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Dereck Chisora (M.) und Ex-Weltmeister David Haye prügelten sich auf der Pressekonferenz © getty

Nach Vitali Klitschkos Sieg gegen "Bad Boy" Chisora kriegen sich der Brite und Landsmann Haye in die Haare. Ein Verhör steht an.

München - Der Brite Dereck Chisora sorgt auch nach seiner Niederlage gegen Weltmeister Vitali Klitschko für Schlagzeilen (520748DIASHOW: WBC-Fight: Klitschko vs. Chisora).

Wie ein Sprecher der Münchner Polizei gegenüber SPORT1 bestätigte, wurde Chisora festgenommen, nachdem es auf der Pressekonferenz im Anschluss an den Kampf zu tumultartigen Szenen kam, in die sowohl Chisora als auch sein Landsmann David Haye involviert waren. (EINWURF: Jämmerliche Pausenhof-Gockel)

Der 28 Jahre alte Chisora stieß dabei im Anschluss eine lautstarke Mordrohung aus. "Ich werde Dich erschießen! Ich meine das ernst", schrie Chisora Haye hinterher.

"Es gab Drohungen, zu denen die Kriminalpolizei Dereck Chisora vernehmen wird", so der Sprecher.

Vernehmung steht bevor

Am Sonntagmorgen wurde Chisora verhaftet und ins Münchner Polizeipräsidium gebracht. "Aktuell ist er noch in Haft, die Vernehmung wird noch heute über die Bühne gehen", erklärte der Sprecher.

Von den genannten Morddrohungen wisse die Polizei allerdings nichts, "dass es Drohungen gab, ist richtig."

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Sehneanriss in der Schulter

Am Vorabend hatte Klitschko den Eklat bei der Pressekonferenz in der Münchner Olympiahalle angewidert aus sicherer Entfernung verfolgt. Für seine Boxkollegen hatte er nur Verachtung übrig.

Selbst Schmerzen an seiner verletzten Schulter rückten nach der erfolgreichen Titelverteidigung des Box-Champions zwischenzeitlich in den Hintergrund. Klitschko hatte sich im Kampf einen Sehnenanriss in der linken Schulter zugezogen, muss aber nach Auskunft seines Arztes "nach jetzigem Stand" nicht operiert werden. In sechs bis acht Wochen sei die Verletzung ausgeheilt.

Klitschko will weitermachen

Bei seinem Abgang von der Pressekonferenz sah Vitali so aus, als wüsste er nicht so recht, ob diese Bühne noch die seine ist. Am Sonntag aber kündigte der Ukrainer an, dass er in den Ring zurückkehrt.

"Es ist noch nicht alles vorbei. Wenn ich mit einem Arm kämpfen und klar dominieren kann, habe ich eine große Reserve an Pulver. Deswegen war das nicht der letzte Kampf", sagte Klitschko dem TV-Sender "RTL".

"Bin zutiefst angewidert"

Das ungehobelte Benehmen Chisoras im Vorfeld hatte ihn in höchstem Maße irritiert. Obwohl Klitschko dem britischen Skandal-Boxer Respekt für dessen sportliche Leistung zollte, sagte er auch unverhohlen: "Menschlich bin ich zutiefst angewidert von ihm."

Mit einem vorzeitigen K.o. wollte Klitschko den Briten für sein Verhalten bestrafen. Dabei waren die markigen Sprüche Chisoras zunächst nur das übliche Geklapper, das zur Show gehört - Klitschko ließ sich davon nicht aus der Reserve locken.

Doch schon, als der "Del Boy" Klitschko am Freitag beim Staredown nach dem offiziellen Wiegen geohrfeigt hatte, war eine Grenze überschritten. (BERICHT: Chisora ohrfeigt Klitschko)

Fehlende Wucht

Klitschkos Schulter hatte ihn im Kampf dann stark beeinträchtigt. (SERVICE: Alles zum Boxen)

Seinen Schlägen fehlte die Wucht, der angestrebte K. o. gelang nicht. "Ich habe nach der vierten Runde den ganzen Kampf nur noch mit rechts bestritten. Ich habe keine Kraft mehr im linken Arm", sagte Klitschko, dessen linker Führhand normalerweise eine wichtige taktische Funktion zukommt: "Der linke Arm war immer der Schlüssel zum Sieg für mich. Ich bin enttäuscht, dass ich Chisora nicht ausknocken konnte".

Vier Gürtel

Der seit 2003 ungeschlagene "Dr. Eisenfaust" verteidigte seinen Titel dennoch insgesamt zum achten Mal erfolgreich.

Alle vier bedeutenden WM-Gürtel bleiben somit im Besitz der Klitschkos. Vitalis Bruder Wladimir ist Champion der Verbände IBF, WBO und WBA.

"Del Boy" Chisora kassierte im 18. Profikampf seine dritte Niederlage. Der bis dato letzte britische Weltmeister im Schwergewicht war David Haye, der seinen WBA-Titel im Juli 2011 gegen Wladimir Klitschko verloren hatte.

Chisora spuckt Wladimir an

Chisoras Fehltritte hatten sich da schon fortgesetzt.

Erst verzögerte er den Kampfbeginn, weil er am WBC-Reglement herummäkelte. Dann spuckte der 28-Jährige Vitalis Bruder Wladimir im Ring Wasser ins Gesicht. "So etwas wie Chisora geht gar nicht. Alle großen Boxer - Muhammad Ali, Joe Louis, Max Schmeling oder Rocky Marciano - hatten immer Respekt vor ihrem Gegner. Er hat auch ins Gesicht aller Fans und des Sports an sich gespuckt", sagte Wladimir.

Der negative Höhepunkt war dann jedoch die Schlägerei mit Haye.

Morddrohung gegen Haye

Chisora teilte gegen den früheren Weltmeister, der den ersten Hieb gesetzt hatte, nicht nur handfest aus, sondern gab ihm auch gleich eine Morddrohung mit auf den Weg. "Ich werde Dich erschießen! Ich meine das ernst", schrie Chisora in blinder Wut. Vitali Klitschko verfolgte die geradezu unglaublichen Ereignisse mit perplexem Gesichtsausdruck.

Anlass waren lautstarke Diskussionen gewesen, die sich zunächst um ein mögliches Duell von Haye und Vitali Klitschko drehten.

Haye nicht auffindbar

Nachdem Klitschko-Manager Bernd Bönte ("Du bist raus, raus, raus!") die Herausforderung von Haye ("Wenn Vitali die Eier hat, gegen mich anzutreten, knocke ich ihn aus") abgelehnt hatte, entwickelte sich kurz darauf ein Wortgefecht der beiden Briten. Als Haye Chisora als "Loser" bezeichnete, weil der drei seiner letzten vier Kämpfe verloren hatte, eskalierte die Situation.

Die Lager beider Boxer wurden in tumultartige Szenen verwickelt. Am Ende mussten auch Unbeteiligte dazwischen gehen, um die Streithähne nach einigen Minuten wieder zu trennen. Chisora zog sich bei der Schlägerei eine Blessur an der Lippe zu. Hayes Trainer Adam Booth erlitt eine blutende Wunde an der Stirn, als er von seinem Schützling mit einem Kamerastativ getroffen wurde.

"Wenn Chisora sagt, dass er Haye erschießen will, dann ist das kriminell. Der gehört nicht in diesen Sport", kommentierte Wladimir Klitschko.

Auch Haye sollte im Laufe des Sonntags von der Polizei vernommen werden - allerdings war er zunächst nicht auffindbar.

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