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Vitali Klitschko (li. mit David Haye) gewann 42 seiner 44 Profi-Kämpfe © imago

Der 40-Jährige bereitet sich für den Kampf gegen Adamek traditionsgemäß vor. Danach wäre ein Duell gegen David Haye möglich.

München - Vitali Klitschko steht ganz entspannt auf den Stufen zum Trainingsring.

Er doziert über die anstehende Einheit und erklärt den interessierten Hotelgästen beim Stanglwirt in Going genau, was er ihnen zeigen wird.

Später flachst Klitschko noch mit Fotografen. Doch als er dann mit Trainer Fritz Sdunek arbeitet, ist er hochkonzentriert, der Schweiß fließt in Strömen über sein Gesicht.

Klitschko nutzt in Österreich jede Sekunde, denn am 10. September wird "Dr. Eisenfaust" vom Polen Tomasz Adamek herausgefordert. Dann muss er in Topform sein - und wird es wohl auch.

"Ich bin ja kein Anfänger", sagt der Schwergewichtsweltmeister des Boxverbandes WBC.

"Adamek ist im Moment der Stärkste der Welt"

Ganz im Gegenteil, die grauen Strähnchen in den Haaren sind optischer Beleg seiner Routine. Klitschko weiß, was er tut, jeder Schritt ist wohl überlegt.

Die Vorbereitung in Tirol gehört dazu und hat Tradition: "Wir tanken hier Energie, es ist ein erfolgreicher Platz. Deswegen ändern wir den Ort auch nicht."

Den Gegner, auch das gehört dazu, den hat er ständig im Blick. Jeden Kampf von Adamek studiert der Ukrainer. Er behauptet sogar, der 34-Jährige sei stärker als das britische Lästermaul David Haye, den Bruder Wladimir zuletzt besiegte.

"Adamek ist im Moment der Stärkste der Welt", sagt Klitschko, und Sdunek pflichtet bei: "Vor allem ist er nicht so feige wie Haye."

Angebot für Haye

David Haye, der die Klitschkos immer wieder provoziert und beleidigt hatte, ist aber noch immer ein Gesprächsthema.

Wladimir hatte ihn dominiert und klar nach Punkten geschlagen. Haye hätte zu gern einen Rückkampf, doch Klitschko-Manager Bernd Bönte hat dies kategorisch ausgeschlossen.

"Es sind keine Fragen offen geblieben", sagte Bönte am Rande des Trainingslagers. Gegen Vitali könne er antreten, wenn Haye wolle. Dieses Angebot stehe. Doch bislang hat der Brite abgelehnt.

"Er sieht aus wie ein Jungbrunnen"

Die Offerte an Haye aber zeigt, dass Vitali die Handschuhe offenbar noch nicht an den Nagel hängen möchte. Auch Sdunek sieht keine Anzeichen für ein bevorstehendes Karriereende.

"Er sieht aus wie ein Jungbrunnen", sagt er. Ein Duell mit Haye fände der 64-Jährige spannend: "Haye wäre der Idealgegner, um dessen große Klappe richtig zu stopfen."

Vorher muss er aber im polnischen Breslau Adamek bezwingen. "Er spielt die Hauptrolle. Ich bereite einige Geschenke für ihn vor", sagt Vitali.

Politisches Engagement

Was den 40-Jährigen jedoch ebenfalls sehr beschäftigt, ist die politische Situation in seinem Heimatland.

Vor eineinhalb Jahren hatte Klitschko die Ukrainische Demokratische Allianz (UDAR) gegründet, im nächsten Jahr will er mit seiner Partei an den Parlamentswahlen teilnehmen. Zuletzt setzt er sich für die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko ein.

"Sport ist viel mehr als nur Sport"

Klitschko hat aus Sorge einen offiziellen Brief an Präsident Wiktor Janukowitsch geschrieben.

"Wir haben mit Korruption zu tun. Dabei wollen wir doch eine Demokratie und keine Diktatur", sagt er. Am Wochenende war Klitschko extra in die Ukraine gereist, aktuell hält er sich in Telefonkonferenzen auf dem Laufenden.

Auch der Kampf gegen Adamek soll Symbolkraft haben: "Es bedeutet viel für die Ukraine. Sport ist viel mehr als nur Sport. Ich will auch für meine Landsleute gewinnen."

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