Platzt der Rüpel-Fight unter falscher Flagge?
Von Raphael Weber
München - Es soll das große Hass-Duell werden, die zweite Runde zwischen den Skandal-Boxern Dereck Chisora und David Haye - nach der Prügelei auf der Pressekonferenz von München aber dieses Mal ganz offiziell im Ring.
Doch der geplante Fight am 14. Juli im 35.000 Zuschauer fassenden Upton Park Stadion von Westham United in London droht nun zu platzen. (DIASHOW: Die größten Box-Skandale)
Der Grund: Der Schachzug von Promotor Frank Warren, der das Mega-Event zusammen mit Sauerland organisiert, Chisora und Haye unter Luxemburger Lizenz antreten zu lassen, stößt dem britischen Verband sauer auf.
Die Boxkommission will den Fight mit aller Macht verhindern, da sie sich durch die Luxemburg-Finte von Warren brüskiert sieht, und hat nun offenbar erwirkt, dass Luxemburgs Verband von der EBU (European Boxing Union) suspendiert wird, sollte er den beiden Skandalboxern tatsächlich die Lizenz erteilen.
Noch keine Suspendierung
Medienberichte, wonach die EBU die luxemburgische Kommission bereits auf weiteres ausgeschlossen habe, dementierte der Verband jedoch.
"Wir wurden nicht suspendiert", erklärte Generalsekretär Toni Tiberi: "Die Suspendierung tritt lediglich in Kraft, falls wir den Kampf durch unsere Lizenzausstellungen ermöglichen."
Chisora und Haye ohne Erlaubnis
Genau das ist jedoch Voraussetzung für den schlagzeilenträchtigen Fight zwischen Haye und Chisora, die beide ihre Lizenz jüngst verloren haben. (BERICHT: Klitschko über Rüpel-Fight: "Freak-Show")
Chisora wurde seine Kampferlaubnis im März bis auf Weiteres entzogen, seine Anhörung bei der Britischen Boxkommission ist erst für Juli angesetzt.
Der "Hayemaker" wiederum hatte nach seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko eigentlich sein Karriereende verkündet, seine Lizenz beim britischen Verband nicht verlängert und steht nun ebenfalls ohne Kampferlaubnis da.
Neue Argumente gegen Chisora-Lizenz
Das BBBofC (British Boxing Board of Control) will offensichtlich dafür sorgen, dass es so bleibt und hat wohl nicht nur Druck auf die EBU ausgeübt, dem Luxemburger Verband mit Suspendierung zu drohen, sondern die Luxemburger auch Gründe für eine Verweigerung der Lizenz an Chisora geliefert.
"Es geht um Gewalt, die Dereck Chisora in seinem Privatleben verübt haben soll", verrät Tiberi. Man werde diese Anschuldigungen prüfen: "Sie stellen ein neues Momentum dar. Ich werde den Vorstand des Boxverbands in der kommenden Woche zu einer Sitzung einbestellen, um diese Informationen zu diskutieren."
Noch keine Lizenz aus Luxemburg
Bis jetzt hat ohnehin keiner der beiden Skandalboxer eine Lizenz von der LBF (Luxembourg Boxing Federation) erhalten.
"Was Dereck Chisora angeht, so fehlt uns noch das Ergebnis der sportärztlichen Untersuchung", erklärte LBF-Generalsekretär Tiberi.
David Haye sei sogar noch überhaupt nicht zur sportärztlichen Untersuchung in Luxemburg gewesen. "Eigentlich sollte er diese in der vergangenen Woche absolvieren, wir hatten jedoch nicht bedacht, dass der 'Medico' wegen der Schulferien geschlossen war", berichtet Tiberi.
BBBofC droht mit Lizenz-Entzug
Vom britische Verband werden Haye und Chisora nach dem Eklat von München keine Lizenz erhalten. Darüber hinaus drohte das BBBofC, jedem Protagonisten beim Mega-Fight am 14. Juli die Lizenz zu entziehen.
Haye hatte Chisora auf der Pressekonferenz im Anschluss an dessen Niederlage gegen Vitali Klitschko im Februar wiederholt provoziert.
Auf das kurze Wortgefecht folgte eine wüste Prügelei durch den Raum, bei der die beiden Boxer erst durch mehrere Securitys getrennt werden.
Ob es tatsächlich zu einer zweiten Runde unter Wettkampfbedingungen kommt, steht in den Sternen.
Zwei Auswege bleiben
Soll der Hass-Fight, für den im Mai bereits 17.000 Tickets verkauft wurden, doch noch stattfinden, bleiben Promoter Warren wohl noch zwei Möglichkeiten.
Scheitert der Luxemburg-Schachzug, könnte man Haye und Chisora Lizenzen aus einem Land außerhalb der EBU besorgen. ( NEWS: Alles zum Boxen)
Alternativ könnte die Revanche im Ring einfach als Showkampf deklariert werden. Auf die eine oder andere Art werden sich Haye und Chisora trotz aller Widrigkeiten aber wohl am 14. Juli in London gegenüberstehen.