alt sein wird - Witali sogar 45. Eine Stimme war am Dienstag erst einmal nicht zu bekommen: Wladimir Klitschko will im Urlaub nicht gestört werden.

"Wladimir hat doch alles erreicht", sagte Klitschko-Manager Bernd Bönte stellvertretend, "warum sollte er noch einmal losziehen?"

Wie die Regularien aussehen sollen, muss noch besprochen werden, klar ist nur: Boxer, die im neuen Programm AIBA Professional Boxing erfasst sind, sollen nach bestimmten Kriterien bei Olympia starten können.

Das Programm bewertet die Profi-Boxer nach nationalen, kontinentalen und weltweiten Ranglisten.

"Eine Stärkung des Boxsports"

Das Wort Revolution ist wohl richtig gewählt, denn die Gespräche waren umfassend.

"Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird uns absolut keine Steine in den Weg legen. Das ist alles schon abgesprochen und lag auf dem Tisch. Das IOC folgt uns bereitwillig, es wäre schließlich ein Riesengewinn für Olympia", sagte DBV-Präsident Kyas.

Über das AIBA-Programm spricht er, als sei es jetzt schon umgesetzt: "Das wird zu einer weltweiten Stärkung des Boxsports führen."

Andere Sportarten hätten dem Boxen den Weg bereitet. "Handball, Tennis, da kämpfen Profis schon lange um Medaillen. Es ist an der Zeit, dass wir das uch tun", sagte Kyas.

Huck für Kyas kein Kandidat

Unter den aktuellen Top-Profis sieht er allerdings niemanden, der Deutschland im Jahr 2016, dem "Ende der Durchsetzungsphase", bei Olympia in Rio vertreten könnte.

"Marco Huck? Der ist viel zu alt! Aber es wird ein echter Ruck durch die Profi-Szene gehen."

Huck, Weltmeister im Cruisergewicht nach Version der WBO, wäre 2016 allerdings erst 31, kein Alter für einen Weltklasse-Boxer, wie man an den Klitschkos sieht, die mit 35 und 40 das Schwergewicht immer noch dominieren.

Besonders für Wladimir Klitschko würde sich ein Kreis schließen, er war 1996 als Amateur in Atlanta Olympiasieger im Superschwergewicht.

"Eine geistige Hemmschwelle überwunden"

Generell wird die geplante Öffnung anscheinend auch im Profi-Lager begrüßt.

"Bisher waren sich Amateure und Profis spinnefeind - das kam von Amateurseite. Dass sie sich jetzt öffnen, ist schon revolutionär, als würden die Grünen mit der CDU regieren. Da wird eine geistige Hemmschwelle überwunden", sagte Hagen Döring, Sportdirektor des Boxstalls Sauerland Event.

Allerdings ließ Döring es sich nicht nehmen, die Amateure noch einmal abzuwatschen: "Der Schritt kommt 20, 30 Jahre zu spät. Sie lernen, aber sie lernen eben langsam." Jürgen Kyas würde das wohl anders sehen.

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