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Wladimir Klitschko (r.) schlug Konkurrent Tony Thompson 2008 technisch K.o. © imago

Wladimir Klitschkos Herausforderer will trotz hohen Alters triumphieren. Aus einer Lektion 2008 will er viel gelernt haben.

Bern - Wenn die sieben Kinder von Tony Thompson in diesen Tagen zu Hause in Maryland artig ihr Frühstück essen, denken sie automatisch an ihren Vater in der fernen Schweiz.

Schließlich kam der Thompson-Nachwuchs vor ein paar Jahren auf die Idee, dem boxenden Papa den Spitznamen einer Frühstücksflocken-Werbefigur zu verpassen. Seitdem nennt sich Thompson "The Tiger".

Das Raubtier in sich muss der 40 Jahre alte Amerikaner am Samstag in Bern auch mit Sicherheit wecken, wenn er Weltmeister Wladimir Klitschko schlagen und einen Altersrekord aufstellen möchte. (VORSCHAU: Klitschko fürchtet Insiderwissen)

"Ich werde es schaffen"

So alt wie Thompson war noch kein Schwergewichtsboxer bei seinem ersten Titelgewinn.

Wie ein Box-Opa, der sich bei dem Fight unter freiem Himmel vor rund 20.000 Zuschauern im Stade de Suisse nur einen Zuschuss zur Frührente abholen will, wirkt Thompson in den Tagen vor dem Kampf allerdings nicht.

Zumindest verbal zeigt sich der Pflichtherausforderer angriffslustig. "Ich werde es schaffen - am 7. Juli werden es alle sehen. Ich werde der erste Boxer sein, der mit 40 Jahren zum ersten Mal Weltmeister wird", tönte Thompson: "Ich werde den Titel in die USA zurückbringen. Dort warten alle Fans schon so lange auf die Gürtel, die die Klitschkos einfach nicht hergeben wollen."

Technischer K.o. in Runde elf

Mit diesem Ziel war Thompson vor vier Jahren schon einmal gegen Wladimir angetreten. In Hamburg leistete der Rechtsausleger, der erst als 27-Jähriger mit dem Boxen angefangen hat, seinerzeit erheblichen Widerstand gegen "Dr. Steelhammer". (118391DIASHOW: Wladimir Klitschkos größte Kämpfe)

Am Ende verlor Thompson durch technischen K.o. in der elften Runde - bis zu diesem Kampf war der Amerikaner noch nie zu Boden gegangen. "Wladimir hat mir damals eine schmerzhafte Lektion erteilt, aus der ich sehr viel gelernt habe. Genau das wird er nun vielleicht bereuen", sagte Thompson.

In der Tat hat Klitschko viel Respekt vor seinem Herausforderer, der 35 seiner 37 Profikämpfe (23 davon durch K.o.) gewonnen hat. "Seit dem Hamburger Fight hat Thompson alle seine Kämpfe durch K.o. gewonnen. Er ist erfahrener geworden und als Rechtsausleger für mich etwas unangenehm zu boxen", sagte der Titelträger der Verbände IBF, WBO und WBA.

Klitschko ohne Größenvorteil

Klitschko weiß, wovon er spricht. Schließlich kennt er Thompson aus zahlreichen Trainingsrunden.

Das Insiderwissen seines Gegners fürchtet der Ukrainer, der nur zwei Zentimeter größer als Thompson ist: "Er kennt mich in- und auswendig, besser als jeder andere Gegner. Ich denke, wir werden den besten Thompson aller Zeiten sehen. Im Gegensatz zu anderen Herausforderern wird er sich nicht verstecken."

Davon geht auch Thompsons Co-Trainer Enno Werle aus. "Tony hat eine gute Chance gegen Waldimir, der wird sich auf einige Überraschungen gefasst machen müssen", sagte der Coach aus Kaiserslautern, der mit Cheftrainer Barry Hunter in der Ecke stehen wird: "Tony ist nur unwesentlich kleiner als Klitschko. Der wird also keine Vorteile in Reichweite und Physis haben."

Niederlage in der Nordwand

Das erste Duell gegen Klitschko hat der Tiger allerdings schon vor knapp zwei Wochen verloren. (NEWS: Alles zum Boxen)

Während sich der Weltmeister bei einem Fototermin angeseilt und mit einem Eispickel bewaffnet in die Eiger-Nordwand traute, musste Thompson seiner Höhenangst Tribut zollen und sich das Schauspiel aus sicherer Entfernung anschauen.

Am Samstag soll das laut Thompson allerdings anders aussehen: "Dann werde ich den Box-Gipfel erklimmen."

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