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Vitali Klitschko (r.) gewann 44 seiner 46 Kämpfe, 40 durch K.o. © getty

Der Weltmeister brennt nach dem Prügel-Eklat auf einen Rückkampf mit Chisora. Doch Manager Bönte erteilt eine klare Absage.

München - Der "Fall Dereck Chisora" lässt Vitali Klitschko nicht in Ruhe.

Der emotional aufgewühlte Schwergewichts-Weltmeister würde den britischen Skandalboxer am liebsten noch einmal vor die Fäuste bekommen und dann richtig bestrafen.

"Mein Verstand sagt mir, dass ich ein Rematch nicht benötige. Aber mein Ego, mein tiefes, inneres Ich sagt mir ganz deutlich, dieser Mann braucht von mir noch eine richtige Bestrafung. Ich möchte ihn im Ring k.o. schlagen. Diese Rechnung ist noch offen", sagte der 40-Jährige der Tageszeitung "Die Welt".

Das gleiche gelte für David Haye.

Rückkampf "absolut undenkbar"

Doch dies wird wohl nur ein frommer Wunsch bleiben. "Ein Rückkampf ist absolut undenkbar, den wird es nicht geben. Damit befassen wir uns nicht", sagte Bernd Bönte.

Der Manager der beiden Klitschko-Brüder bringt angesichts der skandalösen Vorfälle am Rande der erfolgreichen Titelverteidigung gegen Chisora am vergangenen Samstag in München Verständnis für den alten und neuen WBC-Champ auf.

"Natürlich ist Vitali emotional betroffen. Aber so ein Kampf ist kein Thema, wir werden Chisora keine weitere Plattform bieten", führte Bönte aus.

Sperre steht zweitem Duell im Weg

Auch aus einem anderen, ganz einfachen Grund könne es nicht zu einem zweiten Duell Vitali Klitschko gegen Chisora kommen.

"Im nächsten Monat findet in London eine Anhörung statt. Dann wird er sicher neun bis zwölf Monate gesperrt. Zudem fällt er nach der Niederlage aus den Top 15 der WBC-Rangliste raus und müsste sich erst wieder hochboxen", sagte Bönte (BERICHT: Klitschko verteidigt Titel - Eklat nach dem Kampf).

[kaltura id="0_d4a3mojp" class="full_size" title="Eklat auf der Pressekonferenz"]

Erste Priorität habe nun erst einmal, dass Vitali Klitschko seinen Sehnenanriss in der Schulter ausheile.

"Jetzt stehen sechs, sieben Wochen konservative Behandlung sowie Reha in Hamburg und Kiew an. Dann werden wir weitersehen", sagte Bönte.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Inzwischen hat auch die Münchner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet.

Gegen wen es sich richtet, werde derzeit noch geklärt: "Wir versuchen, die Geschehensabläufe zu klären, und dann schauen wir, wer wofür verantwortlich ist", sagte Sprecher Thomas Steinkraus-Koch der Nachrichtenagentur "dpa".

Die Münchner Staatsanwaltschaft ist zuständig, weil der Tatort in der bayerischen Landeshauptstadt liegt.

Auch Wladimir hat Rechnung offen

Zudem sei noch offen, wie lange Vitali überhaupt noch boxe. Klitschko tritt in diesem Jahr bei der Bürgermeisterwahl in Kiew an.

Er hatte angekündigt, bei einem politischen Sieg die Box-Handschuhe sofort an den Nagel zu hängen.

Dann bliebe nur noch die Möglichkeit, dass sich sein Bruder Wladimir des Falles Chisora annehme.

"Das könnte ich mir schon eher vorstellen", sagte Bönte dazu. Wladimir Klitschko war von Chisora unmittelbar vor dem Kampf seines Bruders im Ring mit Wasser bespuckt worden und hat damit auch noch eine persönliche Rechnung mit dem Briten offen.

Provokationen und Schlägerei

Nach dem Kampf war es dann sogar noch dicker gekommen. Chisora und Ex-Weltmeister Haye, der bei dem WM-Kampf überraschend als TV-Experte vor Ort war, hatten bei der Pressekonferenz für einen gewaltigen Skandal gesorgt (INTERVIEW: BdB-Präsident Thomas Pütz bei SPORT1).

Die Beiden lieferten sich nach gegenseitigen Provokationen eine handfeste Schlägerei. Beiden drohen lange Sperren durch den britischen Boxverband, wobei sich Haye seit Oktober 2011 offiziell im Ruhestand befindet.

Bönte: Keine Inszenierung

Dass sich Haye überhaupt Zutritt in die Halle verschafft hatte, war so nicht geplant.

"Sein Management hatte wegen eines Tickets angefragt, wir haben aber abgelehnt. Dann erfuhren wir plötzlich, dass er über die BBC und BoxNation eine Journalisten-Akkreditierung bekommen hat", schilderte Bernd Bönte die Situation und wies damit Spekulationen über eine angebliche Inszenierung der Vorfälle zurück.

Sdunek relativiert Zwischenfälle

Klitschkos Trainer Fritz Sdunek empfand die Prügelszenen, bei denen Haye unter anderem mit einem Kamerastativ zuschlug, nicht brutaler als Zwischenfälle in anderen Sportarten (352172DIASHOW: Skandale im Boxsport).

"Wenn man Leuten mit Fußballschuhen ins Gesicht tritt, ist das auch nicht gerade angenehm. Wir müssen uns doch nur jede Woche die Bundesliga angucken, was wir da alles für Problemfälle sehen, oder beim Eishockey, wenn die sich die Schläger über den Kopf ziehen", sagte der 64-Jährige im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Dadurch seien diese Sportarten "doch erst populär und interessant".

"Schlechterzogener Junge"

Er kenne vom Sportler Chisora auch dessen disziplinierte Seite, so Sdunek:

"Er ist nun mal ein schlecht erzogener Junge. Ich kenne ihn anders, als ihn mal als Sparringspartner im Camp hatte, da hat er toll mitgearbeitet. Deshalb bin ich jetzt bitter enttäuscht, wie man sich so benehmen kann."

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