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Joe Frazier wurde 1964 gegen den Regensburger Hans Huber Olympiasieger © getty

Der Ex-Schwergewichts-Weltmeister erliegt einem Krebsleiden. Zwei Kämpfe gegen Muhammad Ali haben "Smokin' Joe" berühmt gemacht.

Philadelphia/München - Joe Frazier war erst wenige Stunden tot, da verneigte sich der "Größte" vor dem Gegner aus glorreichen Zeiten.

"Die Welt hat einen großen Champion verloren", ließ der schwerkranke Muhammad Ali in einem seiner seltenen öffentlichen Statements wissen: "Ich werde mich immer mit Respekt und Bewunderung an Joe erinnern. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und denen, die er geliebt hat und die ihn liebten."

Der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister Joe Frazier starb einen Monat nach der Diagnose Leberkrebs am späten Montagabend in einem Hospiz in Philadelphia.

Die Familie des 67-Jährigen und sein Manager Leslie Wolff bestätigten die Todesnachricht am Dienstagmorgen.

Mit 15 in den Ring

Vor fünf Wochen hatten Fraziers Ärzte die tödliche Krankheit entdeckt, die bereits im finalen Stadium war. "Es gab keine Rettung für ihn", sagte Wolff: "Nur ein Wunder hätte ihm helfen können."

Wunder gab es im Leben des Joe Frazier aber von Anfang an nicht, Ruhm und Ehre musste sich das jüngste von zwölf Kindern hart erarbeiten.

Am 12. Januar 1944 kam Frazier in Beaufort/South Carolina zur Welt. Als er 15 war, zog die Familie nach Philadelphia, wo der Junge mit dem Boxen begann.

Sparring gegen Rinderhälften

Frazier trainierte im Gym von Yank Durham und Willie Reddish und schlug während der Arbeit auf einem Schlachthof stundenlang im Kühlhaus auf Rinderhälften ein. Hollywood-Star Sylvester Stallone baute diese Sequenz später in sein preisgekröntes Boxer-Epos "Rocky" ein, in dem Frazier einen Gastauftritt hatte.

1964 in Tokio wurde Frazier durch einen Punktsieg gegen Hans Huber aus Regensburg Olympiasieger und wechselte danach zu den Profis. Von seinen ersten 19 Kämpfen gewann er 17 durch K.o., berühmt-berüchtigt war vor allem sein linker Haken.

14 brutale Runden in Manila

Joe Frazier stammte wie Ali aus der Hochzeit des Schwergewichtsboxens, in der die beiden mit einem einzigen Kampf weltweit 300 Millionen Menschen vor die Bildschirme lockten:

Der "Thrilla in Manila" am 1. Oktober 1975 auf den Philippinen, jenes legendäre "Slugfest", das Frazier und Ali an die Schwelle des Todes brachte, in dem Fraziers Coach Eddie Futch nach 14 Runden eines barbarischen Gemetzels das Handtuch warf, und das letztlich für den Boxer Joe Frazier der Anfang vom Ende war.

[kaltura id="0_0gnkqhpu" class="full_size" title="Trauer um Smoking Joe Frazier"]

"Rumble in the Jungle"

Ali behielt damals seinen Titel, obwohl er selbst nach der 14. Runde mehr tot als lebendig seinen Trainer Angelo Dundee angefleht hatte, den Kampf zu beenden. Frazier hatte sich in dem epischen Gemetzel mit zugeschwollenen Augen bis zuletzt verzweifelt gegen die Niederlage gewehrt.

Unbedingt wollte er jenen Titel zurückhaben, den er im Januar 1973 an George Foreman verloren und den Ali eben jenem Foreman im Oktober 1974 im gleichfalls weltberühmten "Rumble in the Jungle" in Kinshasa entrissen hatte.

Erste Niederlage für Ali

Der "Thrilla in Manila" war der letzte der drei historischen Kämpfe zwischen Frazier und Ali.

In der ersten Ringschlacht fügte Frazier dem verhassten Ali 1971 im New Yorker Madison Square Garden die erste Niederlage überhaupt in einem WM-Fight zu. Er selbst hatte sich den Titel 1970 durch einen K.o.-Sieg gegen Champion Jimmy Ellis geholt.

Im zweiten Fight der beiden Giganten im Januar 1974 erneut in New York ging es nicht um die WM, Champion war zu der Zeit George Foreman. Ali gewann den Fight nach Punkten.

Ali und Frazier mochten sich nicht. Ali, erbitterter Gegner des Vietnamkriegs und ein Idol der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, warf Frazier stets vor, ein Boxer für das weiße Establishment zu sein.

Gegnerschaft zu Ali

Frazier verweigerte es im Gegenzug, Ali bei dessen neuem Namen zu nennen, und sprach unbeirrt von Cassius Clay, den er sein Leben lang verachtete.

Als Ali 1996 in Atlanta in einem bewegenden Moment das olympische Feuer entzündete, hätte Frazier ihn nach eigenem Bekunden liebend gerne in dasselbe gestoßen.

Ali hatte dafür einst mit einem Schmähgesang gegen Frazier den Begriff vom "Thrilla in Manila" geprägt: "It's gonna be a thrilla and a chilla and a killa when I get the gorilla in Manila."

K.o. für Frazier

Ein Jahr nach dem Schlachtfest auf den Philippinen versuchte Frazier, wieder Fuß zu fassen, doch sein zweiter Kampf gegen George Foreman endete in einem Desaster.

Foreman, wütend über die Arroganz Alis, der ihm einen Rückkampf konsequent verweigerte, tobte sich an Frazier aus. In der zweiten Runde explodierte sein linker Haken mit einer solchen Wucht unter Fraziers Kinn, dass dieser regelrecht abhob und mit beiden Füßen den Bodenkontakt verlor.

Der Kampf wurde abgebrochen, nachdem Frazier in der fünften Runde erneut zu Boden gegangen war.

32 Siege für "Smokin' Joe"

Nach dieser Niederlage beendete Frazier 1976 seine Karriere, um 1981 für einen letzten Kampf gegen Floyd Cummings noch einmal zurückzukehren.

Der Fight endete mit einem Unentschieden, danach hängte Frazier endgültig seine Handschuhe an den Nagel. Bei 32 Siegen und dem Unentschieden im letzten Kampf hatte "Smokin' Joe" die einzigen Niederlagen seiner grandiosen Karriere gegen Ali und Foreman kassiert.

Klitschkos trauern

Das NOK der USA erinnerte am Dienstag an einen "legendären Olympiasieger. Wir sehen uns im Himmel, Smokin' Joe Frazier" twitterte Pressesprecher Patrick Sandusky.

Der ungeschlagene Weltergewichts-Champion Floyd Mayweather jr. meldete sich ebenfalls via "Twitter" zu Wort: "Mein Beileid an die Familie des großen Joe Frazier. Wir werden ihm eine würdige Trauerfeier bezahlen."

Henry Maske hat Fraziers Tod "sehr berührt. Frazier war der Kämpfer im Ring, der durch seinen Einsatz und Glauben an sich selbst, jedem bis zum heutigen Tag in Erinnerung geblieben ist. Gerade sein erstes Aufeinandertreffen gegen Ali hat uns alle beeindruckt. Wir verlieren einen ganz Großen unseres Sports."

Auch die Klitschko-Brüder trauern um Joe Frazier.

"Mein Bruder und ich sind sehr traurig über den Tod von Joe Frazier. Er war einer der ganz Großen des Schwergewichts. Seine drei Kämpfe gegen Muhammad Ali gehören zweifellos zu den Klassikern der Sportgeschichte. Als großartiger Champion und durch sein soziales Engagement hat Joe sehr viel für den Boxsport getan", heißt es in einem Statement von WBC-Weltmeister Vitali Klitschko.

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