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Marco Huck feierte bislang 34 Siege - 25 davon durch K.o. © getty

Von den Morddrohungen vor dem Kampf gegen Powetkin lässt sich Marco Huck nicht beeindrucken. Er plant lieber die Zukunft.

Stuttgart - Beim öffentlichen Wiegen am Freitag in einem Shopping-Center wurde Marco Huck von 36 Leibwächtern beschützt. Den Weg zu einem WM-Kampf gegen einen der Klitschko-Brüder muss der Boxprofi aber trotz der aufsehenerregenden Morddrohung ohne fremde Hilfe einschlagen.

"Die Drohung belastet mich nicht", sagte der Cruisergewicht-Weltmeister, der bei seinem Schwergewichts-Debüt am Samstag in Stuttgart zu einem WM-Fight zweiter Klasse gegen den Russen Alexander Powetkin antritt.

Um dann zu ergänzen: "Ich will Powetkin schlagen, um dann gegen die Brüder zu kämpfen."

Wirbel um Drohbrief

Allerdings hat die Veröffentlichung eines an Huck adressierten Drohbriefs in den Tagen vor dem Kampf mehr Aufmerksamkeit erzeugt als der Fight selbst. (BERICHT: Morddrohung gegen Huck)

In dem Schreiben wird der gebürtige Serbe, seine Familie und sein Trainer Ulli Wegner bedroht. "Ich mache mir keine Gedanken darüber. Es ist nur traurig, weil es nicht nur mich betrifft", sagte Huck, der mit seiner Anzeige Ermittlungen der Polizei eingeleitet hat. (352172DIASHOW: Skandale im Boxsport)

Wegners Befürchtung

Coach Wegner, der sich mit Huck in ein geheim gehaltenes Hotel zurückgezogen hat, geht nach eigenen Angaben "ganz gelassen" mit der Situation um. Dennoch befürchtet der Coach Auswirkungen auf seinen Schützling. "Wir haben das kurz angesprochen", äußerte Wegner: "Hoffentlich wird Marcos Konzentration auf den wichtigen Kampf dadurch nicht gestört."

Für Huck ist der Fight gegen seinen Kollegen aus dem Sauerland-Boxstall in der Tat von großer Bedeutung.

Nur mit einem Sieg gegen den Olympiasieger von Athen, der alle seine bisherigen 23 Profikämpfe gewonnen hat, kann sich der 27-Jährige für ein Duell mit Vitali oder Wladimir Klitschko empfehlen.

[kaltura id="0_d4a3mojp" class="full_size" title="Eklat auf der Pressekonferenz"]

WM-Kampf ja oder nein?

Doch obwohl die Sauerland-Verantwortlichen nicht müde werden, von einem WM-Kampf zu sprechen und Huck als möglichen Nachfolger von Max Schmeling anzupreisen, geht es vor rund 6000 Zuschauern in der wahrscheinlich ausverkauften Arena nicht wirklich um einen WM-Gürtel.

Daran änderte auch die mehr als peinliche Spitzfindigkeit des Weltverbandes WBA nichts.

Dass Powetkin als WBA-Weltmeister geführt wird, weil Wladimir Klitschko (Champion bei WBA, IBF und WB0) den Status des Super-Weltmeisters genießt, schadet dem Profiboxen ebenso wie jedes Skandalurteil. (INTERVIEW: BdB-Präsident Thomas Pütz bei SPORT1)

Huck, der 34 seiner bisherigen 35 Kämpfe gewonnen hat, sieht das natürlich anders. "Ich bin nicht für die Regeln verantwortlich. Ich kämpfe um eine WM", sagte der zu Jahresbeginn von Bielefeld nach Berlin umgezogene Huck trotzig.

Klitschko-Fight fraglich

Der seit 2009 mit der deutschen Staatsbürgerschaft ausgestattete Cruisergewicht-Champion der WBO, der eigentlich Muamar Hucic heißt, nutzt die fragwürdige Regelung der WBA aber dennoch, um für einen Kampf gegen Klitschko die Werbetrommel zu rühren: "Wenn irgendwelche Zweifel bestehen, dass ich bei einem Sieg Weltmeister bin, kann ich versuchen, diese Zweifel gegen Wladimir zu beseitigen."

Dass es zu einem Kampf gegen die Klitschkos kommen wird, scheint allerdings nicht nur aufgrund der unterschiedlichen TV-Verträge unwahrscheinlich. Schließlich gilt Huck als Außenseiter gegen Powetkin - obwohl der Russe zwei Wochen vor dem Kampf nervös wurde und seinen US-Trainer Teddy Atlas durch den Russen Alexander Simin, den früheren Coach von Ex-Champion Nikolaj Walujew, ersetzt hat.

Klitschko lästert

"Ich glaube nicht, dass er gegen Powetkin gewinnt", hatte Vitali Klitschko zuletzt gesagt. (BERICHT: Klitschko verteidigt Titel - Eklat nach dem Kampf)

Auch die WBO hält einen Erfolg des Deutschen offensichtlich für unwahrscheinlich. Der Verband hat Huck ein Ultimatum gestellt. Er muss sich innerhalb von zehn Tagen nach dem Kampf entscheiden, ob er ins Cruisergewicht zurückkehrt und dort seinen Titel gegen den britischen Pflichtherausforderer Ola Afolabi verteidigt.

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