Was Chisora und Haye veranstaltet haben, war beschämend. Die Klitschkos sollten sie auf die Art bestrafen, die ihnen wehtut.

Skandalös, unwürdig, beschämend, wahnwitzig: Es gibt viel Naheliegendes, was man zu der Schlägerei der Klitschko-Gegner Dereck Chisora und David Haye in der Pressekonferenz nach dem WM-Kampf sagen kann.

Nichts davon ist falsch, aber das eigentlich Wahnwitzige daran ist, dass der absurd anmutende Zwischenfall noch etwas anderes ist: lohnenswert.

Chisora und Haye werden Strafen kassieren für ihr Gebaren - der Schaden, den sie davon haben werden, wird aber kaum größer sein als der Nutzen, den sie daraus ziehen.

Profiboxen ist ein Geschäft, das jämmerliches Verhalten wie das am Samstag nach dem Kampf erlebte belohnt: Skandale sorgen für Aufmerksamkeit (auch hier), Aufmerksamkeit sorgt für Vermarktungschancen, Vermarktung sorgt für Geldfluss.

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Die beiden Briten können sich darauf verlassen, dass die Empörung über ihr Pausenhof-Benehmen sich auf Dauer verwandelt in das lukrative Zuschauerinteresse, sie im Ring dafür bestraft zu sehen.

Nur verständlich, dass da schnell Spekulationen auftauchen, die Chisora-Haye-Prügelei wäre ein wohlkalkulierter Marketing-Gag.

Das muss man nicht glauben, wenn man bedenkt, dass sich sogar die deutsche Polizei damit befassen muss.

Bezeichnend genug ist es schon, dass man es tatsächlich glauben kann.

Die Klitschkos und ihr Management müssen sich vorhalten lassen, dass sie sich Chisora als WM-Herausforderer ins Haus geholt haben, obwohl seine sportlichen Meriten dünn waren.

Unabhängig davon, dass Chisora seine WM-Chance durch eine gute Leistung gegen Vitali dann doch gerechtfertigt hat: Bekommen hat er sie offensichtlich doch eher wegen seines gut vermarktbaren Skandalnudel-Images.

Beide Klitschkos haben sich in der Samstagnacht glaubwürdig von dem Schauspiel distanziert, das Chisora und Haye geliefert haben.

Das ehrt sie, noch mehr aber würde sie ehren, wenn sie nun auch konsequent bleiben und die beiden Briten nicht noch dafür belohnen.

Die Klitschkos haben sportlich weder gegen Chisora noch gegen Haye noch etwas zu beweisen.

Sie haben dafür nun die Gelegenheit, sie für die Farce in der Münchener Olympiahalle zu bestrafen.

Nicht im Ring, sondern auf die Weise, die den Box-Gockeln wirklich wehtut: Dadurch, dass sie sie von nun an ignorieren.

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