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In der sechsten Runde zählt der Ringrichter Hasim Rahman an © getty

Der technische K.o. von Wladimir Klitschko gegen Hasim Rahman war schnell vergessen: Ein Newcomer erzürnt die beiden Ukrainer.

Mannheim - Als der Kampf bereits eine Stunde zu Ende war, ging der Schlagabtausch erst richtig los.

Nachdem Box-Weltmeister Wladimir Klitschko seine beiden Schwergewichts-Titel mühelos gegen Ex-Champion Hasim Rahman verteidigt hatte (Rahman für Klitschko kein Gegner ), betrat ein neuer Herausforderer die Bühne.

Die englische Hoffnung David Haye provozierte Wladimir und seinen Bruder Vitali derart, dass die Ukrainer dem Londoner eine baldige Abreibung im Ring verpassen wollen.

"Er wird bestraft"

"Er wird dafür persönlich von mir bestraft", sagte Vitali zu den Provokationen von Haye in Richtung seines Bruders.

Auslöser für die Aufregung war ein Auftritt des Engländers, der bis März drei WM-Titel im Cruisergewicht hielt und dann ins Schwergewicht wechselte, wenige Stunden vor dem Kampf Wladimirs im Hotel der Klitschkos.

Dabei wurde Vitali beim Essen ein Magazin von Haye unter die Nase gehalten, das den Engländer mittels Fotomontage mit dem abgeschnittenen Kopf Wladimirs zeigte.

"Eine Grenze überschritten"

"Vitali war richtig erzürnt, ist aufgesprungen und hat Haye geschüttelt. Das war keine Show", beschrieb Klitschko-Manager Bernd Bönte den Vorfall, den Vitali auch um 1.00 Uhr am Sonntagmorgen noch nicht verdaut hatte.

"Damit hat er eine Grenze überschritten. Er sollte nicht so frech sein", meinte Vitali in die Richtung von Haye, der nur wenige Meter entfernt in der Mannheimer Arena stand und sich nicht einschüchtern ließ: "Ich will den Kampf."

Ballyhoo um den Engländer

Das Ballyhoo um den Engländer sorgte immerhin dafür, dass einer der künftigen Klitschko-Gegner bereits feststeht.

Bönte kam dies gerade recht. "Er ist ein Wunschgegner des US-TV-Senders HBO und von RTL", erklärte der Manager, der allerdings offen ließ, ob Vitali seinen WM-Titel des Weltverbandes WBC oder doch Wladimir seine Gürtel der IBF und WBO gegen Haye aufs Spiel setzen wird: "Da mische ich mich nicht ein. Das müssen die beiden unter sich ausmachen."

Durch den Ring geprügelt

Die Auseinandersetzung mit Haye stellte den WM-Fight Wladimirs zuvor spielend in den Schatten.

Nach 44 Sekunden der siebten Runde hatte Ringrichter Tony Weeks aus den USA ein Einsehen mit seinem chancenlosen Landsmann Hasim "The Rock" Rahman und brach den Kampf vor 13.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften Arena ab.

Bis dahin war der 36-Jährige, der die siebte Niederlage im 55. Profikampf kassierte, von Klitschko durch den Ring geprügelt worden.

Klitschko kaum gezeichnet

"Er hat eben gegen den besten Mann im Schwergewicht verloren", meinte der kaum gezeichnete Klitschko, der seinen 52. Sieg im 55. Profikampf feierte, nach seiner Box-Demonstration.

Wer neben Haye in Zukunft die Chance auf das zweifelhafte Vergnügen eines Fights mit "Dr. Steelhammer" haben wird, ist noch offen. In Frage kommen der russische Olympiasieger Alexander Powetkin, der aufgrund einer Verletzung durch Rahman ersetzt worden war, und der US-Shootingstar Chris Arreola.

Vier Titel kein Anreiz

Nicht mehr zum Kreis der Kandidaten gehört dagegen der russische WBA-Champion Nikolai Walujew, der am kommenden Samstag seinen Titel gegen den mittlerweile 46 Jahre alten Ex-Weltmeister Evander Holyfield (USA) verteidigen will.

Selbst der Anreiz, alle Titel der großen Verbände in den Familienbesitz der Klitschkos zu bringen, scheint nicht für einen Vereinigungskampf auszureichen.

"Alle vier Titel wären zwar toll und wir haben Walujew mehrfach Angebote gemacht, aber ein Kampf gegen ihn wird von den TV-Sendern jetzt nicht gewünscht", erklärte Bönte.

Wahrscheinlicher ist es sogar, dass Wladimir einen seiner Titel niederlegt, um sich nicht ständig Pflicht-Herausforderern stellen zu müssen: "Ich will mir die Flexibilität erhalten, gegen Gegner zu boxen, die die Fans sehen wollen."

Lewis dementiert Comeback

Der frühere Box-Weltmeister Lennox Lewis hat kein Interesse an einem Kampf gegen Schwergewichts-Champion Witali Klitschko (Ukraine), wie zuletzt spekuliert worden war (Comeback von Lewis? ).

"Ich habe vor knapp sechs Jahren aufgehört. Da kann niemand erwarten, dass ich zurückkomme", sagte der 43 Jahre alte Engländer am Rande des WM-Fights zwischen Wladimir Klitschko und Rahman.

Zuletzt hatte die englische Presse berichtet, dass Lewis für eine Kampfbörse in Höhe von 75 Millionen Euro erneut gegen Klitschko in den Ring steigen würde.

WBC-Weltmeister Klitschko hatte im Jahr 2003 in einem spektakulären Kampf gegen Lewis verloren. Anschließend beendete der Engländer seine Karriere.

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