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Der 27-jährige Marco Huck ist seit rund drei Jahren Weltmeister im Cruisergewicht © getty

Marco Huck offenbart gegen Powetkin technische Schwächen. Der 27-Jährige fordert Revanche - und glaubt an ein Duell gegen Klitschko.

Stuttgart - Das Konzert von Udo Jürgens nebenan in der Schleyer-Halle war längst zu Ende, als Marco Huck gegen 1.30 Uhr am Sonntagmorgen immer wieder die gleiche Leier zum Besten gab.

"Wenn er ein Mann ist, stellt er sich zum Rückkampf. Alle Welt hat mich als Sieger gesehen", sagte Huck (523412DIASHOW: Hucks verflixte siebte Runde).

"Die Punktrichter haben für ihn gewonnen. Er hat noch bei der Urteilsverkündung gewackelt", lamentierte der Profi, nachdem er bei seinem Schwergewichts-Debüt eine knappe Niederlage im WM-Kampf zweiter Klasse gegen den Russen Alexander Powetkin kassiert hatte (Bericht).

Klitschkos unangefochten

Die eigentlichen Sieger hießen aber mal wieder Vitali und Wladimir Klitschko.

Die wilde Prügelei vor 6000 Zuschauern in Stuttgart war zwar unterhaltsamer als die meisten Klitschko-Kämpfe, hat aber auch gezeigt, dass den Weltmeistern aus der Ukraine sportlich niemand das Wasser reichen kann.

Nicht der technisch arg limitierte Huck und auch nicht Powetkin, wenn dieser konditionell so erbärmlich vorbereitet ist wie am Samstag.

Huck mit Beulen

Beim Blick in Hucks Gesicht wäre ohnehin kaum jemand auf die Idee gekommen, dass der Cruisergewichts-Weltmeister der wahre Gewinner des Fights sein könnte.

Selbst eine dicke Sonnenbrille konnte die blutenden Wunden nicht verbergen, das Lesen der Mails auf dem Smartphone fiel dem Berliner aufgrund der Beulen rund um die Augen sichtlich schwer.

Dennoch war Powetkins Sieg gegen seinen Kollegen aus dem Sauerland-Boxstall umstritten.

Powetkin im Glück

Der Olympiasieger von 2004 hatte großes Glück, dass ihm seine konditionellen Schwächen nicht zu Verhängnis wurden.

Technisch war Huck dem 32-Jährigen zwar erwartungsgemäß unterlegen, Powetkin wackelte aber das ein oder andere Mal bei den Attacken des gebürtigen Serben.

Entsprechend knapp war das Urteil. Zwei Punktrichter sahen Powetkin vorne, der dritte Mann am Ring wertete den Kampf unentschieden (BERICHT: Morddrohung gegen Huck).

Wegner sauer auf Punktrichter

Während das Urteil der Punktrichter selbst für Hucks Trainer Ulli Wegner nachvollziehbar war, regte sich der Coach über Ringrichter Luis Pabon aus Puerto Rico auf.

"Es war eng, das Urteil ist wie es ist", sagte Wegner: "Aber dass der Ringrichter Powetkin nicht einmal verwarnt hat, obwohl er ständig den Kopf tief hatte, verstehe ich nicht."

Die Kritik war berechtigt, da Powetkin vor den Augen des britischen Skandalboxers Dereck Chisora immer wieder mit dem Kopf auf Kniehöhe durch den Ring stolperte.

"Habe ihn unterschätzt"

Immerhin war die Vorstellung Powetkins, der alle seine 24 Kämpfe gewonnen hat, nach dem Fight souverän. Der Russe gestand Fehler ein.

"Vielleicht habe ich ihn unterschätzt", sagte Powetkin, der "kein Problem mit einem Rückkampf hat".

Auch Trainer Alexander Simin, der US-Coach Teddy Atlas erst vor zwei Wochen abgelöst hatte, war ehrlich: "Vielleicht haben wir Fehler im Training gemacht. Ich hatte kaum Zeit, um die wichtigen Dinge zu trainieren. Er muss abnehmen, er hat nur 50 Prozent seines Könnens gezeigt."

Rahman wartet

Trotz der Bereitschaft zu einem Rückkampf wird Powetkin sein wahres Können frühestens im Herbst noch einmal gegen Huck zeigen.

Zuvor muss Powetkin gegen Ex-Weltmeister Hasim Rahman (USA) antreten. Dann steht erneut ein WM-Fight auf dem Programm, der keiner ist.

Schließlich hat der Russe seinen angeblichen Titel nur der lächerlichen Spitzfindigkeit des Weltverbands WBA zu verdanken.

Powetkin wird als WBA-Weltmeister geführt, weil Wladimir Klitschko (Champion bei WBA, IBF und WB0) den Status des Super-Weltmeisters genießt.

Huck will Klitschko-Kampf

Um die Klitschko-Brüder ging es in Stuttgart natürlich auch. "Ich will erst noch mal gegen Powetkin boxen, dann gegen einen Klitschko", sagte Huck in einem Anflug von Größenwahn.

Promoter Wilfried Sauerland, in dessen Namen Huck fernab der Realität zum potenziellen Nachfolger von Max Schmeling ausgerufen worden war, sah dies nach der zweiten Niederlage Hucks im 36. Kampf anders: "Mir wäre es am liebsten, wenn Marco ins Cruisergewicht zurückkehren würde."

Dafür gibt es aus Sauerlands Sicht gute Gründe. Schließlich verteidigte Huck achtmal den WBO-Titel erfolgreich.

Zudem ist ein Kampf gegen einen der Klitschkos wegen der TV-Verträge (Huck bei der ARD, die Klitschkos bei RTL) unwahrscheinlich.

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