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Timo Hoffmann (l.) feierte in seinen bislang 48 Kämpfen 39 Siege © dapd

Von Sauerland gefeuert, chancenlos gegen Klitscko: Nun kehrt Timo Hoffmann nach über einem Jahr Pause in den Ring zurück.

Dessau - Timo Hoffmann - da war doch was?

Ein paar Erinnerungen blitzen auf, Hoffmann gegen Vitali Klitschko, Luan Krasniqi, auch gegen Francois Botha. Wie ein Komet taucht der Berufsboxer aus Polleben immer wieder auf, seine Strahlkraft wird stets weniger, aber er kommt immer wieder.

Am Samstag kämpft der 37-Jährige in Dessau nach über einem Jahr Pause wieder.

Gegner ist ein aus dem Kongo stammender Kölner, in dessen Bilanz 22 Siege und 22 Niederlagen stehen: Jonathan Pasi. "Ich bin noch lange nicht am Ende", sagt Hoffmann.

"Es reizt mich immer noch"

Der Mann ist Feinbäcker und Konditor, aber Witze über das Backen kleiner Brötchen verbittet er sich. Der 2,02 Meter lange Blondschopf, so scheint es, hat einfach Lust am Boxen.

"Ich muss nicht mehr boxen, aber es reizt mich immer noch, in den Ring zu steigen", sagt er.

Sport ist ja auch gesund und so nahm er im Sommer auch an einem Marathonlauf teil und vor sechs Wochen am Dessauer City Lauf über zehn Kilometer.

Der Rahmen wird kleiner

Dass der Rahmen seiner Auftritte immer kleiner wird und die Gegner immer schlechter, angeblich stört das Timo Hoffmann nicht.

Die "deutsche Eiche" hat eine feste Fangemeinde in der Region um Eisleben, er ist offen, freundlich, sympathisch. Der Box-Nachwuchs beim Polizei-Sportverein 90 Dessau schaute mit großen Augen, als Hoffmann zum Training vorbeischaute.

"Man ist ja schon nervös und nicht so locker, wenn man mit so einem Profi sparren darf", sagte der Amateur Martin Edelmann.

Enormes Vermarktungspotenzial

Am 16. Oktober 1993 bestritt Hoffmann seinen ersten Profikampf. Langsam wurde er professionell aufgebaut.

Manager Wilfried Sauerland sah in dem Jung-Siegfried enormes Vermarktungspotenzial für den deutschen Markt.

Die klare Punktniederlage bei seinem ersten Anlauf auf die EM am 25. November 2000 gegen Vitali Klitschko wurde sogar zu einem kleinen Sieg uminterpretiert: Hoffmann war der erste Boxer, der nicht gegen den Ukrainer K.o. ging.

Die Trainer verzweifeln

Doch sein erster Kampf auf der ganz großen Bühne war gleichzeitig der Anfang vom Ende. Keine seiner Chancen konnte er mehr nutzen.

Mut reicht nicht, wenn das Potenzial zu gering ist. Die Trainer Ulli Wegner, Manfred Wolke, Uwe Schuster und Buddy McGirt verzweifelten.

Nach dem dritten vergeblichen Anlauf auf die EM im Juni 2006 durch eine Punktniederlage gegen den italienischen Ersatzgegner Pablo Vidoz wurde Hoffmann von Sauerland gefeuert: "Wenn einer nicht Europameister werden kann, dann lohnt das Boxen nicht."

Firmengründer und Selbstvermarkter

Für den Lebensunterhalt hat Hoffmann inzwischen eine Security-Firma gegründet: "Das Geschäft läuft ganz gut." Als Faustkämpfer vermarktet er sich selbst.

Mit 1.000 Zuschauern rechnet er am Samstag in der Sporthalle eines Berufsschulzentrums. Die Band "Down Below" hat ihm sogar eine Einmarschmusik aufgenommen.

Alles wie bei den Großen, nur ein paar Nummern kleiner. "Ich will in der Gegend noch ein paar Boxveranstaltungen durchführen", sagt der Schwergewichtler, "die Fans haben mich noch nicht vergessen".

Timo Hoffmann - da war doch was?

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