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Dereck Chisora hat bislang 16 Siege auf dem Konto
Dereck Chisora gewann 15 seiner 18 Profi-Kämpfe, neun durch K.o. © getty

Der britische Boxverband erwägt ein Berufsverbot für die beiden Streithähne. Chisora wird stundenlang verhört, Haye flüchtet.

München - Skandal-Boxer Dereck Chisora entschuldigte sich "von ganzem Herzen", sein Manager Frank Warren ist immer noch "völlig entsetzt", und der "bitter enttäuschte" David Haye flüchtete aus Deutschland.

Zwei Tage nach dem handfesten Skandal des WM-Kampfes zwischen Chisora und Vitali Klitschko am Samstag in München schlägt das Thema weiter hohe Wellen (BERICHT: Klitschko verteidigt Titel - Eklat nach dem Kampf).

Haye, den die Münchner Polizei wie Chisora vorladen und befragen wollte, kam den Behörden offenbar mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion zuvor.

Derweil drohen den beiden Streithähnen lebenslange Sperren und Ärger mit der Justiz.

Haye ergreift die Flucht

"Im Lichte der Drohungen", die Chisora während der Pressekonferenz ausgesprochen habe, sei es ihm und seinem Trainer Adam Booth "angemessener erschienen", das Hotel, in dem auch Chisora und dessen Stab untergebracht waren, so schnell wie möglich zu verlassen.

Das teilte Haye in einem Statement am Montag mit.

"Konsequenterweise" habe man dann auch einen früheren Flug am Sonntagmorgen aus der bayerischen Landeshauptstadt genommen.

Haye gibt Chisora die Schuld

Haye wusch seine Hände in Unschuld und machte Chisora für die Prügelei verantwortlich.

Der "Del Boy" habe während der Pressekonferenz angefangen, ihn vom Podium herab wüst zu beleidigen und zu bedrohen.

Danach habe sich ihm Chisora mit Betreuern im Schlepptau auf "aggressive Art" genähert und schließlich "einen ernsten Tumult verursacht", der "die Reputation des Sportes, den wir beide lieben, zu gefährden droht", prangerte Haye an.

"Schäme mich zutiefst"

Chisora wiederum, der mehrfach gedroht hatte, Haye zu "erschießen", entschuldigte sich am Montag, sprach aber auch von Provokationen im Hintergrund.

Seine Frustrationen seien schließlich "übergekocht", davon abgesehen aber stehe unter dem Strich, dass er seine Familie, sein Team und den Sport, "den ich liebe, im Stich gelassen habe", so der 28-Jährige.

"Ich schäme mich zutiefst."

Auch Haye "bitter enttäuscht"

Wie der "Hayemaker", der als berechnender Provokateur gilt, weiter schrieb, habe er seit Samstag über die handfeste Auseinandersetzung mit Chisora nachgedacht und sich den Vorfall "mehrfach" auf der Internetplattform "youtube" angeguckt.

[kaltura id="0_d4a3mojp" class="full_size" title="Eklat auf der Pressekonferenz"]

"Ich bin bitter enttäuscht, Teil dessen gewesen zu sein, was Samstagnacht passiert ist", erklärte der 31-Jährige.

"Ich bin kein Engel, und ich habe nichts gegen etwas professionellen Trash-Talk, um das Boxen interessanter zu machen, aber in meinen 21 Jahren im Boxsport war ich niemals beteiligt an einem oder wurde Zeuge eines solch ernsten Aufruhrs."

Chisora stundenlang verhört

Chisora und Haye, der als TV-Experte in München gewesen war, hatten bei der Pressekonferenz für einen gewaltigen Skandal gesorgt.

Die beiden Briten lieferten sich nach gegenseitigen Provokationen eine handfeste Schlägerei.

Chisora wurde am Sonntag von der Münchner Polizei stundenlang befragt, kehrte am späten Abend aber noch nach London zurück (EINWURF: Jämmerliche Pausenhof-Gockel) .

Ermittlungen gegen Haye

Haye kam der Befragung durch die Behörden durch seine Flucht zuvor, soll aber weiterhin vorgeladen werden.

"Wir wollen natürlich weiterhin mit Herrn Haye sprechen", sagte Wolfgang Wenger von der Münchener Polizei zu "Sky Sport News HD": "Es gibt natürlich Emittlungen gegen ihn. Wie man nun an ihn herankommt, ob in England oder bei uns, muss die Justiz entscheiden."

Lebenslange Sperren drohen

Haye teilte in seinem Statement mit, bei der Aufklärung des Vorfalls behilflich sein zu wollen - allerdings sprach er nur von den "boxing authorities".

Die hatten sich bereits zuvor zu Wort gemeldet. Robert Smith, Generalsekretär des Kontrollausschusses im britischen Boxverband (BBBC), hatte lebenslange Sperren für Haye und Chisora ins Gespräch gebracht.

Haye befindet sich allerdings seit seiner Niederlage gegen Vitalis jüngeren Bruder Wladimir Klitschko seit Oktober 2011 offiziell im Ruhestand.

Der britische Verband könnte Haye aber eine neue Lizenz verweigern, sollte der 31-Jährige sich zu einem Comeback entschließen.

Chisora zu Anhörung zitiert

Chisora, der im Vorfeld des Kampfes Vitali Klitschko geohrfeigt hatte, wurde derweil vom Verband für den 14. März zu einer Anhöhrung zitiert.

Dann soll er sich zu seinem Verhalten "vor, während und nach dem Kampf" erklären, hieß es in einer BBBC-Mitteillung.

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