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Ruslan Chagaev (r.) hat von 29 Profi-Kämpfen bislang 27 gewonnen © dpa Picture Alliance

Beim Kampf zwischen Chagaev und Powetkin geht es um die WBA-Krone. Chagaevs Coach wittert hinter dem Duell nur "Geldmacherei".

Erfurt - Die Sache ist doch völlig klar. Wladimir Klitschko ist Weltmeister, der stärkste Schwergewichtler der Welt.

Er hat am 2. Juli in Hamburg gegen David Haye die WM-Titel der Verbände WBA, IBF und WBO vereint.

Dann ist da noch Vitali Klitschko, der ist auch Weltmeister bei der WBC. Alle Gürtel sind in einer Familie.

Am Samstag stehen sich nun in Erfurt der Usbeke Ruslan Chagaev und der Russe Alexander Powetkin gegenüber - und der Sieger dieses Duells darf sich dann Weltmeister nennen. Beim Verband WBA. Wo ja Klitschko der Jüngere den Titel hält.

Eigentlich besitzt Klitschko den Titel

"Es ist doch keinem Fan mehr zu erklären, dass der Sieger Weltmeister sein soll, obwohl Klitschko eigentlich den Titel besitzt", sagt selbst Trainer Michael Timm, der in dem nun anstehenden WM- Kampf Chagaev betreut.

Und auch Fachleute schütteln nur ungläubig den Kopf. "Da blickt kein Mensch mehr durch. Das ist Geldmacherei", sagt Boxexperte Jean-Marcel Nartz.

Klitschko zum "Super Champion" gemacht

So sieht es wohl aus. An jedem Titelkampf verdienen die Verbände mit, weil sie Titel "sanktionieren". Es gibt "Internationale Meister", "Interkontinentale Meister", "Interims-Meister", "Asien-Pazifik-Meister", der Fantasie der Verbände sind keine Grenzen gesetzt.

Ganz oben in dieser Titelpyramide gibt es den Weltmeister - dachte man. Bis die WBA auf die Idee gekommen ist, besonders dominante Boxer zu "Super Champions" zu küren.

Das ist im Mittelgewicht zum Beispiel der Leverkusener Felix Sturm. Im Schwergewicht wurde Wladimir Klitschko so "aufgewertet". Der reguläre Titel wurde im Gegenzug als vakant erklärt.

So stehen sich jetzt in der thüringischen Landeshauptstadt also der 32 Jahre alte Chagaev und der ein Jahr jüngere Powetkin gegenüber und boxen um einen Titel, von dem sie selber wissen, dass er nur zweitklassig ist.

"Klitschkos eine Stufe über allen anderen"

"Ich weiß, dass die Klitschkos derzeit eine Stufe über allen anderen stehen", sagt Chagaev.

Der Usbeke war selbst einst WBA-Champion, nachdem er 2007 Nikolai Walujew entthront hatte. Von Wladimir Klitschko wurde er 2009 böse verhauen und kassierte seine einzige Niederlage.

Powetkin, der Olympiasieger von 2004, ist als Profi noch ungeschlagen. Er ließ allerdings im Herbst 2010 als Pflichtherausforderer der IBF einen Kampf gegen Wladimir Klitschko platzen.

Letzte Chance für Chagaev

Chagaev hat nur ein Ziel. Er möchte, er will - nein, er muss wieder Weltmeister werden.

"Es ist der wohl wichtigste Kampf meines Lebens", sagt er: "Mit einer Niederlage beschäftige ich mich nicht."

Sie würde wohl seine Karriere beenden.

Dabei war Chagaev vor vier Jahren ganz oben angekommen in seinem Sport. 2007 verprügelte er den als unbesiegbar geltenden Box-Riesen Nikolaj Walujew in einer Zwölf-Runden-Schlacht und entriss ihm den WM-Gürtel.

Auf zwölf Runden vorbereitet

Die bittere Lehrstunde gegen Klitschko, als Trainer Timm das Handtuch warf, hat Chagaev verarbeitet.

"Das ist abgehakt", sagt Chagaev, der auch "Weißer Tyson" genannt wird. Er hat aus seinen Fehlern gelernt.

Gegen Klitschko stieg er nicht gut vorbereitet in den Ring, weil er kurzfristig für das britische Großmaul David Haye eingesprungen war. Doch dieses Mal ist alles anders.

106 Sparringsrunden hat Chagaev im Training geboxt, er wirkt fit und fokussiert. "Ich bin perfekt vorbereitet und werde alles geben", sagte der gläubige Moslem und Vater von zwei Söhnen: "Nur der Himmel weiß, wie der Kampf endet. Ich kann über zwölf Runden gehen, aber natürlich versuche ich, den Kampf vorzeitig zu beenden."

Duell auf Augenhöhe

Sein Trainer erwartet im Kampf um den WM-Gürtel ein Duell auf Augenhöhe. "Ruslan und Alexander sind ähnliche Typen. Das wird kein Kinderspiel, die Chancen stehen 50:50", sagte Timm.

Dass der Gürtel durch Klitschkos Ernennung zum Super-Champ an Wert verloren hat, hinterfragt niemand der Beteiligten.

"Ich bin hoch motiviert und will meinen alten Titel wieder holen", sagt Chagaev und Powetkin erklärt: "Der WM-Titel der Profis war immer mein Ziel."

Schlusswort Michael Timm: "Warum setzt man den Kampf nicht als Ausscheidungskampf um das Recht an, Klitschko herauszufordern?" Er weiß es eigentlich.

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