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Mike Tyson (r.) gewann in seiner Karriere 44 Kämpfe durch K.o. © dapd

Vor 25 Jahren wurde Mike Tyson zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten und brachte damit einen Kommentator zum Schweigen.

München - Die 8.800 Schaulustigen in der rauchgeschwängerten Atmosphäre des Hilton Hotels in Las Vegas gerieten regelrecht in Extase, als sich dieses Muskelpaket den Weg zum Ring bahnte.

Die TV-Reporter überboten sich gegenseitig mit Superlativen, während Mike Tyson Minuten später bei den Instruktionen von Ringrichter Mills Lane sein nächstes Opfer mit kaltem Blick musterte.

WBC-Weltmeister Trevor Berbick hatte schon in diesen Sekunden vor dem ersten Gong verloren.

Nur 335 Sekunden Kampf

Das sensationslüsterne Publikum in dem Casinokomplex und die Millionen Zuschauer an den Fernsehbildschirmen bekamen das, was ihnen vorhergesagt worden war.

Mike Tyson stürmte am 22. November 1986 auf den Box-Thron und wurde im Alter von 20 Jahren und 144 Tagen jüngster Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten.

Wichtiger aber: Tyson machte es an diesem Tag vor 25 Jahren mit roher Gewalt, schmerzhaft und kurz - in 335 Sekunden war alles vorüber.

Überzeugende Zahlen

Am Ring saß als TV-Co-Kommentator Sugar Ray Leonard, der angesichts dessen, was sich vor seinen Augen abgespielt hatte, "sprachlos" war.

"Iron Mike" brachte 100 Kilogramm Muskeln verteilt auf 1,80 Meter in den Ring. Die schwarze Hose und schwarzen Schuhe ohne Socken verliehen ihm etwas zusätzlich Finsteres.

Furchteinflößender waren aber die Zahlen, die Ringsprecher Chuck Cobble verkündete: 27 Kämpfe, 27 Siege, 25 Knockouts.

Berbick geht zu Boden

Und der Herausforderer ging sofort an die Arbeit, deckte seinen Gegner mit Haken ein. Mit einer Serie zu Beginn der zweiten schickte er den damals 32 Jahre alten Berbick erstmals auf die Bretter. Der kam aber wieder schnell hoch. Die Tapferkeit war an diesem Abend die einzige Qualität des Weltmeisters.

Das vorzeitige Ende kam trotzdem - und hinterließ bei den Zuschauern ein Gefühl des Unwohlseins.

Mit einem rechten Haken auf die linke Nierengegend zog er die Deckung von Berbick runter, ein gewaltiger rechter Aufwärtshaken verfehlte sein Ziel noch, der nachfolgende kurze linke Haken aber nicht die Schläfe.

Mit Verzögerung rutschte Berbick an Tyson herab auf den Ringboden.

Eine grausame Vorführung

Der gebürtige Jamaikaner versuchte, aufzustehen. Nur seine Beine gehorchten seinen Befehlen nicht. Er purzelte in die Fotografen am Ring. Noch ein Versuch, aber er trudelte auf die andere Seite.

Endlich kam er hoch, aber Berbick hatte immer noch nicht seine Glieder unter Kontrolle. Ringrichter Lane, ein Anwalt und Leichtgewicht, nahm Berbick in den Arm und beendete die fast grausam wirkende Vorführung. Die Veranstalter hatten den Fight als "Jüngsten Tag" promotet.

Tyson mit Urgewalt

Mike Tyson war Weltmeister, er jubelte nicht einmal. "Mein Rekord ist für die Ewigkeit", sagte Tyson nach dem Fight. Neben ihm stand der Mann, der zukünftig die Kontrolle über ihn hatte: Don King.

Tyson läutete eine neue Ära im Schwergewicht ein. Das höchste Limit war nach den goldenen Siebziger Jahren ausgetrocknet. Weltmeister wie James "Bonecrusher" Smith, Tony Tucker oder Pinklon Thomas waren Namenlose. Tyson räumte auf, mit Urgewalt.

Niederlage gegen Kneipenschläger

Berbick war der erste, der ausgelöscht wurde, an den sich kaum einer mehr erinnern würde. Er war der letzte Gegner des damals 39-jährigen Muhammad Ali.

Er schickte den Größten in Rente, als dieser offenbar schon Anzeichen der Parkinsonschen Krankheit zeigte.

Auch das wollte Tyson an diesem denkwürdigen Abend irgendwie rächen.

"Iron Mike" elektrisierte die Massen fortan. Auch seine erste Niederlage gegen James Buster Douglas konnte der Faszination nichts anhaben, auch nicht die dreijährige Haftstrafe wegen der Vergewaltigung einer 18-Jährigen, auch nicht seine Bisse in die Ohren von Evander Holyfield.

Aber irgendwann war auch für ihn Schluss, als er gegen einen Kneipenschläger wie Kevin McBride 2005 vorzeitig verlor.

Grausamer Tod von Berbick

Der Name Trevor Berbick tauchte noch einmal auf.

20 Jahre nach dem Kampf gegen Tyson wurde der gewaltsame Tod von Berbick vermeldet. Ein Neffe und dessen Komplize haben den Ex-Champ den Ermittlungen zufolge 2006 mit einem Eisenrohr erschlagen.

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